Friedensnobelpreisträger : Wałęsa will Homosexuelle auf letzte Bank verbannen

Polens Expräsident und Friedensnobelpreisträger Lech Wałęsa nennt Schwule und Lesben "eine Minderheit, die auf uns herumtrampelt". Sie sollten im Parlament hinten sitzen.

Der frühere polnische Gewerkschaftsführer und Präsident Lech Wałęsa hat sich abfällig über Homosexuelle geäußert. Seiner Meinung nach sollten homosexuelle Abgeordnete im Parlament in der letzten Reihe oder sogar draußen sitzen – "nahe der Mauer oder sogar hinter der Mauer". Das sagte er in einem Fernsehinterview.

Auch Demonstrationen von Homosexuellen sollten nach Aussage des Friedensnobelpreisträgers nicht im Stadtzentrum, sondern in Außenbezirken stattfinden. "Ich will nicht, dass diese Minderheit, mit der ich nicht einverstanden bin, auf die Straßen geht und meine Kinder und Enkel verwirrt", sagte Wałęsa.

Er sprach sich gegen angeblich zu weitreichende Forderungen Homosexueller aus. "Sie müssen wissen, dass sie eine Minderheit sind und sich mit kleinen Dingen abfinden müssen, aber nicht nach Gipfeln streben sollen", sagte er. Es handele sich um "eine Minderheit, die auf uns herumtrampelt", sagte Wałęsa.

Polen streitet derzeit über eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare. Die liberalkonservative Regierung und die linke Opposition bereiten dazu Gesetzesinitiativen vor. Nationalkonservative Politiker lehnen rechtliche Verbesserungen für schwule und lesbische Paare ab. Unter den Abgeordneten im polnischen Parlament ist derzeit ein bekennender Schwuler sowie ein Transsexueller.

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Kommentare

203 Kommentare Seite 1 von 25 Kommentieren

Xenophobie und Populismus

Auch ich finde , dass die Aussage, Homosexuelle verwirtten die beeinflussbaren Kinder zum Negativen ist alles andere als differenziert. Für mich ist das xenophobe Polemik und nichts anderes und die angestrebte Verbannung von Abgeordneten in die letzte Reihe widerspricht jedem modernen Demokratieverständnis. Ungeachtet kultureller Differenzen halte ich solche Äußerungen für alarmierend, gerade weil sie von einem europäischen Friedensnobelpreisträger kommen.

Die Realitaeten

In Deutschland und einigen anderen westeuropaeischen Laendern wird die Debatte ueber gleichgeschlechtliche Ehe unter den Vorzeichen gefuehrt, dass eigentlich alle politischen Parteien alle Medien und die Mehrheit der Bevoelkerung dafuer sind.
Dies ist nicht ueberall so. Wahrscheinlich gibt es in D und anderen Laendern eine signifikante (unter Umstaenden wahlentscheidende) Minderheit, die sich hinter einer Partei sammeln koennte, die die gleichgeschlechtliche Ehe ablehnt.
Es sieht zwar momentan so aus als ob die Gleichstellung kommt, aber ob das langfristig so bleibt, ist noch nicht ausgemacht. Die Kuh ist noch nicht vom Eis.

@Nebenwirkungen

Die Sodomie in Ihrem Sinne drückt die gleiche (unqualifizierte) Diskriminierung aus, wie gegenüber den Homosexuellen aus vergangenen Tagen und teilweise heute noch. Bei gewisser Empathie lässt es sich doch unterscheiden, ob man ein Tier quält oder es liebt. Selbst Frauen in der Partnerschaft sind sich bei Vergewaltigungen oft nicht sicher, ob es eine wahr oder nicht. Die Grenzen sind hier fließend und es sehr einfältig, alles auf Gesetze schieben zu müssen.

Die Polygamie ist wohl weit verbreitet angesichts grassierender Prostitution, die man wiederum bekämpfen könnte, wenn es eben eine positive Einstellung zur Sexualität gibt. Demos werden hier also nicht viel bringen, da es die gesellschaftliche Mitte betrifft. Gegen wen soll sie sich auflehnen?

Ich finde es nur sehr gutmenschlich, wie sich so oft Leute über Homophobe echauffieren, aber die meisten der Dauerempörten mit Homosexuellen doch nichts zutun haben wollen. Die Diskriminierung geht doch nicht vom Staate aus (bezgl. der Ehe), sondern von der Gesellschaft selbst. Walesa spricht nur das aus, wonach die Mitte eben handelt.