Giorgio NapolitanoItaliens Hoffnung ist 87 Jahre alt

Giorgio Napolitano ist überraschend als neuer italienischer Staatspräsident gewählt. Er hat nun die schwierige Aufgabe, das Land wieder regierbar zu machen. Von F. Ghelli von 

Es ist eine unvorhergesehene Lösung für einen unvorhergesehenen Notstand: Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano wird sein eigener Nachfolger. Im Alter von 87 Jahren tritt er seine zweite Amtszeit an. Das gab es noch nie, dass ein italienischer Präsident wiedergewählt wurde. Noch dazu in diesem hohen Alter. Böse Zungen sagen bereits, dass seine Amtszeit womöglich gesundheitsbedingt nicht länger als zwei Jahre dauern könnte.

Schon Ende 2011, als die Berlusconi-Regierung im Wirbel der Krise unterging, musste Napolitano den Krisen-Retter spielen. Nun wird er ein zweites Mal das Land aus einer scheinbar ausweglosen Regierungskrise retten müssen.

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Noch vor einer Woche fand Napolitano seine Wiederwahl "lächerlich"

Napolitano ist beliebt in Italien, daher hatten mehrere Politiker schon in den vergangenen Monaten versucht, den alten Präsidenten zu überzeugen, nicht in den Ruhestand zu gehen. Er ist der einzige, der im Moment die Autorität besitzt, um die zerstrittenen Mitte-links- und Mitte-rechts-Koalitionen an einen Tisch zu bringen. Doch Napolitano sagte "no grazie". Seine Wiederwahl sei "lächerlich", betonte er noch vor einer Woche: "Es wäre eine Nicht-Lösung. Jetzt muss man Mut zeigen und nicht zurückgehen."

Offenbar ist die Nicht-Lösung inzwischen aber die einzig verbliebene. Nachdem im ersten Wahlgang mehr als hundert "Heckenschützen" zuerst die Wahl des gemeinsamen Kandidaten von PD, PDL und Montis Bürgerwahl, Franco Marini, und später auch die des Wunschkandidaten der PD, Romano Prodi, torpedierten, war der "Schritt zurück" unabwendbar.

Dass ein Präsident erst im sechsten Wahlgang gewählt wird, ist nichts Neues für die italienische Politik: In der Vergangenheit dauerten einige Präsidentschaftswahlen bis zu zwei Wochen. Das Problem ist die Regierungskrise in Italien, das Patt im Parlament, dass keine Regierungskoalition zustande kommen lässt. Es ist eine "Niederlage der Demokratie", sagt der Politikjournalist Massimo Giannini: "Italien ist nun gezwungenermaßen eine Präsidialdemokratie." Denn jetzt muss der Präsident dafür sorgen, dass das Land eine funktionsfähig Regierung bekommt und das Parlament einige dringende Reformen verabschiedet. 

Ob das unter den Bedingungen möglich sein wird, ist extrem fraglich. Napolitano weiß, dass er nicht viel Zeit hat. Die Finanzmärkte blicken mit zunehmender Besorgnis nach Italien. So soll der Präsident schon ab Dienstag die Vorsitzenden aller Parteien, die seine Kandidatur unterstützt haben, einberufen, um die Verhandlungen zur Bildung einer zweiten Übergangsregierung zu beginnen.

Leserkommentare
  1. offensichtlich.

    Mit 87 Jahren eine Amtsperiode zu beenden wäre spät, aber mit 87 Jahren ist eine Amtsperiode zu beginnen ist schon arg spät.

    Armes Italien - wenn die Hoffnung wirklich auf einem alten Mann ruhen muß.

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    "Armes Italien - wenn die Hoffnung wirklich auf einem alten Mann ruhen muß."

    hat man auch schon über Deutschland, der SPD und Alt-Kanzler Schmidt - nicht nur hinter vorgehaltener Hand - sagen hören.

    Nicht nur für sein Lebenswerk, seine grandiose Rede sondern auch als einzig glaubwürdig verbliebener Hoffnungsträger der SPD bekam Helmut Schmidt 2011 einen Bambi ...

  2. aber ich lasse mich gerne überraschen.

