Margaret Thatcher"Eiserne Lady", aber keine Feministin

Margaret Thatcher war eine Revolutionärin, eine Ausnahmepolitikerin. Doch ein Vorbild für Frauen war sie als Regierungschefin nie, schreibt Jürgen Krönig im Nachruf. von 

Margaret Thatcher beim Parteitag der Tories im Oktober 1981

Margaret Thatcher beim Parteitag der Tories im Oktober 1981  |  © Hulton Archive/Getty Images

Ob Gegner oder Bewunderer – niemand würde daran zweifeln, dass Margaret Thatcher eine politische Ausnahmeerscheinung war, die ihr Land fundamental verändert hat. Am Montag ist die frühere britische Premierministerin gestorben, im Alter von 87 Jahren.

Sie war eine Revolutionärin, brach verhärtete Strukturen auf, schleifte institutionelle Bastionen, die allesamt männlich dominiert waren. Ihr Feind war dabei nicht nur der Sozialismus, ob in totalitärer oder demokratischer Variante. Ebenso verachtete sie das alte konservative Establishment, das sich widerstandslos mit dem postimperialen Abstieg der britischen Nation abgefunden hatte. Thatcher war eine Überzeugungspolitikerin, die entschlossen und mit Härte vorging, im Bergarbeiterstreik wie im Krieg mit der argentinischen Militärjunta um die Falklandinseln. Der Konflikt um die Falklands unterstrich nur noch ihre Sonderstellung unter den europäischen Regierungschefs, weil sie mit dem militärischen Sieg eine urmännliche Trophäe errang.

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Ihr erfolgreicher Griff nach dem Parteivorsitz entsprang zunächst einer Kette glücklicher Umstände. 1974 wollten die Tories eigentlich nur eines: den ungeliebten Wahlverlierer Edward Heath loswerden. Manche von Thatchers männlichen Rivalen zauderten, andere blockierten sich gegenseitig, niemand nahm die Kandidatur der Frau aus bescheidenen, kleinbürgerlichen Verhältnissen ernst. Bis es zu spät war.

Nach Thatchers Triumph wunderte sich die die männliche Tory-Garde zwar, glaubte aber noch, sie bald wieder loswerden zu können. Die Konservativen kannten sie schon als Einzelgängerin und ehrgeizige Politikerin, die es ins Kabinett schaffte und dort als Vorzeigefrau fungierte. Aber ein weiblicher Parteiführer? Undenkbar!

Verstohlene Bewunderung von Feministinnen

Thatcher selbst dachte zu dieser Zeit noch ganz ähnlich. "Zu meinen Lebzeiten", sagte sie noch Anfang 1974, werde es keine Regierungschefin geben; das Schatzkanzleramt bezeichnete sie als ihre höchste politische Ambition. Sie war auch davon überzeugt, dass es einer Frau als Oppositionschefin doppelt schwer fallen würde, eine Wahl zu gewinnen – am Ende holte sie in den Schichten der Arbeiterschaft und des Kleinbürgertums besonders viele Stimmen.

Parallelen zu Angela Merkels Weg zur Bundeskanzlerin drängen sich auf. Beide galten in ihren männlich dominierten Parteien als Außenseiter, wegen ihrer sozialen wie auch ihrer regionalen Herkunft. Beide wurden unterschätzt, man hielt sie für allzu hausbacken und bieder. Beide waren zur richtigen Zeit präsent und konnten die Gunst der Umstände nutzen.

Feministinnen betrachteten Margaret Thatcher mit einer Mischung aus Abscheu, Unverständnis und – ganz gelegentlich – verstohlener Bewunderung. Die Vorstellung hingegen, die "Eiserne Lady" könnte der Sache der Frauen gedient haben, wiesen sie vehement zurück. Nur die australische Anarchistin Germain Greer hat früh erkannt, dass wohl nur eine Frau Großbritannien die notwendige Rosskur verordnen konnte, um den Zyklus von ökonomischem Niedergang und nationaler Resignation aufzubrechen. Die Tories im Kabinett jedenfalls, damals mehrheitlich Absolventen exklusiver Public Schools, wagten es nicht, gegen die Nanny, die strenge Internatsleiterin aufzumucken.

