Verteidigungsministerium : US-Geheimdienst hält Nordkoreas Atomwaffen für einsatzfähig

Laut einem Bericht des US-Verteidigungsministeriums verfügt Nordkorea über Raketen, die Atomwaffen tragen könnten. An deren Reichweite bestehen Zweifel.
Fest zum Start eines Satellitenstarts in Pjöngjang (Archiv) © Kyodo/Reuters

Der US-Militärgeheimdienst hält Nordkoreas Atomwaffen offenbar für weitgehend einsatzfähig. Die Defense Intelligence Agency (DIA) gehe mit ziemlicher Sicherheit davon aus, dass das Regime "derzeit über Nuklearwaffen verfügt, die von ballistischen Raketen getragen werden können", berichtet die New York Times unter Berufung auf eine Untersuchung des Verteidigungsministeriums.

Das würde der Zeitung zufolge erklären, warum das Verteidigungsministerium in den vergangenen Wochen die Abwehrsysteme für Langstreckenraketen an der Westküste in Kalifornien und Alaska  verstärkt hat. Der Einsatz dieser Systeme sei eigentlich nicht vor 2015 geplant gewesen.   

Im Verteidigungsministerium sei man vor allem besorgt über das Trägersystem KN-08, eine ballistische Interkontinentalrakete aus russischer Produktion. Allerdings habe Nordkorea die Zuverlässigkeit dieser Raketen nicht hinreichend durch Tests belegen können, heißt es weiter.  

USA wollen Bündnisverpflichtungen einhalten

Der Bericht des Verteidigungsministeriums zu dem Thema hätte eigentlich geheim bleiben sollen, wurde aber in einer Debatte im Repräsentantenhaus öffentlich. Zuletzt galt es in den USA als sicher, dass Nordkorea noch nicht in der Lage ist, mit atomaren Langstreckenraketen Amerika zu erreichen.

Ein Pentagon-Sprecher relativierte den Bericht später. Es sei nicht richtig anzunehmen, dass Nordkorea wirklich Nuklear-Raketen vollständig getestet, entwickelt und abgefeuert habe. Auch der Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen hohen Regierungsbeamten, dass die USA nicht davon ausgehen, dass Nordkorea seine Raketen nuklear bestückt habe.   

Präsident Barack Obama rief Nordkorea auf, seine kriegerische Haltung aufzugeben. Darin stimme er mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon überein, sagte Obama bei einem Treffen mit Ban in Washington. Die Regierung in Pjöngjang müsse jetzt den Ton mäßigen.

"Niemand möchte einen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel sehen", sagte Obama. Aber Nordkorea müsse wie jede andere Nation grundlegende internationale Regeln befolgen, besonders UN-Resolutionen, sagte er mit Blick auf das Atomprogramm des kommunistischen Regimes.

Die USA würden alle notwendigen Schritte unternehmen, um ihre Bürger zu schützen. Sie würden auch ihren Bündnisverpflichtungen in der Region nachkommen, sagte Obama. Die USA sind enge Partner Südkoreas. Das Land steht im Konflikt mit seinem nördlichen Nachbarn.

Auch die sieben wichtigsten westlichen Industriestaaten und Russland (G8) wollen gemeinsam den Druck auf Nordkorea erhöhen, um das Regime von seinem Eskalationskurs abzubringen. Die Außenminister Russlands, der USA, Kanadas, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Japans und Deutschlands wandten sich in London gegen Kriegstreiberei in Korea.

Südkorea, die USA und Japan brachten Zerstörer, Radar- und Raketenabwehrsysteme in Stellung, um anfliegende Raketen abzufangen, falls sie eine Gefahr für die Länder darstellen. Die Raketenabwehrsysteme Patriot seien in der Lage, jede nordkoreanische Rakete in Schussweite abzufangen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul.

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Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Teilweise Übereinstimmung!

Ich stimme mit Ihnen überein, dass unklar ist wozu Nordkorea momentan in der Lage ist.

Aber: Das Manhattan-Projekt war vor über 60 Jahren. Inzwischen ist Vieles davon ist Alltag geworden. China, Pakistan, Indien, Grossbritannien, Frankreich und Russland haben das aus eigener Kraft hochgezogen. Habe ich irgendwen vergessen? Inzwischen ist meines Erachtens nach davon auszugehen, dass das Wissen um diese Waffe die Hochsicherheitsbereiche teilweise verlassen. Bezüglich Pakistan hat Abdul Khadeer Khan in westlichen Labors gearbeitet und wahrscheinlich Wissen an Nordkorea weitergegeben.

Die Situation ist bedrohlich!

@33 Sie meinen?

Ich verstehe nicht, wovon Sie schreiben.

Der BND ist der Auslandsgeheimdienst und hat mit dem NSU wenig zu tun.

Ex-BND-Chef Hanning sagt nicht deshalb aus, weil er beim BND war, sondern im Innenministerium und sich dort für eine Fusionierung der Abteilungen Links- und Rechtsextremismus einsetzte, obwohl Experten dagegen waren.

Nach dem Skandal um die Giftgasfabrik in Rabta (Libyen, nicht Irak) hat sich der BND tatsächlich neu aufgestellt.

Der Rest Ihres Kommentars erschließt sich mir sprachlich nicht, sorry.

Ich freue mich für Sie

dass Sie zugegebener Maßen im Hinblick auf den CIA und andere Geheimdienste besser Bescheid wissen, als ich.
Ich gebe ebenfalls gerne zu, dass mein Kommentar etwas unreflektiert dahingeworfen war.

Zentrum meines Reflexes war die Befürchtung, dass wieder einmal Gründe gesucht werden, präventiv militärisch zuzuschlagen.
Und dass sich geheimdienstliche Erkenntnisse, ob Wahrheit oder Lüge ist dabei irrelevant, trefflich als Kriegsgründe missbraucht werden können, dürfte kaum von der Hand zu weisen sein.

Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass vor lauter Ungeduld und bornierter Überheblichkeit Schäden angerichtet werden, die absolut vermeidbar, Generationen von Unschuldigen Menschen aufs übelste belasten.
Krieg ist nie eine gute Sache.
Verteidigung muss sein, aber Präventivschläge sind m.E. immer zu vermeiden und in keinem Fall gerechtfertigt.