Ein Untersuchungsbericht über das ägyptische Militär belegt, dass Soldaten während der Aufstände Anfang 2011 an Verschleppungen, Folter und Tötungen beteiligt waren. Das berichtet der britische Guardian.

Der Report, der dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi von seinem eigenen Untersuchungskomitee im Januar vorgelegt wurde, muss erst noch veröffentlicht werden. Ein Kapitel liegt dem Guardian aber jetzt schon vor. Darin ist von schweren Verstößen der Militärs zur Zeit der Aufstände gegen Hosni Mubarak die Rede. Die Armee hatte sich damals offiziell für neutral erklärt.

Der Teil des Berichts konzentriert sich auf die etwa 1.000 Menschen, die in den 18 Tagen der Aufstände als vermisst gemeldet wurden. Viele von ihnen fand man später tot – die meisten Leichen wiesen Folterspuren auf. Die Ermittler fanden unter anderem heraus, dass das Militär eine unbekannte Zahl von Zivilisten an einem Kontrollpunkt südlich von Kairo festgehalten hatte. Von diesen Menschen wurde hinterher niemand mehr gesehen. Zudem sollen im Ägyptischen Museum in Kairo Demonstranten festgehalten und gefoltert worden sein, bevor sie ins Militärgefängnis gebracht wurden. Mindestens einer der Demonstranten soll getötet worden sein.

Das Untersuchungskomitee empfiehlt den ägyptischen Behörden, gegen die Anführer der bewaffneten Streitkräfte zu ermitteln. So soll geklärt werden, wer die Befehle zu dem harten Vorgehen gegen die Demonstranten gegeben hat.  

Das Militär hat sich bisher geweigert, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Das werde bis zu drei Wochen dauern, hieß es. Eine nicht namentlich genannte Quelle aus dem Umfeld des Präsidenten sagte laut Guardian, Mursi habe die Unterlagen noch nicht gesehen. Erst danach werde man die Ergebnisse auch öffentlich machen. Demonstranten und Oppositionelle verlangen schon seit Langem, dass das Militär für die große Zahl mutmaßlicher Folterungen und Tötungen verantwortlich gemacht wird.