Kriegsdrohungen : China schließt Grenzübergang nach Nordkorea

Die Regierung in Peking reagiert auf Nordkoreas Kriegsdrohungen: Reisen in das Land sind ab sofort untersagt, nur noch Geschäftsleute dürfen die Grenze passieren.

Die chinesischen Behörden haben Reisen nach Nordkorea verboten, eine entsprechende Anordnung wurde an mehrere Reiseveranstalter in der Grenzregion ausgegeben. Reisen in das Nachbarland unterliegen ohnehin starken Einschränkungen und sind nur über einen Veranstalter möglich. Aber auch das ist nun untersagt: "Alle Reisen nach Nordkorea wurden von heute an gestoppt und ich weiß nicht, wann sie wieder aufgenommen werden", sagte die Sprecherin eines Reiseanbieters.

Als Grund  wurden die anhaltenden Kriegsdrohungen aus Nordkorea genannt. "Es ist Reisebüros nicht mehr erlaubt, Touristengruppen dorthin zu bringen, da die nordkoreanische Regierung Ausländer bittet, das Land zu verlassen", sagte ein chinesischer Grenzbeamter. Geschäftsleute können aber noch frei in das Land einreisen und es wieder verlassen.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte Südkorea und den USA in den vergangenen Wochen immer wieder mit Angriffen gedroht. Nachdem nordkoreanische Mittelstreckenraketen an die Ostküste des Landes verlegt wurden, erhöhten die USA, Südkorea und Japan ihre Alarmbereitschaft und brachten Streitkräfte in Stellung. Experten rechnen mit weiteren Raketentests noch in dieser Woche.

China ist einer der wenigen Verbündeten und ein wichtiger Wirtschaftspartner Nordkoreas. Zuletzt äußerte sich aber auch die Regierung in Peking kritisch über die militärischen Provokationen aus Nordkorea.

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ich schon!

Mit Sicherheit gewinnen die USA, SK und einige NATO-Staaten gegen Nordkorea und so können die USA ihren schwindenden Einfluss ausgleichen und näher an die Grenzen Chinas ausdehnen. Zudem gewinnen die USA beträchtliche Rohstoffe, die sie für moderne Technologien benötigen. Im Augenblick beliefert Nordkorea noch China, wird NK besetzt, verliert China Einfluss auf dem Gebiet der Technologie.

USA Feindbild

"Ich sehe für China keinen Nachteil in einem Krieg dort, ausser dass am Ende US Besatzungstruppen an ihrer Grenze stehen könnten, was man vor den Bürgern nicht ohne weiteres wird hinnehmen können."

Es mag mir bei meinen China-Reisen entgangen sein, aber ich konnte nicht erkennen, dass in China das Feinbild USA vorherrscht. Weder offen noch verborgen konnte ich Anti-Amerikanismus entdecken. Die Chinesen nutzen sogar sehr gerne amerikanische Produkte, wie ich feststellen durfte. Natürlich wird die politische Führung nicht begeistert sein, wenn US-Truppen in Nordkorea sind, aber ich glaube das sind die USA auch nicht. Nachdem man das "Kim-Regime" beseitigt hat, muss ja etwas mit Nordkorea passieren, Stichwort Neu- Wiederaufbau. Ich glaube das China die vielen Armutsflüchtlingen fürchtet (wie auch Südkorea) aber auf der anderen Seite gerne beim Wiederaufbau mitwirkt, wenn man das richtig anpackt, wird es auch für die chinesische Regierung profitabel.

Mao-Teil?

Gibt es den noch wirklich? Also den Teil, der meint unter Mao war alles besser. Ich glaube schon, dass es noch den ein oder anderen gibt, der Mao verehrt, es gibt ja (leider) auch viele die Hitler oder Staline verehren, aber ich denke doch die absolute Mehrzahl der Chinesen weiß das es ihnen heute deutlich besser geht als unter Mao, der Millionen Menschen verhungern lassen hat.

Ich glaube auch, dass China sehr schnell verbreiten wird, warum man die Verbindung zu Nordkorea unterbrochen hat und von dieser "Tradition" abgerückt ist. Bisher kann man jedenfalls in der chinesischen Presse fast gar nichts zu dem schwelenden Nordkoreakonflikt finden. Aber China hat auch eine andere Pressetradition.

So wie ich das

bei den eher Einkommenschwachen mitbekommen habe ist der Mao-Teil nicht zu unterschätzen. Und dann bleibt die Frage, welche sich bei China immer stellt; wieviel Prozent das überhaupt sein müssen um die Partei in die Bredouille zu bringen. 10% in Chongqing und man kann sich mit einer 7 stelligen Zahl von Demonstranten auseinandersetzen...

Hinzu kommt auch, dass man sein Gesicht ja so oder so einbüssen kann - entweder vor dem Mao-Anteil, weil man nicht mehr unterstützt; oder vor allen anderen weil auf einmal die Frage aufkommt warum man bisher unterstützt hat. Ausserdem sind andere Mächte die sich um koreanische Unruhen kümmern auch historisch immer ein wunder Punkt für China.

Ich denke China will va. Ruhe und den Status quo bewahren - und Dinge wie die Grenzschliessung sind nur die Reissleine...

Kluger Kommentar!

Sie haben die Lage klar beschrieben. So klar ist das nämlich, wenn man die Brille der Ideologe ablegt. Realpolitik findet immer auf der Basis pragmatischer Wirtschaftspolitik ab. Kim Jong Un handelt nach Massgabe des Primats der (Macht-) Politik. Wirtschaft interessiert ihn nur sekundär. Er muss keine Wahlen gewinnen und deshalb sein Volk einfach nur knapp am Leben erhalten.