Affäre CahuzacFranzösische Sozialisten werfen Exminister aus der Partei

Frankreichs Exhaushaltsminister Jérôme Cahuzac galt als Hoffnungsträger – nun gab er ein illegales Auslandskonto zu. Die Affäre könnte Hollande gefährlich werden.

Frankreis früherer Haushaltsminister Jérôme Cahuzac (Archivbild)

Frankreis früherer Haushaltsminister Jérôme Cahuzac (Archivbild)

Die Sozialisten in Frankreich haben den zurückgetretenen Haushaltsminister Jérôme Cahuzac aus der Partei ausgeschlossen. Zuvor hatte der Politiker zugegeben, dass er ein illegales Auslandskonto besitze. Parteichef Harlem Désir sagte: "Er hat sich de facto aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen. Er ist von nun an kein Mitglied mehr." Désir forderte den Ex-Minister auch auf, seine Abgeordnetenmandate niederzulegen.

Cahuzac hatte am Dienstagabend erstmals eingeräumt, dass er jahrelang heimlich ein Konto in Singapur hatte. Zuletzt seien 600.000 Euro darauf gewesen, schrieb er in seinem Blog. Dies hatte er seit Dezember öffentlich, auch vor dem Parlament, bestritten. Der Politiker, der als eine Stütze der sozialistischen Regierung gegolten hatte, war bereits vor rund zwei Wochen infolge beginnender Ermittlungen der Justiz zurückgetreten.

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Die Schweizer Zeitung Le Temps berichtete, dass Cahuzac mit seinem Geständnis auf Ermittlungen in der Schweiz reagiert habe. Die Justiz dort habe zwei Banken durchsucht, dabei sei sie auf Hinweise zu dem illegalen Konto des Exministers gestoßen.

Das französische Enthüllungsportal Mediapart hatte die Affäre aufgedeckt. Der Chef der Seite, Edwy Plenel, bezichtigt Präsident François Hollande der Mitwisserschaft. Hollande habe "genau gewusst, was alle wussten", sagte Penel dem Sender France Culture. "Die Informationen lagen seit Anfang Dezember sehr gut dokumentiert auf dem Tisch." Es gebe "keine Entschuldigung" für Hollande.

Die Opposition vom äußersten rechten bis linken Lager schloss sich dem Vorwurf gegen Hollande an. Der Parteichef der konservativen UMP, Jean-François Copé, sagte dem Radiosender Europe 1, Hollande habe entweder "Arglosigkeit" in der Affäre Cahuzac gezeigt, oder er habe selbst "gelogen".

Eine Regierungssprecherin versicherte dagegen, Hollande und Premier Jean-Marc Ayrault seien "natürlich nicht auf dem Laufenden" gewesen. Wirtschaftsminister Pierre Moscovici hob hervor, es habe nicht die geringste "Gefälligkeit" oder Versuche der "Behinderung" der Justiz gegeben. Er sagte dem Sender RTL, die Justiz habe in dem Fall völlig unabhängig arbeiten können.

Konto von der Schweiz nach Singapur transferiert

Moscovici hatte in der Schweiz eine Auskunft über ein mögliches Konto Cahuzacs bei der Bank UBS angefordert. Die Schweiz hatte daraufhin vor einigen Wochen mitgeteilt, dass es kein Konto gebe. Das war in den Medien zeitweise als Entlastung für den damaligen Haushaltsminister gewertet worden. Cahuzac hatte aber sein seit rund 20 Jahren bestehendes Auslandskonto, das er ursprünglich bei der UBS eröffnet hatte, später zur Schweizer Bank Reyl & Cie transferiert und dann nach Singapur.

Außenminister Laurent Fabius nannte das Verhalten von Cahuzac "niederschmetternd". Wenn Hollande dies gewusst hätte, dann wäre Cahuzac "sofort entlassen worden", sagte er dem Sender BFM-TV. Die Affäre sei "verheerend" für das gesamte öffentliche Gefüge in Frankreich.

 
Leser-Kommentare
  1. >> Im hier diskutierten Fall geht es um eine offenbar erwiesene Tatsache (er hat ja das Konto in Singapore zugegeben) und einer damals nicht bewiesenen Handlung (Betrug bei der Doktorarbeit). <<

    ... demnach, Guttenberg wäre zu schonen gewesen, weil er das, was jedermann nachlesen konnte, auch noch abgestritten hat?

    Äußerst merkwürdige Einstellung.

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  2. es ist völlig nebensächlichm zu welcher Einschätzung Sie mit Ihrem gesunden Volksempfinden kommen. Solange es kein richterliches Urteil gibt, gilt ein Angeklagter als unschuldig. Zumindest in Deutschland gilt dies...

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    ... wie Sie deutlich zu verkennen scheinen, NUR im Strafrecht.
    Das Leben besteht jedoch gottlob zu (geschätzt) 99,9 Prozent aus strafrechtlich nicht relevantem Handeln. Selbst im olitischen Leben ...

    ... wie Sie deutlich zu verkennen scheinen, NUR im Strafrecht.
    Das Leben besteht jedoch gottlob zu (geschätzt) 99,9 Prozent aus strafrechtlich nicht relevantem Handeln. Selbst im olitischen Leben ...

  3. "Ihr Nickname lässt auf eine gewissen Einstellung zu rechtlichen Dingen schließen."

