Angesichts der Finanzkrise hatten Europas Sozialdemokraten eigentlich auf eine Renaissance der Linken gehofft. Am besten die Alleinschuld der Malaise den unverantwortlichen Bankern anlasten, um über andere Ursachen wie exorbitante Staatsschulden und die fehlerhafte Konstruktion des Euro zu schweigen. Doch es hat nichts gefruchtet: Beim Progressiven Gipfel in Kopenhagen wurden Politiker, Akademiker und Politikberater der linken Mitte aus Europa mit einer ernüchternden Bilanz konfrontiert: Beinah überall auf dem Kontinent geht es weiter bergab.

Verflogen ist die Aufbruchstimmung, die nach dem Wahlsieg von Hollande in Frankreich noch unter vor allem traditionellen, eher linken Sozialdemokraten herrschte. Ihr einstiger Hoffnungsträger, den die deutschen und britischen Sozialdemokraten besonders freudig willkommen hießen, ist binnen zehn Monaten zu einer beklagenswerten Figur geschrumpft. Die Rezepte des laut französischen Umfragen unpopulärsten Präsidenten aller Zeiten – allen voran die Entscheidung, den Reichen 75 Prozent Steuern abzuknöpfen – erwiesen sich als Rohrkrepierer. Dazu wird die sozialistische Regierung von peinlichen Skandalen erschüttert.

Deutschlands Sozialdemokraten machen den Eindruck, als hätten sie bereits jetzt, gut vier Monate vor der Bundestagswahl, alle Hoffnung fahren lassen – ihr ungelenk und unglücklich operierender Kanzlerkandidat Steinbrück hat die Partei nicht hoch-, sondern eher noch weiter runtergezogen. Die SPD liegt in der Gunst der Wähler bei traurigen 26 Prozent, Angela Merkel dagegen erfreut sich beinah atemberaubender Popularitätswerte.

Nur Labour-Chef Miliband hat noch gute Umfragewerte

Sozialdemokratische Tristesse, wohin man blickt: Selbst die Gastgeberin der Konferenz, Dänemarks Premierministerin Helle Thorning-Schmidt, muss mit ihrer Abwahl rechnen, angesichts des harten Sparkurses, zu dem sie gezwungen ist. Auch in Dänemark ist das Haushaltsdefizit sprunghaft nach oben geschnellt. Doch die Sozialdemokratin will an ihrem Konsolidierungskurs festhalten.

Thorning-Schmidt beherzigt die Maxime des schwedischen Premiers Göran Persson, der in den neunziger Jahren die Schulden- und Haushaltskrise bewältigt hatte und der Sozialdemokratie die überragende Bedeutung finanzpolitischer Glaubwürdigkeit ans Herz legte. Wenn Helle Thorning-Schmidt bei den nächsten Wahlen fällt, was erwartet wird, bleibt den Sozialdemokraten nur noch die Bastion Norwegen.

Einzig Ed Miliband, Chef der britischen Labourparty, blickt angesichts eines klaren Vorsprungs in den Meinungsumfragen mit gewisser Zuversicht nach vorn, auch wenn er sich darüber klar ist, dass ein Wahlsieg in 2015 damit längst nicht garantiert ist. "Gewiss müssen wir uns vor Leichtfertigkeit hüten", sagte er ZEIT ONLINE auf dem Rückflug nach London, "aber zehn bis 14 Prozent Vorsprung vor den Tories können sich schon sehen lassen." Miliband, ganz der Mann des Volkes, hatte bewusst in der Touristenklasse gebucht und verstand das auch als Zurückweisung der höchst unwillkommenen Breitseite, die Tony Blair im linken Wochenmagazin New Statesman abgefeuert hatte.