ÄgyptenVerletzte bei Islamisten-Demo in Kairo

Die regierenden Muslimbrüder haben gegen die ägyptische Justiz demonstriert. Es gab Krawall und Verletzte. Anlass war ein Richterspruch zur Haftentlassung Mubaraks.

Gegner der Muslimbruderschaft in Kairo

Gegner der Muslimbruderschaft in Kairo  |  © Gianluigi Guercia/AFP/Getty Images

Während einer Protestkundgebung der regierenden Muslimbruderschaft sind in Kairo Islamisten und radikale Protestgruppen aneinander geraten: Gegner der Islamisten warfen Steine auf die Demonstranten. Ein Bus, mit dem die Muslimbrüder und andere islamistische Parteien ihre Anhänger zu der Kundgebung gebracht hatten, ging in Flammen auf. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Anlass für den Protest war die Entscheidung vom vergangenen Montag, Expräsident Husni Mubarak aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Anzeige

Über die Anzahl der Verletzten gab es unterschiedliche Angaben. Die Nachrichtenagentur AFP meldete mindestens vier, der Sender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf Sanitäter von mindestens 29 Verletzten.

Der Protest der Islamisten richtete sich gegen den Justizapparat. Sie unterstellen der Justiz, sie sei mit Konterrevolutionären durchsetzt. Vor dem Justizpalast in Kairo forderten mehr als 8.000 Kundgebungsteilnehmer eine Säuberung der Justiz.

Mubarak erneut in Untersuchungshaft

Der 84-jährige Mubarak sitzt seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft, was nach ägyptischem Recht nicht zulässig ist. Da es im ersten Prozess Verfahrensfehler gab, begann jetzt ein zweiter Prozess gegen den 2011 gestürzten Machthaber.

Die angeordnete Haftentlassung hat allerdings keine praktischen Konsequenzen, weil der Generalstaatsanwalt kurz zuvor ein weiteres Verfahren wegen Korruption gegen Mubarak eröffnet hatte. Er musste erneut in Untersuchungshaft. Die Opposition wirft den Muslimbrüdern vor, sie benutzten den Mubarak-Prozess als Vorwand, um kritische Justizbeamte durch Juristen aus ihren Reihen zu ersetzen.

Die salafistische Partei des Lichts beteiligte sich nicht an der Protestaktion. Sie hatte in dem inzwischen per Gerichtsbeschluss aufgelösten Parlament mit den Muslimbrüdern zusammengearbeitet. 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Gerne erteilt der ägyptische Diktator Mursi dem verfeindeten syrischen Baath-Regime Belehrungen in Demokratie.
    Gerne wird Mursi dann als willkommener Quasi-Experte für die Verworfenheit der syrischen Regierung von den westlichen Medien zitiert.

    Dabei regiert Mursi Ägypten selbst wie ein Diktator.
    Wer die Massen der eigenen Anhänger gegen die Justiz marschieren lässt, beweist, dass er deren unantastbare Unabhängigkeit nicht respektiert.
    Dass er die Gewaltenteilung vielleicht ebenfalls nicht schätzt. Höchstens in Form einer mit dem Regime gleichgeschalteten Institution.
    Der Vorwurf, die Justiz sei mit Konter-Revolutionären durchsetzt, ist da schon ein ganz starkes Indiz, wie ich finde.

    Dieser Vorwurf ist seinem Wesen nach unsachlich und eine vorsätzliche Diffamierung des politischen Gegners.
    Hier soll ein ziemlich unerheblicher Vorgang instrumentalisiert werden, um der unabhängigen Justiz pauschal die Legitimation abzusprechen.

    Aus geringem Anlass und mutmasslich niederen Beweggründen stellt Mursi die Demokratie in Frage und scheut sich nicht, auch einem ziemlich wehrlosen Gegner, wie der eigenen Justiz, mit der Gewalt der Strasse zu drohen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die völlig verquere Weltsicht, demokratisch legitimierte Präsidenten a la Obama, Hollande, Mursi mit menschenverachtenden Diktatoren a la Putin, Assad oder der neue Chavez gleichzusetzen entbehrt jeglicher Grundlage!

    Vielleicht schafft man es ja seine islamophoben Reflexe für einige Zeit ruhig zu halten und den alten Demokraten Mursi eine Chance!

  2. 2. [...]

    Entfernt, da nicht konstruktiv. Die Redaktion/sam

  3. Die völlig verquere Weltsicht, demokratisch legitimierte Präsidenten a la Obama, Hollande, Mursi mit menschenverachtenden Diktatoren a la Putin, Assad oder der neue Chavez gleichzusetzen entbehrt jeglicher Grundlage!

    Vielleicht schafft man es ja seine islamophoben Reflexe für einige Zeit ruhig zu halten und den alten Demokraten Mursi eine Chance!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @ursula Omar

    Nur gut, dass Sie genau wissen, was Demokratie ist. Und nur gut, dass Sie genau wissen, wie Demokratie in Ägypten zur Zeit aussieht.

  4. @ursula Omar

    Nur gut, dass Sie genau wissen, was Demokratie ist. Und nur gut, dass Sie genau wissen, wie Demokratie in Ägypten zur Zeit aussieht.

  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, cw
  • Schlagworte Recht | AFP | Bus | Justiz | Korruption | Muslimbruderschaft
Service