ZwangsabgabeEuro-Gruppe will Kleinanleger schützen

Die Euro-Gruppe räumt Zypern mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Zwangsabgabe ein. Sparer mit weniger als 100.000 Euro auf dem Konto sollen verschont werden.

Eine Frau protestiert in Zypern gegen die geplante Zwangsabgabe.

Eine Frau protestiert in Zypern gegen die geplante Zwangsabgabe.  |  © Patrick Baz/AFP/Getty Images

Die Finanzminister der Euro-Zone haben Zypern Änderungen bei der umstrittenen Zwangsabgabe auf Kontenguthaben zugebilligt. In einer Erklärung sprach sich die Gruppe dafür aus, "Einlagen unter 100.000 Euro vollkommen zu garantieren".

"Die Euro-Gruppe ist weiterhin der Ansicht, dass Kleinanleger anders als Großanleger behandelt werden sollten", sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach der Telefonkonferenz der Ministerrunde am Montagabend. Auf konkrete Grenzwerte und Prozentsätze ging der Niederländer nicht ein, forderte Regierung und Parlament Zyperns aber zu einer "schnellen Entscheidung" auf.

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Zypern hatte sich am Wochenende mit der Euro-Gruppe auf ein Rettungspaket in Höhe von zehn Milliarden Euro geeinigt. Das Paket beinhaltet auch die umstrittene Zwangsabgabe, die jeder Kontoinhaber einer zyprischen Bank auf seine Spareinlagen zahlen soll. Insgesamt sollen die Bankkunden 5,8 Milliarden Euro zur Rettung des Landes beitragen.

Parlament entscheidet

Diese Abgabe hatte sowohl in Zypern als auch international Kritik ausgelöst. Die Regierung von Präsident Nikos Anastasiades versprach Nachbesserungen und legte den Euro-Finanzministern daraufhin einen neuen Vorschlag vor. Wie die Sondersteuer nun gestaffelt werden soll, ist offiziell nicht bekannt.

Am Nachmittag berät das Parlament in Nikosia über das Hilfspaket und die Zwangsabgabe. Das Votum war bereits zweimal verschoben worden. Die Banken des Landes bleiben bis einschließlich Mittwoch geschlossen.

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Leserkommentare
  1. Das klingt ja ganz nach Robbin Hood.

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    es ist auch kein Zypern oder griecheland-Problem, sondern wie meist wenn Europa in Flammen steht und sich am Scheideweg befand, ist es wieder ein Urdeutsches Problem. Da ist es nur zynisch, dass egal wie katastrophal Merkel diesen Höllenritt gegen die Wand fährt, sie in der Beliebtheit nicht aus dem Schatten jemandandereswer heraustreten können wird.

    Kommt ja ganz darauf an wie die Menschen mit Geld umgegangen sind. 100.000 sind auch zu erreichen wenn man 40 Jahre 200€ im Monat sparen bzw durch einen Nebenjob erwerben kann. Dafür muss man nun nicht zwingend Reich sein. Das sind dann mal eben 4 Jahre die einem genommen werden.

  2. wenn man jetzt das zypriotische Netzwerk nicht an allen Enden stramm zieht wird das doch erst recht nichts. Wichtig ist doch dass auch der letzte Muscheltaucher versteht, dass jetzt im Takt Berliner Marschmusik gearbeitet werden muss, wenn wir den Milliarden fleißigen chinesischen Arbeiterbienchen Schritt halten wollen. Badehose war gestern, ab jetzt ist Quote angesagt.

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    • ZPH
    • 19. März 2013 0:15 Uhr

    wird Merkel weder reinreden wollen noch können. Und wenn ein Land das nicht kann, dann wüsste ich kein Land auf diesem Planeten, dessen Einwohner großartig Lust haben, den Kram anderer Länder zu bezahlen. Warum sollte ein Land das auch freiwillig machen wollen, anderen die Zeche zu zahlen?

    "Anastasiades bat Merkel um Hilfe

    Vor der Abmachung hatte der neue zypriotische Präsident Nikos Anastasiades die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Brüssel gebeten, mitzuhelfen, eine faire Lösung für Zypern zu finden. Doch offenbar entglitt Anastasiades die Situation immer mehr. Laut übereinstimmenden Angaben war er es, der sich schließlich dafür aussprach, auch die Kleinanleger und nicht nur die russischen Unternehmern und Oligarchen mit ihren im Steuerparadies Zypern geparkten Milliarden zu Kasse zu bitten."

    die ganze Meldung: http://www.orf.at/stories...

  3. Wie kann die Euro-Gruppe etwas revidieren, was sie gar nicht beschlossen hatte?

    Hier scheint man bei den Agenturen und Redaktionen inzwischen auch schon den Überblick verloren zu haben.

    Die Euro-Gruppe hatte nur den Betrag festgelegt. Die Entscheidung, wem das Geld weggenommen wird, lag alleine in Händen der Regierung Zyperns.