Monetarismus und Austerity-Masochismus gingen in ihrer Person eine eigentümliche Symbiose ein. Überhaupt war Thatcher fähig, völlig unterschiedliche Rollen auszufüllen: Gouvernante, Feldherrin, Mutter oder Hausfrau – weil sie ihr Geschlecht letztlich als Darbietung sah. Bereitwillig ließ sie sich auf eine Generalüberholung ihres Images ein: Eine tiefere, weniger schrille Stimme, neuer Akzent, neue Frisur und ein spezifischer "Powerdress" wappneten sie 1979 für den ersten vom Fernsehen dominierten Wahlkampf Großbritanniens. 

Leserkommentare
  1. auskotzen. Heute weiss man natürlich alles (ein bisschen) besser, hat aber auch immer noch nicht für alles Patentrezepte.

    Thatcher war jedenfalls ein Alpha-Weibchen mit klaren Botschaften, heute haben wir nur noch Mainstream Figuren als Mitläufer.

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    • AndreD
    • 08. April 2013 20:48 Uhr

    wir haben Frau Merkel,
    die macht das nur weniger verbal deutlicher als Frau Thatcher aber genauso tatkräftig wie ihre Vorgängerin. Bei Thatcher merkte es jeder, bei Merkel keiner. Das Ergebnis wird das gleiche sein:

    Keine Krankenversicherung
    Keine Sozialabsicherung
    Keine soziale Sicherheit
    ganz wenige mit sehr viel Geld
    und reichlich Rassismus, kleine Aufstände usw.

    Eisern ist Frau Merkel nicht, aber das Ergebnis schon

    Nein, die Kritik ihrer ernsthaften Kritiker war bereits anlässlich von Thatchers erster Wahl als Prime Minister und während ihrer Amtszeit eigentlich die gleiche wie heute. Hinzu kamen Thatchers Aktivitäten, mit denen sie die Kritik bestätigte.

  2. .. kenne diese Generation der Macht nicht .. aber, was über sie geschrieben und dokumentiert ist .. stark ..

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    .. aber was über sie geschrieben und dokumentiert ist .. sorry;-)

    Und ohne sie hätte UK die Kurve nie mehr gekriegt.

  3. Man mag über ihre Politik geteilter Meinung sein. Dennoch war Baroness Thatcher in ihrer Sturheit und radikalen Prinzipientreue der Gegenentwurf zum heutigen gesellschaftlichen Typus, welcher sich nie festlegt, nach allen Seiten offen ist, sich keine Position zu eigen macht und seinen Opportunismus als 'Pragmatismus' tarnt. Ein solcher Mensch hätte es in unserer Zeit wahrscheinlich schwer.

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    <<< Ein solcher Mensch hätte es in unserer Zeit wahrscheinlich schwer. <<<

    Denke ich weniger. Es kommt halt immer darauf an, welchen gesellschaftlichen Kräften die eigene Prinzipientreue nützt und wem sie schadet und ob man mit oder gegen den Strom schimmt.
    Wenn Thatchers Prinzipien die der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit gewesen wären, ja, dann hätte sie wohl heute ein Problem, wenn sie bei diesen Punkten kompromisslos sein würde und dabei mit allerlei "systemrelevanten" Profitinteressen und sonstigen "Sachzwängen" kollidierte.
    Politik für die machtvollen Systemgewinner und gegen die machtlosen Systemverlierer zeugt aber nicht von charakterlicher Stärke sondern von Schwäche.
    Das kennen wir schon von Herrn Schröder.

    ..sie sagte stets was sie auch dachte...heute sagen sie was und machen genau das Gegenteil...frage mich was gefährlicher ist...

    Ihre Haltung zu Deutschland und der Wiedervereinigung war auch nicht gerade sanft. "Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da", erklärte die britische Premierministerin nach dem Mauerfall und ergänzte das ganze mit: Deutschland ist eine gefährliche Kröte.

    http://www.sueddeutsche.d...

