Gemeinsam rein, zusammen raus – das sei die Strategie der Nato und ihrer Partner für den Afghanistaneinsatz, heißt es unter Politikern und Militärs der Truppensteller. Doch so einheitlich, wie es von den Verantwortlichen beschworen wird, sehen die einzelnen Abzugspläne gar nicht aus. Noch stellen die 50 Partnernationen der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) rund 100.000 Soldaten. Zwei Drittel davon kommen aus den Vereinigten Staaten. Bereits 2014 sollen fast alle Kampftruppen abgezogen sein.

Wie das aussehen wird, darüber gibt es noch unterschiedliche Meinungen. So überraschte die US-Regierung jüngst ihre Verbündeten mit Gedankenspielen, Tausende Soldaten schneller abzuziehen als bislang vereinbart war. Bisher hatte das Weiße Haus angekündigt, im November 2013 das Kontingent auf 50.000 Mann zu reduzieren, im Februar 2014 sollen es dann noch 34.000 sein.

Die Bundeswehr wird auch nach 2014 am Hindukusch sein – aber nur noch zum Ausbilden und Beraten, nach dem Abzug der Kampftruppen sollen Trainer der Bundeswehr im Land bleiben. Für deren Schutz und Versorgung werden einige Hundert deutsche Soldaten in Afghanistan abgestellt. Details stehen noch nicht fest.

2001 wurde vom Kampf für Menschenrechte und Demokratie gesprochen

Zur Zeit sind rund 4.300 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Noch gibt es neben dem Hauptquartier in Masar-i-Scharif zwei weitere große Feldlager. Im Frühjahr sollen jedoch das OP (Observation Point) North in Baghlan und zum Jahresende dann das Camp in Kundus an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben werden. Deutschland zieht sich also aus der Fläche zurück.

Als 2001 der Afghanistan-Einsatz geplant wurde, hatten deutsche Politiker vom Kampf für Menschenrechte und Demokratie gesprochen. Heute klingen die Verantwortlichen in Berlin nüchterner. "Wer glaubt, wir könnten am Hindukusch europäische Verhältnisse schaffen, der irrt", sagte Westerwelle bereits 2010. "Unser Ziel muss ein Zustand in Afghanistan sein, der gut genug ist. Gut genug heißt, dass die Afghanen selbst in der Lage sind, in ihrem Land für hinreichende Stabilität zu sorgen." Deutschland könne seine Soldaten nicht erst zurückholen, wenn aus Afghanistan so etwas wie die Schweiz Zentralasiens geworden sei, sagte der Außenminister im vergangenen Jahr.

Inzwischen laufen zwar auch internationale Planungen für eine Nachfolgemission der Isaf, doch wie viele Soldaten von welchem Truppenhersteller für Training und Beratung der afghanischen Streitkräfte im Land bleiben, steht noch nicht fest. Ganz raus aus Afghanistan will Frankreich. Die Regierung in Paris hat in Mali einen neuen Auslandseinsatz begonnen und will verhindern, dass die Folgemission der Isaf weitere Jahre Truppen bindet. Kleinere Länder wie Österreich, das momentan die Isaf mit drei Soldaten unterstützt, Bosnien-Herzegowina (53), Ukraine (24), Singapur (39) oder El Salvador (12), spielen in der künftigen Planung der Truppensteller keine Rolle – ihr Einsatz ist auch nur symbolisch.

Die großen Isaf-Partner, Großbritannien mit bisher 9.000 Militärs oder Italien mit 4.000 Soldaten, wollen ihre Engagements fortsetzen. Italiens Ministerpräsident Mario Monti hat angekündigt, sich an einer Folgemission am Hindukusch zu beteiligen. Ob diese Haltung auch von einem Nachfolger Montis beibehalten wird, bleibt offen. Die Regierung in London orientiert sich vor allem an der Strategie der Vereinigten Staaten.