Libyen : Milizen blockieren Ministerien in Tripolis

Mehrere Regierungsgebäude in der libyschen Hauptstadt werden von Rebellen blockiert. Sie fordern, hohe Gaddafi-Getreue aus dem Staatsdienst zu entfernen.
Bewaffnete Rebellen vor dem Justizministerium in Tripolis © Ismail Zitouny/Reuters

Bewaffnete Milizen belagern das libysche Außen- und das Justizministerium und fordern die Entlassung von hochrangigen Funktionsträgern aus der Ära des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi. Wie mehrere Agenturen unter Verweis auf Augenzeugen und das Justizministerium melden, sind in der Hauptstadt Tripolis dutzende bewaffnete Männer aufmarschiert.

Das Außenministerium ist bereits seit Sonntag von Milizen umzingelt. Am Dienstag dehnte sich die Blockade auf das Justizministerium aus. Die Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt, das Ministerium sei geschlossen, teilte ein Sprecher mit. Auf dem Märtyrer-Platz in Tripolis demonstrieren rund 350 Menschen unbewaffnet.

Als Reaktion auf die gewaltsamen Proteste hat der Nationalkongress seine nächste Sitzung um drei Tage auf Sonntag verschoben. So erhalten die Abgeordneten mehr Zeit, um über das umstrittene Gesetz zu beraten.

Das Gaddafi-Regime war 2011 im arabischen Frühling gestürzt und der Diktator von Rebellen getötet worden. Seither wird das Land von einer Übergangsregierung regiert. Teile des Landes stehen unter der Kontrolle bewaffneter Milizen, deren Entmachtung bisher nicht gelungen ist.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Zivilcourage

Libyen ist erst seit wenigen Monaten Demokratie und gefordert wird, dass diese ebenso funktionieren soll, wie mitteleuropäische Musterdemokratien. Oder sogar besser. Lassen wir Libyen noch etwas Zeit! Die Menschen dort nehmen jedenfalls ihre Zukunft in die Hand und machen Druck auf ihre Regierung, alte Kader aus den lukrativen Positionen zu entfernen. Für mich jedenfalls ist das Handeln im Sinne der Demokratie, Zivilcourage, die auch wir uns oft herbei sehnen.

Sieht eben anders aus

Demokratie funktioniert dort eben etwas anders als bei uns. Das sind Völker mit kriegerischer Vergangenheit. Auch die Demokratie, die ja jeweils landesspezifisch angepasst werden muss, trägt dann diese Merkmale. Wir dürfen uns nicht vorstellen, dass wir denen unsere Vorstellungen von Demokratie aufzwingen können. Afrikanische Demokratie sieht anders aus als europäische.

GEschichtsbuch aufschlagen wäre nicht schlecht...

Was heisst denn bei "uns"? Haben Sie keinen Geschichtsunterricht gehabt? Deutschland ist in "kriegerischer Vergangenheit" nicht zu schlagen..beide Weltkriege ausgelöst.....mindestens 60 Mio Tote! Das deutsche Demokratieprojekt (Weimarer Republik) kläglich gescheitert. Die derzeitige Demokratie "aufgezwungen" durch die Alliierten....also überdenken Sie Ihren Kommentar lieber nochmal, bevor Sie die Situation in Libyen kommentieren.
Den Libyern muss man wenigstens soviel Zeit gewähren, wie man selbst beansprucht hat...etwas Fairness tut gut.