Ostasien: Warum Nordkorea so aggressiv ist
Die Kriegspropaganda aus Nordkorea ängstigt Ostasien. Die Gefahr ist aber geringer, als sie scheint. Das eigentliche Problem ist die nervöse Stimmung.
© Reuters

Kim Jong Un und seine Generäle studieren Angriffsziele in den USA: Ein Propagandafoto der staatlichen Nachrichtenagentur Nordkoreas KCNA vom 29. März.
Kim Jong Un ist ein Diktator mit Atomwaffen. Das ist schlimm genug, doch übel daran ist insbesondere, dass man so gut wie nichts über ihn weiß: Wie denkt dieser Mann? Was sind seine Ziele? Und vor allem: Warum veranstaltet er ein derart bedrohliches Kriegsgeschrei?
Aggressive Propaganda aus Nordkorea gegen die USA und Südkorea ist keineswegs ungewöhnlich, vor allem nach gerade beschlossenen UN-Sanktionen. Doch verwundert dieses Mal ihre Intensität. Überrascht haben dürften die Strategen Pjöngjangs aber auch die kräftigen Reaktionen Washingtons: Die USA schickten zu den jährlichen Militärübungen mit Südkorea B-2-Tarnkappenbomber und verlegten F-22-Jagdflieger (gleichfalls mit Tarneigenschaften) auf einen Stützpunkt bei der Hauptstadt Seoul.
Nun provozieren das Kriegsgeschrei und seine Reaktionen weltweit Meldungen, die die wirkliche Bedrohung weit übersteigen. Zumal schon ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass die Nordkoreaner unter Kim Jong Uns Vater Kim Jong Il schon weiter gegangen sind, als nur Propaganda zu verbreiten.
Im November 2010 hatte der Norden mindestens 200 Granaten auf die grenznahe südkoreanische Insel Yeonpyeong im Gelben Meer abgefeuert, zwei südkoreanische Soldaten starben damals. Unmittelbarer Auslöser dürfte ein Manöver Südkoreas gewesen sein. Zuvor im Mai war eine südkoreanische Korvette gesunken, wahrscheinlich getroffen von einem nordkoreanischen Torpedo, 46 Matrosen kamen ums Leben.
Kriegsrhetorik wieder heruntergedimmt
Die eigentliche Gefahr besteht heute in Missverständnissen und Kettenreaktion, die im Zuge der nervösen Stimmung entstehen können. Verstärkt vor allem dadurch, dass man im Westen über Kim Jong Un derart wenig Informationen hat. Wovon man zumindest recht sicher ausgehen kann, ist, dass er über die Stärke der Streitkräfte des Südens, Japans und der US-Pazifikflotte informiert ist. Und dass er weiß, dass eine ernsthafte Attacke gegen Südkorea – erst recht mit einer Atomwaffe – die schnelle Eliminierung seines Regimes zur Folge hätte. Sie wäre ein Akt der Selbstzerstörung – ganz abgesehen von den katastrophalen Folgen für Ostasien. Welche Ziele Kim Jong Un auch verfolgt, verrückt ist er nicht, wie Nordkorea-Experte Stephan Haggard feststellt.
Es ist daher kein Wunder, dass Kim am Sonntag die Kriegsrhetorik schon wieder heruntergedimmt hat: Die Bereitstellung von Atomanlagen diene vor allem der wirtschaftlichen Entwicklung, sagte er vor dem Zentralkomitee der herrschenden Arbeiterpartei, dem tonangebenden Politikorgan dieses Staates. Dazu passt auch, dass am Montag der 2007 geschasste Wirtschaftsfunktionär Pak Pong Ju zum Ministerpräsidenten ernannt wurde. Pak war einst für vorsichtige Reformen verantwortlich und könnte etwas Bewegung in die starre Staatswirtschaft Nordkoreas bringen.





Ich gebe Ihnen Recht, dass China Nordkorea nicht um jeden Preis verteidigen wird. Trotzdem hat China ein großes Interesse daran, dass es zu keinem Krieg kommt. Denn dieser würde unweigerlich zu einem verheerenden Flächenbrand führen. Kein land der Welt hat ein Interesse an einem jahrelangen Krieg an seiner Staatsgrenze.
China hat ausserdem kein Interesse an einem Korea unter amerikanischer Führung. Das wäre nämlich die Folge eines Krieges und eines Sturzes der Kims.