    Schade, dass sie längst nicht mehr bei sich war...hätte gerne gewusst was sie über Merkel geäußert hätte.

  4. .. aber was über sie geschrieben und dokumentiert ist .. sorry;-)

    Antwort auf "Macht .. ein Kitzel .."
  5. Nun ja, zumindest verdanken wir Margaret Thatcher jede Menge finsteren 80er Post Punk von arbeitslosen, depressiven Arbeiterklassejugendlichen.
    Was das Thema betrifft: ich schätze, ihr war es relativ egal, ob sie selbst oder jemand anderes Mann oder Frau war. Das ist kein Feminismus, aber Gleichberechtigung, und eigentlich halte ich das für viel erstrebenswerter.

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    Ich persönlich empfinde ihre Art und Weise Politik zu machen als asozial und undemokratisch. Aber sie hat sicher mehr für ihr Land gearbeitet als für sich selber. Sie hat sich nicht angebiedert, das kann man nur bewundern. Sie wollte das beste für ihre Land und hat es nach ihren Vorstellungen geformt. Schade, dass sie sich dabei über die Bürger (oder eben Minister) hinweggesetzt hat.

  6. <<< Ein solcher Mensch hätte es in unserer Zeit wahrscheinlich schwer. <<<

    Denke ich weniger. Es kommt halt immer darauf an, welchen gesellschaftlichen Kräften die eigene Prinzipientreue nützt und wem sie schadet und ob man mit oder gegen den Strom schimmt.
    Wenn Thatchers Prinzipien die der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit gewesen wären, ja, dann hätte sie wohl heute ein Problem, wenn sie bei diesen Punkten kompromisslos sein würde und dabei mit allerlei "systemrelevanten" Profitinteressen und sonstigen "Sachzwängen" kollidierte.
    Politik für die machtvollen Systemgewinner und gegen die machtlosen Systemverlierer zeugt aber nicht von charakterlicher Stärke sondern von Schwäche.
    Das kennen wir schon von Herrn Schröder.

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    und galt als Beton-Linker.
    So unterschiedlich wird das bewertet.

    genau das ist es.
    Es ist viel leichter, Politik zu gestalten, wenn man sich mit der mächtigen und reichen Oberschicht verbündet.

    In der Hinsicht waren auch Schröder, (und jetzt auch Steinbrück) eigentlich Liberalkonservative und Schüler Thatchers, die sich mit Reichen verbünden, um durch den angeblichen "Trickle-Down"-Effekt eine Politik explizit für Wohlhabende durchzusetzen, bei dem für den Rest der Gesellschaft die Krümel bestimmt sind.

    Die Deindustrialiserung Grossbritanniens und die bis heute über allem thronende Finanzindustrie sind das Vermächtnis Thatchers.
    Nicht zuletzt ist die in ihrer Amtszeit begonnene Entfesselung der Märkte ein Fluch gewesen, den heute, 25 Jahre später, die Arbeitnehmerschaft ganz Europas bitter bezahlen muss.

  7. Die Abneigung zum Konsens ist sicherlich ein wesentliches Merkmal ihrer Regierungszeit. Wenn man 60% der Bevoelkerung reicher macht und 40% in die Armut stoesst, gewinnt man Wahlen. Ob man einem Land dadurch ein gutes tragfaehiges Fundament gibt ist eine andere Frage.

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  8. Diesen hier meine ich:

    "Lieber ein fähiger, charmanter Mann als Minister als eine bloße Quotenfrau, schien Thatchers Parole."

    Im Kontext des Artikels heisst das ja nichts anderes, als dass eine "ordentliche" Feministin lieber eine Quotenfrau hätte als einen fähigen (charmanten) Mann.

    Irgendwie passt das in die gesamte Artikelreihe zu den Themen "Quote", "Frauenförderung" etc.

    Danke, Krönig, well done!

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    Ja, genau das ist mir auch aufgefallen. Bezeichnend, nicht wahr?

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