FrankreichZeitung verdächtigt Frankreichs Außenminister der Steuerflucht

Der nächste Fall Cahuzac? Medien zufolge soll auch Präsident Hollandes Außenminister per Schweizer Konto Steuern hinterzogen haben. Der Beschuldigte wehrt sich.

Präsident Hollande (l.) samt Außenminister Fabius Mitte September vor dem Elysee-Palast in Paris

Präsident Hollande (l.) samt Außenminister Fabius Mitte September vor dem Elysee-Palast in Paris  |  © Bertrand Langlois/AFP/GettyImages

Das Finanzgebaren einzelner Kabinettsmitglieder beherrscht erneut die Schlagzeilen in Frankreich. Nachdem Budgetminister Jérôme Cahuzac ein geheimes Auslandskonto eingeräumt hatte und zurückgetreten war, muss sich nun Außenminister Laurent Fabius gegen derartige Vorwürfe wehren. Auch er soll Geld vor den französischen Steuerbehörden in Sicherheit gebracht haben.

Darüber berichtet die Zeitung Libération und beruft sich dabei auf bislang nicht veröffentlichte Recherchen des investigativen Portals Mediapart, das bereits den Bettencourt-Skandal um den früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy als auch die Cahuzac-Affäre öffentlich gemacht hatte. Nun heißt es dort, dass Fabius ein geheimes Konto in der Schweiz besitzen soll. Der Elysee-Palast, so schreibt Libération, sei gelähmt.

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Laurent Fabius wies die Vorwürfe zurück. "Ich dementiere nachdrücklich das von der Zeitung Libération verbreitete Gerücht, dass ich ein Konto in der Schweiz habe", sagte der Außenminister. Das Gerücht sei "ohne jede Grundlage". Fabius kündigte an, juristisch gegen die Zeitung und die Verbreitung von falschen und verleumderischeren Informationen vorzugehen.

Belastung für Hollande

Ähnlich hatte auch sein Kabinettskollege Cahuzac reagiert. Monatelang belog er die Öffentlichkeit und beteuerte seine Unschuld, dann aber musste er zugeben, auf einem geheimen Schweizer Konto 600.000 Euro angelegt zu haben. Eidgenössischen Medien zufolge sollte es nicht dabei bleiben: Der französische Minister wollte weitere 15 Millionen Euro in der Schweiz anlegen.

Auch im Umfeld von Frankreichs Staatschef François Hollande soll in Steuerfragen getrickst worden sein. Laut der Zeitung Le Monde ist Jean-Jacques Augier, der Kassenwart von Hollandes Präsidentschaftskampagne 2012, an mindestens zwei Offshore-Gesellschaften auf den Kaimaninseln beteiligt.

Mehrheit für Kabinettsumbildung

Zwar beteuerte Hollande, "nichts" von den "Privatgeschäften" seines früheren Top-Mitarbeiters gewusst zu haben, der Zuspruch in der Bevölkerung aber schwindet zusehends. Dazu trägt aber auch die wirtschaftliche Krise des Landes bei, der Präsident und die Sozialisten kämpfen mit steigenden Arbeitslosenzahlen und Firmenpleiten, Null-Wachstum und hohem Defizit.

Der Chef der konservativen Oppositionspartei UMP, Jean-François Copé, forderte, Hollande müsse "seine Regierung komplett austauschen" und sieht sich dabei im Verbund mit den Franzosen: Die Zeitung Journal du Dimanche veröffentlichte am Sonntag eine Umfrage, wonach 60 Prozent der Befragten für eine Kabinettsumbildung sind. Hollande und sein Premierminister Jean-Marc Ayrault lehnen dies bislang ab.

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Leserkommentare
    • UPA
    • 08. April 2013 8:46 Uhr

    suggeriert, dass wer ein Konto in der Schweiz habe, ein Verbrecher sei.

    Nur wer es nicht versteuert ist einer.

    Im Weiteren sei darauf hingewiesen, dass normalerweise 35% der Zinsen anonym ans Wohnland abgeführt werden, als viel mehr, als bspw. in Deutschland, mit 26.375.

