StaatsoberhauptItaliens Präsident Napolitano wiedergewählt

Erst nach dem sechsten Wahlgang hat Italien einen neuen Staatspräsidenten: den alten. Napolitano bekam die Mehrheit und muss das Land nun aus der Blockade befreien.

Der italienische Staatschef Giorgio Napolitano ist wiedergewählt. Er war in der sechsten Runde der Präsidentenwahl in Rom angetreten und schaffte problemlos die notwendige absolute Mehrheit von 504 Stimmen der 1.007 Parlamentarier.

Nach dem Scheitern zweier Kandidaten in den ersten Runden hatte er sich bereit erklärt, für ein zweites Mandat anzutreten. Alle großen Parteien außer der populistischen Protestbewegung Fünf Sterne hatten Zustimmung zu Napolitanos Wiederwahl signalisiert und ihn zu diesem Schritt gedrängt.

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Zuvor hatte es fünf ergebnislose Wahlgänge gegeben, weil die Kandidaten Franco Marini und Romano Prodi die notwendige Mehrheit deutlich verfehlten. Das Parlament ist seit den Wahlen Ende Februar durch eine Patt-Situation blockiert. Die Blockade durch Neuwahlen oder die Ernennung eines Regierungschefs aufzulösen, ist Napolitanos dringendste Aufgabe. Seine erste, siebenjährige Amtszeit endet am 15. Mai.

Einer der ältesten Staatschefs der Welt

Er könne sich nach den Krisengesprächen mit den Parteien beider Seiten der Verantwortung für die Einheit und für den Zusammenhalt der Nation nicht entziehen, hatte Napolitano seinen Schritt kurz vor der Wahl begründet. Er forderte dieses Verantwortungsbewusstsein auch von den politischen Kräften. In den vergangenen Monaten hatte er mehrmals eine erneute Kandidatur abgelehnt und auf sein hohes Alter verwiesen.

Der 87-jährige Napolitano ist schon jetzt einer der ältesten Staatschefs der Welt. Viele Experten halten es deshalb für wahrscheinlich, dass er nach der Überwindung der politischen Krise in Italien zurücktritt.

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Leserkommentare
  1. ...der 87-jährige, alte Staatsmann Napolitano ist vermutlich tatsächlich der Beste für den Job, den die Italiener haben. Die einzige Säule der Kontinuität in dem ewigen Chaos der italiensichen Innenpolitik.

    2 Leserempfehlungen
  2. Matteo Renzi hat kein entspanntes Verhältnis zu Berlusconi. Er will Berlusconi mit Taten aus dem Weg räumen und nicht mit linksgerichtete Parolen aus den 60er alla Bersani bekämpfen. Das ist ein feiner Unterschied.

    Die Masse der Inkompetenten soll nach Hause gehen. Ich habe Respekt für Napoletano, er hat in seinem Leben nun wirklich alles gesehen und erlebt, was soll Napolitano nun noch schocken, nur sein Alter vermutlich und eben die Inkompetenz um ihm herum...

    An das hat er bestimmt heute Morgen gedacht als alle hintereinander, von Monti bis Berlusconi und auch Bersani schlangen bei ihm im Palazzo standen!

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  3. es ist noch nie vorgekommen, dass ein Präsident in Italien 2 Mandate erhält...Die 10 Präsidenten vor Napolitano mussten alle zum Mandatsende gehen (nach 7 Jahren).

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  4. Zunächst mal ziehe ich meinen Hut vor Giorgio Napolitano! Er kann einem wirklich leid tun. Die letzten Wochen seiner Amtszeit waren sicher schon mehr, als er sich in seinem Alter zumuten sollte. Und jetzt das noch. Was für ein Desaster.

    Die politische Lage Italiens wird zusehends dramatischer und unübersichtlicher, jetzt ist auch noch die PD endgültig im Selbstzerstörungsmodus angelangt.

    Mateo Renzi: Ich hoffe, ich tue ihm Unrecht, aber mein Eindruck von ihm ist leider mittlerweile, dass er jung und smart, aber eben auch ein typischer Vertreter der casta ist.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, cw
  • Schlagworte Giorgio Napolitano | Romano Prodi | Alter | Franco Marini | Parlament | Präsidentenwahl
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