Im familiären Umfeld von Staatspräsident Nikos Anastasiadis soll privates Vermögen vor der Einigung auf eine Zwangsabgabe in Zypern in Sicherheit gebracht worden sein. Drei Tage vor der entscheidenden Sitzung der Euro-Gruppe am 15. März hat eine Firma, die einem Ängehörigen des Präsidenten gehört, mehr als 21 Millionen Euro nach England überwiesen, berichtete die Wiener Zeitung unter Berufung auf die zyprische Tageszeitung Charavgi. Ein Bankbeleg soll die Transaktion beweisen.

Der Bericht von Charavgi zufolge hat die Firma Ani Loutsios and Sond Ltd. ingesamt fünf Schecks der Laiki Bank bearbeitet. Am 12. März sei zunächst die Hälfte des Geldes, am Folgetag der Rest überwiesen worden. Anastasiadis' Tochter Elsa ist mit dem Sohn des Miteigentümers dieser Firma verheiratet, schreibt die Zeitung.

Präsident Anastasiadis soll nach Angaben des zyprischen Finanzministers Michalis Sarris über die geplante Zwangsabgabe auf Spareinlagen informiert gewesen sein. Anastasiadis bestreitet das. In einer Mitteilung wehrte sich Anastasiadis gegen die Vorwürfe. Er kündigte an, mögliche Untersuchungen zu dem Fall unterstützen zu wollen.

Die internationalen Geldgeber aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) hatten sich am 15. März mit der Regierung Zyperns auf ein Hilfsprogramm in Höhe von zehn Milliarden Euro geeinigt. Bedingung war allerdings ein Eigenanteil Zyperns von 5,8 Milliarden Euro sowie die Reform des Finanzsektors. Um den Eigenanteil finanzieren zu können, sollten zunächst alle Bankguthaben des Landes besteuert werden. Nach heftigen Protesten in der Bevölkerung wurden die Pläne verworfen und Regierung und Geldgeber einigten sich darauf, nur Vermögen von mindestens 100.000 Euro zu besteuern.

Präsident will Kasino schaffen

Um das Land aus der Krise zu führen und neue Einnahmequellen zu erschließen, ist Präsident Anastasiades auch zu ungewöhnlichen Schritten bereit. In einem Interview mit der größten zyprischen Zeitung Fileleftheros kündigte er an, ein Kasino eröffnen zu wollen. Bislang sind diese nur im türkischen Norden der Insel erlaubt. In der Republik Zypern ist ihre Einführung  am Widerstand der orthodoxen Kirche und ihres Erzbischofs Chrysostomos gescheitert.

Auch mit niedrigeren Steuern für Betriebe will Anastasiades die Wirtschaft stärken. Unter anderem soll es keine Steuern mehr auf Gewinne von Betrieben geben, die auf Zypern reinvestiert werden. Bei den Zahlungsfristen und den Zinssätzen für Kredite sprach sich Anastasiades zudem für Lockerungen aus. Und er will zwischen Mieter- und Vermieter-Verbänden vermitteln, damit die Mieten gesenkt werden könnten. Sollte dies nicht gelingen, sei auch eine gesetzliche Regelung möglich, sagte der Präsident.

Schwierige Zeiten könnten auch auf Nicht-EU-Ausländer zukommen, die auf Zypern arbeiten. Die Regierung will mit den Arbeitgebern eine informelle Beschäftigungsklausel zum Schutz der zyprischen Arbeitnehmer vereinbaren. Demnach sollen 70 Prozent zyprische Bürger und höchstens 30 Prozent Ausländer beschäftigt werden, sagte Anastasiades. Auf Zypern arbeiten Schätzungen zufolge rund 100.000 Nicht-EU-Ausländer als Hausdiener, Kindermädchen sowie im Baugewerbe. Der Großteil stammt aus den Philippinen, Sri Lanka und Indien.