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    leider ist das in vielen (den allermeisten) Fällen das Motiv, das sollten Sie auch wissen. Devisengeschäfte könnte man auch anders betreiben. Bislang war außerdem das Steuergeheimnis ein schlagendes Argument für den Umzug in die Schweiz, nicht die gute Luft und die schönen Berge. Die Zahl 26,375 % klingt professionell (sind Sie vom Fach?), leider verraten Sie uns nicht, wie Sie darauf gekommen sind ... ;-) Dann wäre man ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn man sein Geld zu den Eidgenossen bringt.

    In Frankreich ist man verpflichtet, auf seiner Steuerklärung Auslandskonten anzugeben, auch wenn diese völlig legalen Zwecken dienen. Tut man dies nicht, kann das u.U. kostspielige Konsequenzen haben, z.B. in Form einer Strafzahlung, falls man z.B. nicht gemeldete Zinserträge erzielt.

    • sjdv
    • 08. April 2013 10:20 Uhr

    Warum sollst sollte man ein Konto in der Schweiz haben, wenn nicht deshalb, dass Geld zu verstecken. Entweder weil es Schwarzgeld ist, oder man die Zinserträge beim heimischen Finanzamt nicht angeben will, oder es sogar aus kriminellen Tätigkeit stammt. Beim besten Willen, aber bei 99% der nicht-Schweizer dürfte es wohl um einem der 3 Gründe für ein Konto in der Schweiz stimmen.

    Und: Sozialisten sind nicht die besseren Menschen. Das haben sie in den vergangenen hundert Jahren immer wieder bewiesen; teilweise blutig. Naiv ist, wer glaubt, ein "moderat" sozialistisches System sei zukunftsfähig.

  1. 2. Hmmm,

    leider ist das in vielen (den allermeisten) Fällen das Motiv, das sollten Sie auch wissen. Devisengeschäfte könnte man auch anders betreiben. Bislang war außerdem das Steuergeheimnis ein schlagendes Argument für den Umzug in die Schweiz, nicht die gute Luft und die schönen Berge. Die Zahl 26,375 % klingt professionell (sind Sie vom Fach?), leider verraten Sie uns nicht, wie Sie darauf gekommen sind ... ;-) Dann wäre man ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn man sein Geld zu den Eidgenossen bringt.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf " Fast tagtäglich wird"
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    • UPA
    • 08. April 2013 9:16 Uhr

    Habe ich ein Girokonto in D, werden normalerweise vom Zins 26.375 % direkt ans Finanzamt abgeführt.

    Habe ich ein Sparkonto in der Schweiz, als nicht in der Schweiz lebend, sogar als Schweizer, dann werden 35% anonym ins Wohnland abgeführt, wenn ich nichts "Spezielles" unternehme. Die meisten Schweizer Banken verlangen ohnehin eine Deklaration, dass das Geld versteuert wird.
    Hintertürchen gibt es immer, aber lieber Mann, auch in D. Schweizer haben Tests gemacht. Viele Deutsche Banken nehmen allzu gerne Schwarzgeld auf. a

    • UPA
    • 08. April 2013 9:20 Uhr

    sondern bessere Löhne, höhere Lebensqualität, besseres Klima am Arbeitsplatz. Wird reden da nicht von Schumi, sondern von Deutschen Aerzten etc.

  2. Wenn es ums Geld geht und die Gier in den Vordergrund rückt gibt es nur wenige Menschen, die keine Dummheiten machen.

    3 Leserempfehlungen
  3. Selbst diejenigen, die dafür verurteilt wurden und den Betrug bandenmäßig organisiert haben, treten in Deutschland weiter als Politiker auf. Es gibt für so etwas lediglich einen öffentlichen Diskurs über eine handvoll bekannter Politiker. Konsequenzen gibt es überhaupt keine. Die Kriminellen können weiter machen wie bisher und bleiben an der Macht.