China ist sich sehr bewusst, dass es als Hauptkonkurent zur USA gilt und wird nur sehr ungern US-Militärbasen an seinen Grenzen dulden. Nordkorea als Puffer hat eine wichtige geostrategische Funktion.
Aber die Chinesen sind Pragmatiker. Sie werden alles tun, einen solchen Krieg zu verhindern. Wenn hier jemand eine diplomatische Lösung hervorbringt, dann China.
> China protestiert nicht mehr,
> sondern stimmt Sanktionen mittlerweile zu
Nordkorea fing an, zu überreizen. China musste reagieren... und die Sanktionen waren ein Weg, scharf zu reagieren, ohne wirklich aktiv zu werden.
> wirtschaftliche Verflechtungen machen Südkorea und Japan
> für China wichtiger als Nordkorea.
Natürlich sind SK und Japan viel wichtiger als Nordkorea.
Aber man darf keinesfalls die enorme symbolische Bedeutung der koreanischen Halbinsel unterschätzen. Der 38. Breitengrad steht bis heute nicht nur sinnbildlich für die Trennung der Systeme sondern auch für asiatische Selbstbehauptung. Korea ist schlicht und ergreifend eine einzige gigantische Galeonsfigur.
> Doch das WIRD sich ändern sobald China das Interesse verliert.
Das sehe ich auch so. Nur behaupte ich eben, siehe oben, dass das Interesse Chinas an der koreanischen Halbinsel sehr viel tiefer geht und daher sehr lange bestehen wird. Was nicht zwingend heißt, dass China auf ewig Kim & Co. unterstützt. Aber einen amerikanischen Alleingang wird China niemals zulassen.
> Der kleine Kim wird genau der Logik folgen, die auch sein Vater
> schon vertreten hat. Solange zetern, Säbelrasseln und
> eskalieren, bis er von der Weltgemeinschaft hilfslieferungen
> erpressen kann, die verhindern, dass sein Volk ihm unter den
> Händen wegstirbt und er seine Armee massiv abbauen müsste.
Das sehe ich ganz genauso.
Wie gesagt: Kim und seine Generäle handeln zynische -aber berechenbar und ational.
Man muss wohl Nordkorea nicht weiter bewerten, aber gegen die unfassbar aggressiven Vereinigten Staaten muss man sich eben entsprechend behaupten.
"Und dass er weiß, dass eine ernsthafte Attacke gegen Südkorea – erst recht mit einer Atomwaffe – die schnelle Eliminierung seines Regimes zur Folge hätte. Sie wäre ein Akt der Selbstzerstörung"
Ja, richtig. Und es gibt sehr viele Menschen, die sich selbst in einem Akt der Selbstzerstörung umbringen. Vom Familienvater der erst seine Frau und seine Kinder umbringt, bevor er sich selbst richtet, über den Amokläufer, bis hin zu dem Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürtel.
...Sie schreiben:
"Wenn man vor der Küste Nordkoreas - zusammen mit der USA - gelegentlich militärische Manöver abhält, darf man sich über gelegentliche Reaktionen seites Nordkoreas nicht wundern."
Vor der Ostküste der USA (sozusagen direkt am Strand von Kuba) findet in diesem Jahr das Manöver "Westlant Deployment", auch unter Mitwirkung deutscher Marineeinheiten statt. Ich habe noch nicht gehört, dass das kommunistische Kuba oder Russland gedroht hat, Washington oder Berlin militärisch zu attackieren. Ich glaube kaum, dass irgendeine militärische Macht auf diesem Planeten die Absicht hegt, sich das Reich der Kims anzueignen, zu überrennen oder das Geld für eine Granate für einen Schuss nach Nordkorea zu investieren, um es mal so flappsig auszudrücken.
... der Vertrag über Waffenkontrolle wird nicht von allen Ländern unterstützt. Die letzte Meldung habe ich der deutschsprachigen Seite von RIA-NOVOSTI entnommen. Russland bezeichnet hier den Vertrag als abgelehnt. Das bestätigt meine Einstellung.
Die schwimmende Radarstation ist auch schon seit mehr als 7 Jahren im Dienst und hat zahlreiche Tests und echte Einsätze hinter sich.
Die B-52 hatte ihren Erstflug vor mehr als 60 Jahren, die B-2 vor mehr als 20 Jahren, die USS Fitzgerald hat auch gut 20 Jahre auf dem Buckel, die F-22 ist auch seit gut 7-8 Jahren im Einsatz,...
