Tacumbú ist voller Schmutz und Schimmel. Gestank von Fäkalien, Schweiß und Müll liegt in der Luft. Das Gefängnis ist hoffnungslos überbelegt.

Seit November 2012 arbeite ich für eine PR-Agentur in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. Ein befreundeter paraguayischer Anwalt berichtete mir von den Zuständen in Tacumbú. Als er das  nächste Mal einen Klienten besuchte, begleitete ich ihn. Die Insassen machten einen verstörten Eindruck. Ich spüre ihre Anspannung und Angst. Dieser Ort verstörte auch mich.

In einem Gefängnis sollten ausgebildete Wärter und Kameras ein Mindestmaß an Sicherheit garantieren. Doch Tacumbú, Paraguays größtes Gefängnis, ist ein rechtsfreier Raum. Vergewaltigungen, Erpressung und Mord gehören zum Alltag.

Das Gefängnis im gleichnamigen Stadtteil Asuncións ist für weniger als 1.000 Insassen ausgelegt. Es beherbergt aber derzeit etwa 3.700 Menschen. Dazu gehören Kleinkriminelle wie Steuersünder und Landbesetzer. Auch Vergewaltiger und Mitglieder des organisierten Verbrechens sitzen hier ein. Räumlich getrennt sind sie nicht.

Es gibt zwar eigene Sektionen für Schwerverbrecher, aber die sind nur symbolischer Natur. Gerade die harten Fälle gehen zwischen den Bereichen ein und aus, wie es ihnen beliebt; häufig, um zahlungsunwillige Kunden aufzusuchen. Faktisch kontrollieren die kriminellen Bosse, was in Tacumbú geschieht.

Nicht einmal 40 Wärter sollen in Tacumbú für die Sicherheit sorgen. Schlimmer als deren geringe Anzahl ist ihr geringes Interesse an der Sicherheit ihrer Schutzbefohlenen. Die Wärter sind maßgeblich an den meisten Verbrechen im Gefängnis beteiligt. Oft weil sie zur richtigen Zeit Türen öffnen oder schlicht weggucken. Häufig greifen sie auch aktiv ins Geschehen ein, um ihren Mindestlohn von etwa 400 Dollar aufzubessern.

Eis für Mate-Tee und Drogen aller Art

Tacumbú ähnelt mehr einer Kleinstadt, als einem Gefängnis. Es gibt dort Bereiche, die Elendsvierteln gleichen, andere erscheinen wie Luxusquartiere. Mehr als 500 Insassen, die aufgrund der Überbelegung nirgends unterkommen, schlafen irgendwo auf dem harten Boden. Die unterste soziale Schicht bilden Crack-Süchtige.

In den edleren, klimatisierten Räumlichkeiten schauen die wohlhabenden Insassen Kabelfernsehen und tauschen sich via Handy mit ihren Angehörigen aus. Es gibt Läden, in denen sie alles bekommen können. Das Angebot reicht vom Eis für Mate-Tee bis zu Drogen aller Art.

Häufig machen die Kiosk-Inhaber im Knast da weiter, wo sie draußen aufgehört haben. Der Drogenhandel, der sie ins Gefängnis gebracht hat, hilft ihnen drinnen, über die Runden zu kommen.

Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Die Rückfallquote der aus der Haft Entlassenen sei hoch, sagt Gefängnispastor Félix Duarte Dupont, der seit mehreren Jahren in Tacumbú arbeitet. Von Rehabilitierung keine Spur. Zudem sind 35.000 Haftbefehle noch gar nicht vollstreckt worden. Geld für neue Gefängnisse ist nicht vorhanden.