Im Zeltlager von Bab al-Karama © Rico Grimm

Wasser gab es nicht, auch keinen Strom, erst in der dritten Nacht bekamen sie ein paar Decken. Dicht an dicht schliefen die Bewohner des neu gegründeten palästinensischen Dorfes Bab al-Karama ("Tor der Würde") in einem Zelt, um nicht jämmerlich zu frieren. Im Dunkeln konnten sie die Lichter der israelischen Siedlung Ramot D auf der anderen Seite des Tales sehen.

Am Freitag erst hatten sie hier im Westjordanland das Zeltdorf gegründet und den Grundstein für eine Moschee gelegt. Etliche Freiwillige bauten daran, zwei Tage später waren die Mauern auf Kopfhöhe gewachsen. Die israelischen Soldaten kamen am Montag in aller Frühe: Sie trugen die Zelte weg und zertrümmerten die Moscheemauern. Die kleine Protestsiedlung Bab al-Kamara war wieder verschwunden.

Die Gründer von Bab al-Karama waren die Bewohner des nahen Dorfes Beit Iksa, die mit ihrer Aktion gegen den Ausbau der israelischen Mauer protestieren wollten. Der war vor acht Jahren bereits angekündigt worden, am Checkpoint auf der Hauptstraße hing damals einfach ein Zettel. Vor wenigen Wochen haben die israelischen Behörden das Land für den Bau konfisziert, bis 2015 soll die Mauer stehen. Bab al-Karama läge danach auf der israelischen Seite, obwohl das Gelände nördlich von Jerusalem Palästinensern gehört und sich auf deren Seite der "Grünen Linie" befindet, die das Westjordanland von Israel trennt.

Begonnen hat der Zeltprotest mit dem Dorf Bab al-Shams (Sonnentor). Aktivisten hatten es Anfang Januar östlich von Jerusalem errichtet, auf jenem Gebiet mit der Bezeichnung E1, das Israel mit einer Siedlung erschließen will – die dadurch befürchtete Teilung des Westjordanlands sehen viele als das Ende einer Zwei-Staaten-Lösung. Die palästinensischen Protestler kopierten damit die jüdischen Siedler, die auch anfangs nur Zelte aufstellen, bevor sie eine Siedlung Stück für Stück ausbauen. Schon in der zweiten Nacht räumten israelische Sicherheitskräfte das Lager.

"Fakten schaffen, wie es die Israelis tun"

Eine zweifache Botschaft sollte von der Aktion ausgehen: "Wir wollten, wie es die Israelis tun, Fakten schaffen und an die palästinensischen Flüchtlinge erinnern, die nicht mehr auf ihrem Land leben können", sagt Abdallah Abu Ramah. Der palästinensische Lehrer und einer der Organisatoren des Lagers sagt: "Die Israelis können zwar die Dörfer abreißen, aber diese Idee können sie nicht zerstören."

Nach Bab al-Shams entstanden noch vier weitere Dörfer im Westjordanland, aus Protest gegen den Mauerbau, gegen die Annexion von Land oder die Behandlung palästinensischer Gefangener. Sie alle wurden zügig von den israelischen Sicherheitskräften abgeriegelt und geräumt, Journalisten wurden nicht mehr hineingelassen.

Abu Ramah hatte gemeinsam mit Mohammed Khatib auch den Einfall für die allererste palästinensische Siedlung. In ihrem Heimatdorf Bi'lin schlichen sie vor ein paar Jahren nachts auf ihr Land, das kürzlich für den Ausbau der benachbarten Siedlung vorgemerkt worden war. Dort errichteten sie eine Hütte und klagten vor dem israelischen Obersten Gerichtshof gegen den Siedlungsbau. Sie gewannen den Prozess, der Kampf gegen die Mauer ging allerdings weiter. Abu Ramah wurde inhaftiert, weil er leere Granathülsen ausgestellt hatte.