Zypern : Die Euro-Opfer wehren sich

Erstmals ist ein EU-Rettungsplan gescheitert. Zyperns "Nein" zeigt: Widerstand gegen eine falsche Euro-Politik ist möglich, kommentiert Ludwig Greven.
Demonstranten in Zypern © Yiannis Kourtoglou/AFP/Getty Images

Was Griechen, Spanier und Portugiesen mit teilweise monatelangen Protesten nicht vermochten, haben sie geschafft: Mit ihren lautstarken Protesten haben die Zyprer ihr Parlament dazu gebracht, das Vorhaben abzulehnen, Kleinsparer an den Kosten des Hilfsprogramms für den Pleitestaat zu beteiligen. Zum ersten Mal haben sich die Bürger so erfolgreich einem von der Euro-Gruppe und ihrer eigenen Regierung ausgehandelten "Rettungspaket" widersetzt.

Die Opfer einer verfehlten Euro-Politik haben Nein gesagt und ihre nationalen Politiker gezwungen, ihnen zu folgen. In Athen demonstrierten die Bürger immer wieder gegen Lohn- und Rentenkürzungen, massive Haushaltseinsparungen und Massenentlassungen, die die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalen Wirtschaftsfonds dem Land als Gegenleistung für Milliardenhilfen auferlegt hatte. Es nutzte ihnen nichts. In Rom, Madrid und Lissabon war es nicht anders: Die Regierungen und Parlamente beugten sich am Ende jeweils den Direktiven aus Brüssel. Selbst wenn manche Regierung später dafür abgewählt wurde.

Die Zyprer haben jetzt ein Fanal gesetzt, dem andere Euro-Krisenländer folgen könnten: Die Bürger können sich wehren, sie müssen sich nicht jede Sanktion und jede Erniedrigung gefallen lassen.

Zeichen aus Italien

Die Italiener hatten es schon eingeleitet. Mit ihrem Votum für euro-feindliche Parteien von links und rechts haben sie ebenfalls ein Zeichen gegen den maßgeblich aus Deutschland beeinflussten Kurs der Euro-Rettung gesetzt, das der Rest Europas nicht übersehen kann.

Sicher ist es richtig, Eigentümer, Spekulanten und waghalsige Anleger an Rettungsmaßnahmen für Banken zu beteiligen, von denen sie letztlich selber profitieren. Ganz besonders in Zypern, einem Land, dessen Geschäftsprinzip im Wesentlichen darauf beruht, ein Paradies für Sparfüchse, Steuerhinterzieher und reiche Schwarzgeld-Besitzer zu sein. Doch einfache Kontoinhaber ebenfalls mit einer Zwangsabgabe zu belegen, musste den Zorn der Zyprer entzünden.

Wer immer diesen Plan ersonnen hatte – ob mit Beteiligung der Regierung in Nikosia oder nur unter ihrer erzwungenen Zustimmung – musste wissen: Eine solche Enteignungspolitik zerstört das letzte Vertrauen in Europa, nicht nur in Zypern.

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Kommentare

141 Kommentare Seite 1 von 21 Kommentieren

Bei Griechenland...

...war der Urfehler, dieses Land überhaupt in den Euro zu lassen. Es war doch damals schon klar, was für Zustände da herrschen. Hätten sie ihre eigene Währung behalten, hätten sie sich selber aus Situation retten können, bzw. sie wäre nie so schlimm geworden. Dann hätten vielleicht paar u.a. deutsche Banken Geld verloren, aber nicht der deutsche Steuerzahler. Jetzt die Schuld auf die griechische Bevölkerung zu schieben und sich als großzügiger Samariter darzustellen ist arrogant und entspricht einfach nicht der Wahrheit.

zu einfach gemacht

viele Kommentatoren, so mein Eindruck, machen es sich zu einfach, indem sie die auslösenden Faktoren ignorieren, den Verlauf, die Historie dieser Krise unberücksichtigt lassen und sich immer nur auf die jeweiligen aktuellen Details stürzen oder auf Worte wie 'Opfer der Euro-Krise' und ihre ganze Kraft in den Echauffismus einbringen. Man könnte glatt auf den Gedanken kommen, viele hätten Spaß daran, sich emotional steuern zu lassen. Ok, sogesehen ist es schon richtig, auf Wortwahlen auch zu achten und kritisch zu hinterfragen, aber manchmal ist es einfach zu viel des Guten.
Aber in diesem Fall nehme ich die Zeit-Online-Kommentatoren dann doch in Schutz. Wenn man sich die Kommentare zu diesem Thema mal auf FAZ durchliest, sieht es noch düsterer aus.
Ich weiß, das klingt arrogant, aber eigentlich drückt es doch eher meine Enttäuschung aus. Sonst konnte man viel aus den Kommentaren lernen. Diesmal scheint die Emotion und das Hau-Drauf zu regieren.