Wladimir Putin wird bei seinem Besuch der Hannover-Messe ein Thema nicht los: Die Razzien russischer Behörden bei ausländischen Organisationen in Russland. Darunter waren auch politische Stiftungen aus Deutschland in Moskau und St. Petersburg. Schon beim Empfang am Sonntagabend war Putin damit konfrontiert worden und auch heute kritisierte Kanzlerin Angela Merkel die Razzien. Sie erwarte, dass die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen künftig nicht mehr behindert werde. Deutschland wünsche sich in Russland eine "lebendige Zivilgesellschaft".

Am vergangenen Dienstag hatten die russischen Behörden die Büros mehrerer NGOs durchsucht. Betroffen waren auch deutsche Organisationen, etwa die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung. Hintergrund ist ein neues Gesetz, wonach sich Einrichtungen in Russland, die Geld aus dem Ausland erhalten, als "ausländische Agenten" registrieren lassen müssen.

Merkel bezeichnete die Kontrolle der NGOs auf einer gemeinsamen Pressekonferenz als "eine Störung und einen Eingriff", Putin dagegen verteidigte das entsprechende Gesetz. Die beobachteten Geldflüsse seien "besorgniserregend", sagte er. "Unsere Bürger sind berechtigt zu wissen, woher das Geld kommt." Aber natürlich könnten die Stiftungen weiter arbeiten, sagte Putin.

Die Haltung des Kremls gegenüber zivilgesellschaftlichen Initiativen stößt in Russland selbst wie auch international auf Kritik. Diese ereilte Putin auch während des traditionellen Rundgangs mit Kanzlerin Merkel auf der Messe, dessen Partnerland Russland in diesem Jahr ist. Gerade als die beiden Politiker den Stand des Automobilherstellers Volkswagen verlassen wollten, stürmten barbusige Frauen auf die Gruppe zu und beschimpften Putin als Diktator. Auf ihre Brüste hatten die Aktivistinnen "fuck dictator" geschrieben.

Bereits am Sonntag hatte es in Hannover Proteste gegen das russische Vorgehen, etwa gegen Nichtregierungsorganisationen, gegeben. Ein Sprecher des russischen Präsidialamtes bezeichnete die Aktion als Rowdytum. Die Verantwortlichen müssten bestraft werden.