FriedensnobelpreisträgerWałęsa will Homosexuelle auf letzte Bank verbannen

Polens Expräsident und Friedensnobelpreisträger Lech Wałęsa nennt Schwule und Lesben "eine Minderheit, die auf uns herumtrampelt". Sie sollten im Parlament hinten sitzen.

Der frühere polnische Gewerkschaftsführer und Präsident Lech Wałęsa hat sich abfällig über Homosexuelle geäußert. Seiner Meinung nach sollten homosexuelle Abgeordnete im Parlament in der letzten Reihe oder sogar draußen sitzen – "nahe der Mauer oder sogar hinter der Mauer". Das sagte er in einem Fernsehinterview.

Auch Demonstrationen von Homosexuellen sollten nach Aussage des Friedensnobelpreisträgers nicht im Stadtzentrum, sondern in Außenbezirken stattfinden. "Ich will nicht, dass diese Minderheit, mit der ich nicht einverstanden bin, auf die Straßen geht und meine Kinder und Enkel verwirrt", sagte Wałęsa.

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Er sprach sich gegen angeblich zu weitreichende Forderungen Homosexueller aus. "Sie müssen wissen, dass sie eine Minderheit sind und sich mit kleinen Dingen abfinden müssen, aber nicht nach Gipfeln streben sollen", sagte er. Es handele sich um "eine Minderheit, die auf uns herumtrampelt", sagte Wałęsa.

Polen streitet derzeit über eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare. Die liberalkonservative Regierung und die linke Opposition bereiten dazu Gesetzesinitiativen vor. Nationalkonservative Politiker lehnen rechtliche Verbesserungen für schwule und lesbische Paare ab. Unter den Abgeordneten im polnischen Parlament ist derzeit ein bekennender Schwuler sowie ein Transsexueller.

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Leserkommentare
  1. Polen so nah und doch so anders? Darf den sowas sein?

    Findet euch ab damit ab das ein paar Meter hinter der Grenze ganz andere Gesellschaften auf euch warten im "Vereingiten Europa".

    Herr Wałęsa hat seine Meinung gesagt, das noch sehr differenziert, und die wird nicht unterrepresentiert sein in Polen (wie Frankreich, Ungarn etc.).

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    • NoG
    • 02. März 2013 10:06 Uhr

    klingt eher so als ob er auf der baustelle witzig sein wollte.

    für den lehrreichen Hinweis, womit ich mich abzufinden habe.
    Wo die Aussage von Walesa differenziert sein soll, verstehe ich nicht. Minderheiten, die für sich Rechte einfordern, sollen diese nicht bekommen, weil die etwas tun was mir nicht gefällt? Und dazu noch ostentativ ausgegrenzt werden?

    Dass dieser Vorschlag im polnischen Parlament gemacht wurde, ist dann wahrscheinlich auch nur ein "Ausrutscher" der Polen?
    Kann schon sein, dass die noch nicht so offen sind wie wir, das liegt dann wohl an den katholischen Wertvorstellungen, die dort etwas verbreiteter sind.

    • oooo
    • 02. März 2013 13:58 Uhr

    Hallo,

    es heißt "repräsentiert", nach "Findet euch damit ab" setzt man ein Komma, was dann wiederum ein Hinweis darauf ist, dass das "dass" danach mit zwei "s" geschrieben werden sollte.

    Falls Deutsch für Sie keine Muttersprache ist, sind ihre Fehler verständlich. Ansonsten sollten Sie vielleicht in Zukunft noch einmal mehr gegenlesen, bevor Sie unsere Nachbarländer in einem Rundumschlag verunglimpfen.

    dass in diesem Polen der (S)exorzismus aufersteht, kann man schließen, dass diese Gesellschaft nicht reif für eine europäische rechtsstaatliche Gesellschaft ist.

    Das sind zu erwartende Mindeststandards.

    • ThoLer
    • 03. März 2013 11:13 Uhr

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich differenziert und verzichten auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/sam

    Auch ich finde , dass die Aussage, Homosexuelle verwirtten die beeinflussbaren Kinder zum Negativen ist alles andere als differenziert. Für mich ist das xenophobe Polemik und nichts anderes und die angestrebte Verbannung von Abgeordneten in die letzte Reihe widerspricht jedem modernen Demokratieverständnis. Ungeachtet kultureller Differenzen halte ich solche Äußerungen für alarmierend, gerade weil sie von einem europäischen Friedensnobelpreisträger kommen.

    In Deutschland und einigen anderen westeuropaeischen Laendern wird die Debatte ueber gleichgeschlechtliche Ehe unter den Vorzeichen gefuehrt, dass eigentlich alle politischen Parteien alle Medien und die Mehrheit der Bevoelkerung dafuer sind.
    Dies ist nicht ueberall so. Wahrscheinlich gibt es in D und anderen Laendern eine signifikante (unter Umstaenden wahlentscheidende) Minderheit, die sich hinter einer Partei sammeln koennte, die die gleichgeschlechtliche Ehe ablehnt.
    Es sieht zwar momentan so aus als ob die Gleichstellung kommt, aber ob das langfristig so bleibt, ist noch nicht ausgemacht. Die Kuh ist noch nicht vom Eis.