    2 Leserempfehlungen
    • UPA
    • 08. April 2013 9:16 Uhr

    Habe ich ein Girokonto in D, werden normalerweise vom Zins 26.375 % direkt ans Finanzamt abgeführt.

    Habe ich ein Sparkonto in der Schweiz, als nicht in der Schweiz lebend, sogar als Schweizer, dann werden 35% anonym ins Wohnland abgeführt, wenn ich nichts "Spezielles" unternehme. Die meisten Schweizer Banken verlangen ohnehin eine Deklaration, dass das Geld versteuert wird.
    Hintertürchen gibt es immer, aber lieber Mann, auch in D. Schweizer haben Tests gemacht. Viele Deutsche Banken nehmen allzu gerne Schwarzgeld auf. a

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    Antwort auf "Hmmm,"
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    Wer hat denn schon 50.000 Euro auf dem Girokonto liegen??

    Aber die Zinssätze stimmen. Deshalb sollte doch die Frage erlaubt sein, wer freiwillig ein gutes Stück mehr bezahlt.

    Deshalb ist die Annahme, das es sich dort um nicht so ganz legale Konten handelt, schon sehr wahrscheinlich.

    da haben Sie aber irgendwie Glück gehabt. Dann taugt unser Spitzensteuersatz aber irgendwie nichts. Oder Sie verdienen einfach nicht genug. Oder Sie verstehen es wunderbar kleinzurechnen. Aber das ist ein ganz anderes, aber ebenso bekanntes Problem.

    • UPA
    • 08. April 2013 9:20 Uhr

    sondern bessere Löhne, höhere Lebensqualität, besseres Klima am Arbeitsplatz. Wird reden da nicht von Schumi, sondern von Deutschen Aerzten etc.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Hmmm,"
  4. In Frankreich ist man verpflichtet, auf seiner Steuerklärung Auslandskonten anzugeben, auch wenn diese völlig legalen Zwecken dienen. Tut man dies nicht, kann das u.U. kostspielige Konsequenzen haben, z.B. in Form einer Strafzahlung, falls man z.B. nicht gemeldete Zinserträge erzielt.

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    Antwort auf " Fast tagtäglich wird"
  5. Link und falsch. Es ist interessant zu sehen dass sich die Geschichte immer wiederholt. Ob im großen oder kleinen Maßstab. ( DDR Kuba UDSSR und so weiiter). Die Sozies haben bis jetzt jedes Land platt gemacht und die hohen Herren Volksvertreter haben sich bei diesem Prozeß immer bereichert. Und wer wählt diese Zwangsbeglücker? Unverbesserliche Träumer und Kleinverdiener/Leistungsempfänger

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    Zitat
    ". So sind die Sozies

    Link und falsch."

    Da sag ich mal nicht nein. Aber Sie sehen ja an den bisherigen Beiträgen, daß Geldanlage in der Schweiz plötzlich ja gar nicht meht so verwerflich ist.
    Seit die Linken es tun jedenfalls.
    Die gleichen Foristen, die sich vorher mit hoch erhobenen Zeigefinger als die Gralshüter der sozialen Gerechtigkeit aufschwangen ( z.B. auch bei der Affäre Wulff ), müssen nun zurückrudern, statt nun von den Betroffenen wie angekündigt Gerechtigkeit und dem damit verbundenen sofortigen Rücktritt zu fordern.
    Sowas nennt man wohl moralisch flexibel.

    Es gibt wohl 10x mehr Beispiele für korrupte Konservative als für Sozies.
    Und das man keine Sozies braucht um ganze Länder zu ruinieren, sehen wir ja aktuell ziemlich deutlich.

    Könnte jetzt wohl genauso argumentieren wie sie und Aussagen darüber treffen wer diese Versager wählt, aber das brauche ich nicht.

    Leute die darüber nachdenken, wissen das es überall schwarze Schaafe gibt und das keines davon besser oder schlechter als das andere ist.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, kg
  • Schlagworte Außenminister | Frankreich | Laurent Fabius | Zeitung | Nicolas Sarkozy | Euro
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