Während einer Protestkundgebung der regierenden Muslimbruderschaft sind in Kairo Islamisten und radikale Protestgruppen aneinander geraten: Gegner der Islamisten warfen Steine auf die Demonstranten. Ein Bus, mit dem die Muslimbrüder und andere islamistische Parteien ihre Anhänger zu der Kundgebung gebracht hatten, ging in Flammen auf. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Anlass für den Protest war die Entscheidung vom vergangenen Montag, Expräsident Husni Mubarak aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Über die Anzahl der Verletzten gab es unterschiedliche Angaben. Die Nachrichtenagentur AFP meldete mindestens vier, der Sender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf Sanitäter von mindestens 29 Verletzten.

Der Protest der Islamisten richtete sich gegen den Justizapparat. Sie unterstellen der Justiz, sie sei mit Konterrevolutionären durchsetzt. Vor dem Justizpalast in Kairo forderten mehr als 8.000 Kundgebungsteilnehmer eine Säuberung der Justiz.

Mubarak erneut in Untersuchungshaft

Der 84-jährige Mubarak sitzt seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft, was nach ägyptischem Recht nicht zulässig ist. Da es im ersten Prozess Verfahrensfehler gab, begann jetzt ein zweiter Prozess gegen den 2011 gestürzten Machthaber.

Die angeordnete Haftentlassung hat allerdings keine praktischen Konsequenzen, weil der Generalstaatsanwalt kurz zuvor ein weiteres Verfahren wegen Korruption gegen Mubarak eröffnet hatte. Er musste erneut in Untersuchungshaft. Die Opposition wirft den Muslimbrüdern vor, sie benutzten den Mubarak-Prozess als Vorwand, um kritische Justizbeamte durch Juristen aus ihren Reihen zu ersetzen.

Die salafistische Partei des Lichts beteiligte sich nicht an der Protestaktion. Sie hatte in dem inzwischen per Gerichtsbeschluss aufgelösten Parlament mit den Muslimbrüdern zusammengearbeitet.