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    Staatsgeheimnis Bankenrettung - 2013 ARTE , Harald Schumann

    Die Geretteten sitzen - anders als häufig vermittelt und von vielen angenommen wird - nicht in den ärmeren Eurostaaten, sondern hauptsächlich in Deutschland und Frankreich. Ein großer Teil des Geldes landet nämlich bei den Gläubigern der Banken, die gerettet werden wollen oder müssen. Und obwohl diese Anleger offenkundig schlecht investiert haben, werden sie - entgegen aller Logik der freien Marktwirtschaft - auf Kosten der Allgemeinheit vor jeglichen Verlusten geschützt. Warum ist das so? Wer bekommt das Geld? Eigentlich simple Fragen, die aber den Kern der europäischen Identität berühren.

    Harald Schumann gelingt es auf seine eigene, unnachahmliche Weise, dieses komplizierte Thema jedermann verständlich zu machen. Und er vertritt ebenso kenntnisreich wie beherzt seine Meinung. "Staatsgeheimnis Bankenrettung" ist der leidenschaftlichste Film, der je zur Bankenkrise gemacht wurde.

    https://www.youtube.com/w...

    • ZPH
    • 18. März 2013 23:04 Uhr

    Dabei hätte der Schreiber dieses Artikels einfach nur mal die aktuellen Beiträge seiner Kollegen vom selben Blatt lesen müssen. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, dass hier absichtlich Stimmung gegen die EU gemacht wird indem ihr eine Entscheidung der Regierung Zyperns in die Schuhe geschoben wird.

    "...Der Beschluss der Finanzminister ist dennoch unverantwortlich. Damit setzen sich die Staaten über die Zusage an Europas Sparer hinweg, dass ihre Guthaben bis 100.000 Euro sicher sind. Jetzt will es keiner gewesen sein. Die Bundesregierung erklärt, die Verantwortung liege in Nikosia. Dort beteuert der Staatspräsident, er habe das nie gewollt.

    Zur Erinnerung: Ihren Beschluss haben die Finanzminister einstimmig gefällt."
    http://www.fr-online.de/m...

  4. lässt sich leben. Das hätte auch schon früher gesagt werden können. Eine gute Korrektur.

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    Nein, eine weitere Nacht- und Nebelaktion. Vor allem mit viel Nebel in den Köpfen!

  5. es ist auch kein Zypern oder griecheland-Problem, sondern wie meist wenn Europa in Flammen steht und sich am Scheideweg befand, ist es wieder ein Urdeutsches Problem. Da ist es nur zynisch, dass egal wie katastrophal Merkel diesen Höllenritt gegen die Wand fährt, sie in der Beliebtheit nicht aus dem Schatten jemandandereswer heraustreten können wird.

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  6. So erscheint es mir. Wir kommt man erst darauf Kleinsparer in die gleiche Schuldeneintreibungszange zu nehmen? Ich stelle mir das so vor: erstmal probieren, wie reagiert wird und wenn zuviel Widerstand gezeigt wird, können wir die gr. Regierung so hinstellen, als hätten diese die Hosen an.
    Aber auch das Limit, womit Kleinsparer definiert wird, klingt für mich fragwürdig. Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber 100.000 Euro ist für mich persönlich nicht der Bereich von 'klein'.
    Diese Finanzkrise überhaupt zur Staatsschuldenkrise umgeformt zu haben, war der eigentliche Fehler - alle nun erfolgten und kommenden Desaster sind aus dem Anfangsfehler nicht mehr zu lösen. Oder?

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    Wir werden sehen, wie dies ausgeht. Mein Tipp: die EU wird nicht zulassen können, dass von der Garantiesumme 100.000€ abgewichen wird. Daher wird die Troika den Betrag übernehmen. Und damit zahlen dann erneut die EU-Steuerzahler. Von denen die meisten von einem 100.000€- Sparvermögen wohl nur träumen können ...

    Die Gesprächsprotokolle sind inzwischen den Medien zugänglich, die sollten dann aber auch ehrlich damit umgehen.

    sind 100.000€ Sparvermögen kein wirklicher Reichtum.
    Bei 800€ Rente im Monat circa 10 jahre Laufzeit!

  7. Europa lernt von Merkel. Der Pleiteflughafen Berlin als Vorbild für den Zusammenbau des Europäischen Hauses. Dilettanten soweit das Auge reicht!

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    Das Schlimme ist, das hat mit "heute Hüh, morgen Hott" nichts zu tun. Ich fress einen Besen, wenn das kein Versuchsballon war, um auszutesten, was sich die europäische Öffentlichkeit gefallen lässt.
    Es freut mich, dass zumindest mal an diesem Punkt die Umverteilung von unten nach oben gestoppt wurde und dass nun, um die 5,8 Milliarden zu stemmen, die Abgabe der dickgepolsterten Konten deutlich erhöht wird.

  8. Nein, eine weitere Nacht- und Nebelaktion. Vor allem mit viel Nebel in den Köpfen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Bank | Euro | Euro-Zone | Finanzminister | Jeroen Dijsselbloem | Nikos Anastasiadis
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