    3 Leserempfehlungen
  3. "Armes Italien - wenn die Hoffnung wirklich auf einem alten Mann ruhen muß."

    hat man auch schon über Deutschland, der SPD und Alt-Kanzler Schmidt - nicht nur hinter vorgehaltener Hand - sagen hören.

    Nicht nur für sein Lebenswerk, seine grandiose Rede sondern auch als einzig glaubwürdig verbliebener Hoffnungsträger der SPD bekam Helmut Schmidt 2011 einen Bambi ...

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    und nicht frisch gewählt in einer Löwengrube für Ordnung zu schaffen - ich denke da besteht schon noch ein kleiner Unterschied.

    Offensichtlich ist es weitaus schwerer, sich gegen fragwürdig Auszeichnungen zu wehren als gegen unberechtigte Kritik.

    Vom hohen Alter der beiden Herren abgesehen, sind die politischen Parallelen zwischen unserem ehemaligen Kanzler und dem italienischen Staatspräsidenten eher begrenzt. Ebenso wie zwischen den beiden Staaten.

  4. und nicht frisch gewählt in einer Löwengrube für Ordnung zu schaffen - ich denke da besteht schon noch ein kleiner Unterschied.

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  5. Zunächst mal ziehe ich meinen Hut vor Giorgio Napolitano! Er kann einem wirklich leid tun. Die letzten Wochen seiner Amtszeit waren sicher schon mehr, als er sich in seinem Alter zumuten sollte. Und jetzt das noch. Was für ein Desaster.

    Die politische Lage Italiens wird zusehends dramatischer und unübersichtlicher, jetzt ist auch noch die PD endgültig im Selbstzerstörungsmodus angelangt.

    Mateo Renzi: Ich hoffe, ich tue ihm Unrecht, aber mein Eindruck von ihm ist leider mittlerweile, dass er jung und smart, aber eben auch ein typischer Vertreter der casta ist.

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    • Auburn
    • 21. April 2013 8:29 Uhr

    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Kriegt er auch schon ein'ge Falten
    Die sind bloß am Kopf zu sehn
    `s andere ist vielleicht sehr schön.
    Nehm se'n Alten, Nehm se'n Alten,
    Ist er auch schon dick und breit
    Nen jungen müssen se erst füttern
    und den haben se schon soweit.

    • Otto2
    • 20. April 2013 20:56 Uhr

    Nehmen Sie den Alten - da kann sich garantiert nur das Alte entfalten.
    Mehr ist dazu nicht zu sagen.

  6. Bitte machen Sie sich den Unterschied zwischen "vermutlich" und "vermeintlich" klar.
    Wenn Amato der "vermeintliche" neue Regierungschef ist, dann sagen Sie damit, daß zwar viele ihn dafür halten, daß Sie selbst aber besser informiert sind und wissen, daß es nicht zutrifft. Wenn Sie selbst auch glauben, daß er der neue Premierminister wird, ist er für Sie der "vermutliche" neue Regierungschef.

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    Fabio Ghelli schreibt, dass "Italienische Medien berichten, dass ... [Amato als Regierungschef] feststeht". Relativierend setzt er dieser Feststellung voraus, es handele sich nur um den "vermeintliche[n] neuen Regierungschef".
    Das bedeutet, dass nur eine unbestimmte Anzahl italienischer Medien, also nicht unbedingt alle und diese nicht unbedingt unwidersprochen eine Feststellung getroffen haben, an deren Richtigkeit Herr Ghelli selber noch Zweifel hat.
    Wo also ist das Problem?
    Auch Kreativität im Denken verhilft gelegentlich zur richtigen Interpretation.

    ... statt ihm andere Bedeutungen spekulativ in den Mund zu legen?

  7. sich in dieser Situation über Italien und dessen Lage lustig zu machen und zu erheben. Die Misere betrifft auch uns, und zwar ganz massiv. Es gibt europaweit keinen Politiker oder Politikerin, der / die eine Vision hat, wie wir aus dem ganzen Schlamassel herauskommen. Milliarden von Stützungs-krediten sind keine Vision. Das muss uns besorgt machen.

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