Front NationalLe Pen wehrt sich gegen den Vorwurf der Steuerflucht

Der französische Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen steht im Verdacht, Geld im Ausland versteckt zu haben. Der Exchef des Front National und seine Tochter bestreiten das.

Jean-Marie Le Pen und seine Tochter Marine (beide Front National) bei einer Sitzung des Europaparlaments in Straßburg im Februar 2012

Jean-Marie Le Pen und seine Tochter Marine (beide Front National) bei einer Sitzung des Europaparlaments in Straßburg im Februar 2012  |  © Vincent Kessler/Reuters

Frankreichs bekanntester Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen hat offenbar dubiose Geldgeschäfte außerhalb der Landesgrenzen getätigt – oder tätigen lassen. Das investigative Onlinemagazin Mediapart berichtet, der langjährige Vorsitzende des Front National habe seit 1981 ein Konto bei der Schweizer Bank UBS besessen, auf das bis 1986 etwa zwei Millionen Francs (305.000 Euro) eingezahlt wurden.

Treuhänderisch verwaltet wurde das Konto von Jean-Pierre Mouchard, einem Verleger und Geschäftsmann mit Schweizer Staatsbürgerschaft, der Le Pen politisch nahesteht und seinen Aufstieg zu einem wichtigen Faktor der französischen Politik finanzieren half. Mouchard hat laut Mediapart außerdem die Dienste von Offshore-Firmen auf Gibraltar und in Panama genutzt, berichtet Le Monde.

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Le Pen streitet laut dem Bericht jedoch ab, dass Mouchard für ihn gehandelt habe und dass auf dem Konto zwei Millionen Francs gelegen hätten. Das Konto habe vollständig Mouchard gehört und sei zu einem Darlehen an dessen Plattenfirma Serp genutzt worden – sie verbreitete unter anderem rechtsextremes Liedgut, darunter auch Nazi- und Wehrmachtslieder. Die Mediapart vorliegenden Dokumente sollen hingegen beweisen, dass Mouchard erklärtermaßen für Le Pen aktiv war.

Marine Le Pen nennt das Konto "legal und deklariert"

Eine andere Strategie gegenüber dieser Enthüllung verfolgt Marine Le Pen, die Tochter des Parteigründers und heutige Chefin des Front National. Sie sagte Mediapart, das Konto bei der UBS sei – "soviel ich weiß" – vollkommen legal und deklariert. Ihr Vater habe bei der Bank einen Kredit aufgenommen. Zugleich behauptete Marine Le Pen aber, sie wisse davon genau genommen gar nichts: "Nur weil man einen Vater, einen Bruder hat, heißt das nicht, dass man die Gesamtheit ihrer Vermögensverhältnisse kennt."

Die jetzt aufgedeckten Verbindungen könnten helfen, die Finanzierungskanäle des Front National weiter freizulegen. Mouchard wurde 1991 unter einem Decknamen der Schatzmeister von zwei Kleinparteien namens Cotelec und Cotelec-JM Le Pen, die als Netzwerke zur Spendensammlung für den Rechtsextremisten dienten. Die beiden befreundeten Männer, die zusammen Segeltouren unternahmen, gründeten gemeinsam auch mehrere Verlagshäuser.

Frankreichs Präsident François Hollande hat wegen ähnlicher Affären von engen Weggefährten politische Probleme: Das hartnäckig geleugnete Schweizer Konto von Exhaushaltsminister Jérôme Cahuzac und die Offshore-Geschäfte seines ehemaligen Wahlkampf-Schatzmeisters Jean-Jacques Augier.


 

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Leserkommentare
  1. Nach den inzwischen bekannten Inselparadiesen für gesammelte Finanzbeuten wundert es schon eher, wenn ausgerechnet mit Wahrheiten hadernde Rechtspolitiker sich zu dem bekennen, was ihnen doch immer schon wichtiger war, als die Sprüche, mit denen sie die Aufmerksamkeit treuseeliger Anhänger vom Kern ihrer "Wahrheiten" ablenken.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, sc
  • Schlagworte Jean-Marie Le Pen | Front National | Marine Le Pen | Staatsbürgerschaft | Darlehen | Kredit
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