Die bürgerlichen Parteien haben die Parlamentswahlen in Island gewonnen. Nach Auszählung von ungefähr zwei Dritteln der Stimmen errangen das Bündnis aus konservativer Unabhängigkeitspartei und liberaler Fortschrittspartei 37 der 62 Parlamentssitze. Die Sozialdemokraten der bisherigen Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir verloren die Hälfte ihrer Sitze und schafften es mit ihren bisherigen Koalitionspartner, den Linksgrünen, auf nur noch 17 Mandate. 

Damit wird der konservative Parteichef Bjarni Benediktsson voraussichtlich Islands neuer Ministerpräsident. Er rief sich bereits in der Nacht zum Wahlsieger aus: "Wir werden Island in den kommenden Monaten und Jahren sehr schnell zum Besseren verändern."

Schon vor der Wahl hatte sich ein Sieg der Konservativen in Umfragen abgezeichnet. Die Unzufriedenheit unter den 320.000 Bürgern mit der Verteilung der Krisenlasten galt als ausschlaggebend für die Niederlage von Mitte-Links. 2009 hatte die konservative Partei aus dem gleichen Grund die Wahl verloren und war nach 18 Regierungsjahren in die Opposition gegangen.

Der Wahlkampf in diesem Jahr konzentrierte sich auf die hohen Schulden der isländischen Privathaushalte als Folge der Bankenkrise. Bjarni hatte zudem angekündigt, im Falle eines Wahlsieges die Beitrittsverhandlungen mit der EU zu stoppen.  

Insgesamt hatten sich 15 Parteien um die 63 Sitze im Parlament in Reykjavík beworben. Die proeuropäische Partei Strahlende Zukunft erhält der Prognose zufolge sechs Mandate. Ob die Piratenpartei es über die nötigen fünf Prozent für einen Einzug ins Parlament schafft, ist noch nicht klar.  

Jóhanna hatte sich bereits vor dem Wahltag von ihren Anhängern verabschiedet. Sie trat im Alter von 70 Jahren nicht erneut an.  Jóhanna hatte Sparprogramme durchgesetzt und die Annäherung an die EU vorangetrieben. 

International wird ihr Krisenmanagement als weitgehend erfolgreich bewertet. Die Arbeitslosigkeit ist unter fünf Prozent gesunken, der Staatshaushalt fast wieder ausgeglichen und die Wirtschaft im vergangenen Jahr wieder gewachsen. Allerdings haben viele Privathaushalte Probleme, die gestiegenen Kreditschulden zu bezahlen.