Davon abgesehen werden alle Waffensysteme bereits getestet bevor sie in den aktiven Dienst übernommen werden, sie testen wenn dann also schon bereits getestete Systeme^^
sind eigentlich nie fertig. Da wird immer ein Teil durch was Besseres ersetzt und muss getestet werden. Schliesslich lebt eine ganze Industrie davon, dass solche Systeme auch mal ersetzt werden. Da muss man auch beweisen, dass solche Systeme gebraucht werden.
sind eigentlich nie fertig. Da wird immer ein Teil durch was Besseres ersetzt und muss getestet werden. Schliesslich lebt eine ganze Industrie davon, dass solche Systeme auch mal ersetzt werden. Da muss man auch beweisen, dass solche Systeme gebraucht werden.
Die Menschen müssen für Freiheit und Demokratie bereit sein zu kämpfen und auch zu sterben. 150.000 politiksche Gefangene in Nordkorea sind bereit ihr Leben zu opfern, anstatt ein versklavtes unwürdiges und unfreies Leben zu führen. Die Entscheidung darüber muss aber der Einzelne treffen, es darf ihm nicht aufgezwungen werden. Leider werden diejenigen, die dafür kämpfen und Ideale haben, von denjenigen, die sich lieber arrangieren und die Fresse halten zuwenig unterstützt. Wenn erst mal die Angst sich in der Gesellschaft breitgemacht hat und jeder dem anderen nicht mehr traut, dann sollte man diejenigen unterstützen, die diese Angst überwinden und sich trauen.
"150.000 politische Gefangene in Nordkorea sind bereit ihr Leben zu opfern, anstatt ein versklavtes unwürdiges und unfreies Leben zu führen."
Gerne würde ich es glauben, aber wer weniger als 40 Kilo wiegt und bei jeder Kontaktaufnahme mit anderen Häftlingen für mehr als eine halbe Minute in mehrtägige Isolationshaft kommt: Wie soll er sich mit anderen zusammenschließen und ohne jede Waffe etwas gegen die Wärter ausrichten?
"Leider werden diejenigen, die dafür kämpfen und Ideale haben, von denjenigen, die sich lieber arrangieren und die Fresse halten zuwenig unterstützt."
Wer, bitteschön, in NK kämpft? Wer von ihnen hat noch Ideale? Waren Sie schon mal in NK oder kennen Sie zumindest jemanden, die/der dort war? Haben Sie schon mal Berichte gelesen von Menschen, die die Lagerhaft überlebt haben?
Wenn keine Macht bereit ist einzumarschieren (was nach Erfahrungen in Vietnam, Irak und Afghanistan nur zu verständlich ist), hat man sich in Geduld zu üben. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass nichts von Dauer ist - besonders, wenn es nicht von ausreichend vielen Menschen gewünscht wird. Irgendwann wird der Wunsch nach mehr Glück bei den Nordkoreanern so weit zunehmen, das die Statik des Systems in NK nachgeben wird. Aber es könnte noch eine Weile dauern - und ich vermute nicht, dass der Impuls dazu aus den Gulags kommen wird.
"150.000 politische Gefangene in Nordkorea sind bereit ihr Leben zu opfern, anstatt ein versklavtes unwürdiges und unfreies Leben zu führen."
Gerne würde ich es glauben, aber wer weniger als 40 Kilo wiegt und bei jeder Kontaktaufnahme mit anderen Häftlingen für mehr als eine halbe Minute in mehrtägige Isolationshaft kommt: Wie soll er sich mit anderen zusammenschließen und ohne jede Waffe etwas gegen die Wärter ausrichten?
"Leider werden diejenigen, die dafür kämpfen und Ideale haben, von denjenigen, die sich lieber arrangieren und die Fresse halten zuwenig unterstützt."
Wer, bitteschön, in NK kämpft? Wer von ihnen hat noch Ideale? Waren Sie schon mal in NK oder kennen Sie zumindest jemanden, die/der dort war? Haben Sie schon mal Berichte gelesen von Menschen, die die Lagerhaft überlebt haben?
Wenn keine Macht bereit ist einzumarschieren (was nach Erfahrungen in Vietnam, Irak und Afghanistan nur zu verständlich ist), hat man sich in Geduld zu üben. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass nichts von Dauer ist - besonders, wenn es nicht von ausreichend vielen Menschen gewünscht wird. Irgendwann wird der Wunsch nach mehr Glück bei den Nordkoreanern so weit zunehmen, das die Statik des Systems in NK nachgeben wird. Aber es könnte noch eine Weile dauern - und ich vermute nicht, dass der Impuls dazu aus den Gulags kommen wird.
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