Das Finanzgebaren einzelner Kabinettsmitglieder beherrscht erneut die Schlagzeilen in Frankreich. Nachdem Budgetminister Jérôme Cahuzac ein geheimes Auslandskonto eingeräumt hatte und zurückgetreten war, muss sich nun Außenminister Laurent Fabius gegen derartige Vorwürfe wehren. Auch er soll Geld vor den französischen Steuerbehörden in Sicherheit gebracht haben.

Darüber berichtet die Zeitung Libération und beruft sich dabei auf bislang nicht veröffentlichte Recherchen des investigativen Portals Mediapart, das bereits den Bettencourt-Skandal um den früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy als auch die Cahuzac-Affäre öffentlich gemacht hatte. Nun heißt es dort, dass Fabius ein geheimes Konto in der Schweiz besitzen soll. Der Elysee-Palast, so schreibt Libération, sei gelähmt.

Laurent Fabius wies die Vorwürfe zurück. "Ich dementiere nachdrücklich das von der Zeitung Libération verbreitete Gerücht, dass ich ein Konto in der Schweiz habe", sagte der Außenminister. Das Gerücht sei "ohne jede Grundlage". Fabius kündigte an, juristisch gegen die Zeitung und die Verbreitung von falschen und verleumderischeren Informationen vorzugehen.

Belastung für Hollande

Ähnlich hatte auch sein Kabinettskollege Cahuzac reagiert. Monatelang belog er die Öffentlichkeit und beteuerte seine Unschuld, dann aber musste er zugeben, auf einem geheimen Schweizer Konto 600.000 Euro angelegt zu haben. Eidgenössischen Medien zufolge sollte es nicht dabei bleiben: Der französische Minister wollte weitere 15 Millionen Euro in der Schweiz anlegen.

Auch im Umfeld von Frankreichs Staatschef François Hollande soll in Steuerfragen getrickst worden sein. Laut der Zeitung Le Monde ist Jean-Jacques Augier, der Kassenwart von Hollandes Präsidentschaftskampagne 2012, an mindestens zwei Offshore-Gesellschaften auf den Kaimaninseln beteiligt.

Mehrheit für Kabinettsumbildung

Zwar beteuerte Hollande, "nichts" von den "Privatgeschäften" seines früheren Top-Mitarbeiters gewusst zu haben, der Zuspruch in der Bevölkerung aber schwindet zusehends. Dazu trägt aber auch die wirtschaftliche Krise des Landes bei, der Präsident und die Sozialisten kämpfen mit steigenden Arbeitslosenzahlen und Firmenpleiten, Null-Wachstum und hohem Defizit.

Der Chef der konservativen Oppositionspartei UMP, Jean-François Copé, forderte, Hollande müsse "seine Regierung komplett austauschen" und sieht sich dabei im Verbund mit den Franzosen: Die Zeitung Journal du Dimanche veröffentlichte am Sonntag eine Umfrage, wonach 60 Prozent der Befragten für eine Kabinettsumbildung sind. Hollande und sein Premierminister Jean-Marc Ayrault lehnen dies bislang ab.