Erstmals regelt ein UN-Vertrag umfassend den globalen Waffenhandel. Zumindest könnte das am Dienstag mit großer Mehrheit verabschiedete Abkommen ein erster Schritt in diese Richtung sein. Wie üblich, wenn es um internationales Recht geht, kann es seine Wirkung aber nur entfalten, wenn alle bei der Durchsetzung mitziehen.

Die neuen Regeln gelten ohnehin nur für die Unterzeichner. Iran, Nordkorea und Syrien etwa, die gegen den Vertrag gestimmt haben, müssen sich nicht daran halten. Zudem haben sich 23 Nationen enthalten – Bahrain oder Myanmar und weitere Staaten, deren Achtung der Menschenrechte zumindest fragwürdig ist. Durchaus denkbar, dass deutsche Lieferungen an Saudi Arabien dann nicht mehr möglich wären.

Genau auf solche Fälle zielt der Vertrag. Denn er soll die Achtung von Embargos stärken, aber vor allem den Verkauf konventioneller Waffen in Länder unterbinden, wo sie missbraucht werden könnten: für Kriegsverbrechen, Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verstöße gegen die Genfer Konventionen, Angriffe gegen Zivilisten, Menschenrechtsverletzungen. Gewalt gegen friedliche Demonstranten etwa würde klar dazugehören. Die Regeln sollen für alles gelten, von Kampfflugzeugen, Kriegsschiffen und Panzern bis hin zu Kleinwaffen sowie Munition und Bauteile.

Ratifizierung ist nur der erste Schritt

Der einfache Teil dürfte zunächst sein, die Vereinbarungen in Kraft zu setzen: Mindestens 50 Staaten müssen den Vertrag dazu ratifizieren. Das sollte in zwei bis drei Jahren zu schaffen sein, nachdem in New York 154 von 193 UN-Mitgliedstaaten zugestimmt haben – auch wenn es in den nationalen Parlamenten noch Überraschungen geben kann.

Etwa in den USA, wo die Waffenlobby eine beachtliche Zahl von Senatoren auf ihre Seite gebracht hat. Zwar stimmen die verbreiteten Befürchtungen nicht, der Vertrag könne die Waffenrechte der Amerikaner beschneiden. Aber ein Selbstläufer ist die Ratifizierung des Vertrags in keinem Fall.

Zum Vergleich: Das Verbot von Landminen aus dem Jahr 1999 haben inzwischen zwar mehr als 160 Staaten ratifiziert; nicht unterschrieben haben es die USA, Russland, China, Indien und Pakistan.

Schlupflöcher lassen großen Spielraum

Schwieriger wird es im nächsten Schritt: Die einzelnen Staaten müssen – wo es sie noch nicht gibt – eigene Gesetze verabschieden, um den Waffenexport regulieren und kontrollieren zu können. Der Vertrag sieht vor, nationale Kontrollsysteme aufzubauen, also alle genehmigten Verkäufe und Käufe detailliert aufzulisten und jährlich an ein UN-Sekretariat und die anderen Unterzeichnerstaaten zu berichten.

In Ländern, die es damit nicht ernst meinen, könnten schwache Vorgaben Schlupflöcher offenlassen, oder die Vorschriften würden kaum oder gar nicht durchgesetzt. Zumal der Vertrag ausdrücklich zulässt, Informationen nicht weiterzugeben, wenn sie die nationale Sicherheit betreffen oder wirtschaftliche Interessen gefährden. Er ermöglicht den exportierenden Staaten auch, Verkäufe an umstrittene Empfänger zu genehmigen, wenn sie glauben, das Risiko eindämmen zu können: etwa durch gemeinsame Programme mit dem Importland den Einsatz der Waffen zu kontrollieren.