    ... könnten Sie durchaus richtig liegen.
    Während man im "konservativ/bürgerlichen" Lager die Geltung der sogenannten Unschuldsvermutung selbst in den Fällen für sich reklamiert, in denen die Fakten offensichtlich und nachprüfbar auf dem Tisch liegen, halte ich von einer solchen Vorgehensweise nichts.

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    das ist wenigstens eindeutig.
    Aber bedenken Sie bitte: es gibt auch Fälle, wo die Fakten für "die anderen" (also nicht für Sie) offensichtlich und nachprüfbar auf dem Tisch liegen. Und falls Sie dann nicht "zu den anderen" zählen (was ich Ihnen nicht wünsche), kann es für Sie schnell ungemütlich werden. Was ich damit sagen will: das gesunde Volksempfinden ist selten eine gute Entscheidungsgrundlage, egal ob es das linke Volksempfinden ist oder das konservativ/bürgerliche. Erfahrungen damit haben wir doch in der DDR oder auch davor zur Genüge gemacht.

    das ist wenigstens eindeutig.
    Aber bedenken Sie bitte: es gibt auch Fälle, wo die Fakten für "die anderen" (also nicht für Sie) offensichtlich und nachprüfbar auf dem Tisch liegen. Und falls Sie dann nicht "zu den anderen" zählen (was ich Ihnen nicht wünsche), kann es für Sie schnell ungemütlich werden. Was ich damit sagen will: das gesunde Volksempfinden ist selten eine gute Entscheidungsgrundlage, egal ob es das linke Volksempfinden ist oder das konservativ/bürgerliche. Erfahrungen damit haben wir doch in der DDR oder auch davor zur Genüge gemacht.

  4. ... wie Sie deutlich zu verkennen scheinen, NUR im Strafrecht.
    Das Leben besteht jedoch gottlob zu (geschätzt) 99,9 Prozent aus strafrechtlich nicht relevantem Handeln. Selbst im olitischen Leben ...

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    ... es sollte natürlich "... im politischen Leben ..." lauten.

    ... es sollte natürlich "... im politischen Leben ..." lauten.

  5. 13. Sorry,

    ... es sollte natürlich "... im politischen Leben ..." lauten.

    Antwort auf "Das gilt aber,"
  6. 14. Naja,

    das ist wenigstens eindeutig.
    Aber bedenken Sie bitte: es gibt auch Fälle, wo die Fakten für "die anderen" (also nicht für Sie) offensichtlich und nachprüfbar auf dem Tisch liegen. Und falls Sie dann nicht "zu den anderen" zählen (was ich Ihnen nicht wünsche), kann es für Sie schnell ungemütlich werden. Was ich damit sagen will: das gesunde Volksempfinden ist selten eine gute Entscheidungsgrundlage, egal ob es das linke Volksempfinden ist oder das konservativ/bürgerliche. Erfahrungen damit haben wir doch in der DDR oder auch davor zur Genüge gemacht.

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    Antwort auf "Mit Ihrer Vermutung"
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    ... vorbehaltlos zu.
    Die Faktenlage muß in der Tat für jedermann zugänglich und objektivierbar sein.

    ... vorbehaltlos zu.
    Die Faktenlage muß in der Tat für jedermann zugänglich und objektivierbar sein.

  7. Ich hoffe, dass mit dieser Auskunft endlich eine Lawine losgetreten wird und auch die Auslandskonten aller Bundestags- Landtags und Europabgeordneten vor der Bundestagswahl September 2013 geprüft werden. Das Auslandskonto birgt die Gefahr, dass ein Politiker von irgendwelchen Organisationen für politische Gefälligkeiten Geld erhalten kann. Politiker sollten für ihre Glaubwürdigkeit und der Zurückgewinnung des Vertrauens ihre Finanztransaktionen freiwillig prüfen lassen.

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    Totale Transparenz? Ich weiss nicht. Der Staat kann, darf, soll nicht von allen alles wissen. Die "Bedingungslose Transparenz" trägt einen totalitären Kern in sich. Es handelt sich um die stumpfe Waffe jener, die glauben, zu kurz gekommen zu sein und die sie dem Staat zum nicht kontrollierbaren Gebrauch überlassen wollen. Die Forderung nach dieser Art von Transparenz trägt bereits den Keim zur Pervetierung dieses an sich nicht völlig negativen Begriffs in sich. Funktionieren wird das nie. Ein wirkungsvolles Instrument für den Machtmissbrauch ist es aber schon.

    Totale Transparenz? Ich weiss nicht. Der Staat kann, darf, soll nicht von allen alles wissen. Die "Bedingungslose Transparenz" trägt einen totalitären Kern in sich. Es handelt sich um die stumpfe Waffe jener, die glauben, zu kurz gekommen zu sein und die sie dem Staat zum nicht kontrollierbaren Gebrauch überlassen wollen. Die Forderung nach dieser Art von Transparenz trägt bereits den Keim zur Pervetierung dieses an sich nicht völlig negativen Begriffs in sich. Funktionieren wird das nie. Ein wirkungsvolles Instrument für den Machtmissbrauch ist es aber schon.

  8. ... vorbehaltlos zu.
    Die Faktenlage muß in der Tat für jedermann zugänglich und objektivierbar sein.

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    Antwort auf "Naja,"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, rav
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  • Schlagworte Frankreich | Finanzminister | Steueroasen | Schweiz | Singapur
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