  2. Ich finde es zunächst einmal befremdlich, dass ein solcher Kommentar von jemandem, der für sein Engagement für Frieden geehrt wurde, kommt; auch seine Rhetorik lässt auf alles Andere, als eine besodners kompetente und friedliche Allgemeinabsicht schließen. Zur Sache an sich sei verdeutlicht, für wie exemplarisch ich diese homophobe Aussage halte - ein älterer Herr hat Angst um die "gute Gesellschaft" und sein Weltbild. Was tut er dafür? Er diskriminiert eine Minderheit (genau genommen spricht er ihnen konsequent bis zum Ende gedacht fast alle Rechte ab). Wenn es ihm das wert ist, seine verstaubten und antiquierten weltanschaulischen Überlegungen aufrecht zu erhalten, sollte er seinen Preis sofort entzogen bekommen oder hoffentlich selbst zurückgeben.

    Ich finde es traurig, dass es solch ein Verhlaten auch noch heute gibt. DIe Mneshcne sind nicht gleich - und das ist gut so!

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    • cm30
    • 02. März 2013 12:28 Uhr

    Geht es hier nicht eher um die Diskussion, ob es schwule/lesbische Ehepaare geben darf oder nicht? Das wäre doch streitbar, immerhin geht es lediglich um steuerliche Vorteile, denn lieben kann man sich dennoch und ist nicht verboten. Gerade der Ehe, von der katholischen (homophoben) Kirche gepriesen, hinterherzulaufen, ist doch sehr zynisch.

    Des weiteren gibt es in Deutschland Gesetzesänderung zum Verbot von Sodomie. Also dem einen werden die sexuellen Vorlieben gegönnt, dem anderen verwehrt. "Fortschritt" ist doch was Relatives.

    Oder was ist mit dem, der polygam leben will. Oder der ältere Mann/die ältere Frau, die Jüngere lieben. Ist der-/diejenige auch gesellschaftlich akzeptiert?

    Dass man immer nur die Homosexualität hochleben lässt, wenn man um seine Toleranz werben möchte, zeigt, dass Vieles noch im Argen liegt - gegen die Homosexualität (denn sonst wäre sie selbstverständlich und man müsste sich nicht ständig darauf berufen) sowie gegenüber anderen Vorlieben und Fetischen.

    Der Friedensnobelpreis hat nichts mit Walesas Meinung zu Homosexuellen zu tun. Man kann ihm seinen Preis nicht entziehen, nur weil er zu einem völlig anderen Thema eine ganz andere Meinung hat als viele andere. Solange er nicht aktiv gegen Homosexuelle vorgeht und nur seine Meinung dazu sagt, muss sie auch akzeptiert werden. Auch er hat ein Recht auf Meinungsfreiheit. Zudem kann man unsere deutschen Werte und Ansichten nicht als Maßstab nehmen um festzulegen, wer seinen Nobelpreis behalten darf und wer nicht, immerhin vergibt nicht Deutschland den Preis. Man darf nicht vergessen, dass Walesas Meinung in anderen Ländern bestimmt auf große Zustimmung trifft.

    Nichts desto trotz ist es natürlich ein Unding, dass ein Nobelpreisträger und Mensch von seinem Format solche Äußerungen hervorbringt.

  3. stehen gerne mal im Abseits rum und fühlen sich als Führungsspieler.
    Abhaken.

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    • NoG
    • 02. März 2013 10:06 Uhr

    klingt eher so als ob er auf der baustelle witzig sein wollte.

    16 Leserempfehlungen
  4. Da waren meine Finger am Ende woll zu schnell, es sollte natürlich heißen: "Ich finde es traurig, dass es solch ein Verhalten auch noch heute gibt. Die Menschen sind nicht gleich - und das ist gut so!"

    Eine Leserempfehlung
  5. Diese Art von Rhetorik ist gefährlich und sie ist im höchsten Maße menschenverachtend.
    Es scheint mir, dass viele Länder in Europa ihre Vergangenheit nicht kennen und intensiv an ihrer Aufarbeitung arbeiten müssen.

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    ...lese ich solche Schlagzeilen, wenn ein ausländischer Politiker sich mal deneben benimmt, immer wieder gern und insgeheim mit einer gewissen Genugtuung.

    Ich gehöre zu der Generation, der in Schule, Elternhaus und Fernsehen beigebracht wurde, daß die Deutschen das Letzte vom Letzten sind, alles falsch machen, häßlich sind, daß dies oder jenes “nur in Deutschland” möglich sei und woanders überhaupt gar nicht denkbar, nur hier Mief, Reaktion und Unterdrückung herrschten, und daß im Ausland sowieso viel bessere Menschen wohnen.

    Es befriedigt mich jedesmal, wenn die Realität dieser zurechtgebastelten Weltsicht vor den Kopf stößt.
    Wenn ich einige Kommentare hier so lese, die Polen jetzt als rückständig betrachten und einen belehrenden bis herablassenden Tonfall gegenüber unseren östlichen Nachbarn anschlagen, sieht das zwar auf den ersten Blick nach unsympathischer deutscher Überheblichkeit aus.
    Aber die Wahrheit ist, daß wir Deutschen eben einen Nachholbedarf haben, und uns ein gesundes Selbstwertgefühl erst langsam und mühsam wieder aufbauen müssen. :-)

    • Tobi_G
    • 02. März 2013 10:13 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jk

  6. Dem Herrn scheint sein Aufstieg in den Kopf gestiegen zu sein und da eine gefährliche Verwirrung angerichtet zu haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Bank | Demonstration | Enkel | Minderheit | Opposition | Parlament
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