Romano Prodi ist bei seinem Versuch, neuer italienischer Staatspräsident zu werden, klar gescheitert. Die Versammlung der Parlamentarier in Rom versagte dem Kandidat des Mitte-links-Bündnisses in der vierten Wahlrunde die notwendige absolute Mehrheit. Gewählt wird der Nachfolger Giorgio Napolitanos.

Prodi zog seine Kandidatur für das Amt des Staatspräsidenten daraufhin zurück. Die ihm von der Linken angebotene Aufgabe habe ihn sehr geehrt, es seien nun aber die Bedingungen dafür nicht mehr gegeben, hieß es in einer Mitteilung.

Pier Luigi Bersani kündigte an, sein Amt als Chef der Mitte-links-Allianz niederlegen zu wollen. Seine Partei werde sich beim fünften Wahlgang am Samstagvormittag der Stimme enthalten und eine Versammlung einberufen. Er hoffe, dass es dann mit den anderen politischen Kräften einen neuen Personalvorschlag geben werde. Dass Prodi sich nicht durchgesetzt habe, könne er "nicht akzeptieren", sagte Bersani laut der Nachrichtenagentur Ansa.

Prodi war von der Linken als Kandidat vorgeschlagen, von den Parteien des rechten Lagers und der Mitte aber sofort abgelehnt worden. Die Linke hatte auf Stimmen von der populistischen Protestbewegung Fünf Sterne gehofft, um Prodi als Staatspräsidenten durchzubringen. Prodi erhielt nur 395 der notwendigen 504 Stimmen und damit etwa 100 weniger, als das linke Bündnis Stimmen hat. 

Berlusconi: Regierungsbildung unter Prodi unmöglich

Die Mitte-links-Allianz hatte Prodi nominiert, nachdem Kompromisskandidat Franco Marini in zwei Wahlgängen gescheitert war. Marini war zuvor aus den eigenen Reihen massiv kritisiert worden. Den früheren Senatspräsidenten hatte Pier Luigi Bersanis Partei PD gemeinsam mit der von Silvio Berlusconi geführten rechtskonservativen Partei Volk der Freiheit aufgestellt.

Berlusconis Mitte-rechts-Lager hatte erklärt, eine Wahl Prodis mache eine Regierungsbildung völlig unmöglich. Bersanis sozialdemokratische PD habe sich damit für vorzeitige Wahlen entschieden. Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Prodi und der frühere Ministerpräsident Berlusconi sind langjährige Gegner.

Im Wahlgang zuvor hatten in der 1.007-köpfigen Wahlversammlung viele Mitglieder ungültige Wahlzettel abgegeben. In dem dritten Wahlgang war noch eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Für den vierten Wahlgang, in dem eine absolute Mehrheit genügt hätte, sah die Allianz bessere Chancen.

Grillo will seinen Politikstil zum Exportschlager machen

Die aus Mitgliedern des Abgeordnetenhauses und des Senats sowie Vertretern der Regionen zusammengesetzte Versammlung war am Donnerstag in Rom zusammengekommen, um den Nachfolger Napolitanos zu wählen. Dessen siebenjähriges Mandat endet am 15. Mai.

Der Chef der bei der Parlamentswahl überraschend erfolgreichen Protestbewegung Fünf Sterne, Beppe Grillo, verteidigte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP seine Absage an eine Koalition mit dem Mitte-links-Lager. "Sie wollten nur unsere Stimmen, aber haben mit uns nicht über eine wirkliche Zusammenarbeit gesprochen." Zugleich kündigte er seine Absicht an, seinen umstrittenen Politikstil zum Exportschlager für ganz Europa zu machen. Er habe "die größte Revolution der Geschichte" geschafft, "bislang eine Revolution ohne Guillotine", sagte Grillo.

Italien befindet sich seit den Wahlen Ende Februar in einer politischen Blockade. Bei der Parlamentswahl hatte Bersanis Bündnis zwar die Mehrheit im Abgeordnetenhaus, nicht aber im Senat erzielt. Seither ist das Land blockiert, eine Regierungsbildung ist nach wie vor nicht in Sicht. Und der scheidende Staatschef Napolitano kann kurz vor Ende seiner Amtszeit keine Neuwahl veranlassen, weil dafür erst ein Nachfolger im Amt sein muss.