Korea-KonfliktNordkorea riskiert schlechtere Beziehungen zu China

Das Regime von Kim Jong Un richtet seine Kriegsrhetorik nun auch gegen China, den wichtigsten Verbündeten. Der könnte auf Abstand gehen, vermuten und hoffen die USA.

Parade des nordkoreanischen Militärs in Nampo

Parade des nordkoreanischen Militärs in Nampo  |  ©REUTERS/KCNA

Nach Einschätzung der US-Regierung ist China zunehmend frustriert von seinem Verbündeten Nordkorea. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf nicht genannte Offizielle in Washington. Sie vermuteten, dass der neue Präsident in Peking, Xi Jinping, die seit Jahrzehnten anhaltende Unterstützung für Nordkorea überdenken wolle.

Der amerikanische Präsident Barack Obama habe Xi ausführlich über die Aufrüstungspläne des US-Militärs in der Region angesichts der Drohungen aus Nordkorea informiert. Die Regierung in Peking habe dagegen nicht protestiert. Aus dem Schweigen schließe die US-Regierung, dass China von Nordkorea abrücke, berichtete die New York Times. Zudem sei Xis Regierung zu dem Schluss gekommen, dass die reflexartige Unterstützung des Regimes in Pjöngjang die Beziehungen zu den USA unnötig belaste.

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Obamas Sicherheitsberater Tom Donilon wies in der New York Times darauf hin, dass der Zeitpunkt wichtig sei: "Das ist eine wichtige erste Erfahrung zwischen den Vereinigten Staaten und China, früh in der Amtszeit von Xi Jinping und früh in der zweiten Amtszeit von Präsident Obama." Er glaube, dass China dabei sei, seine Position im Nordkorea-Konflikt zu "entwickeln".

Nordkorea empfiehlt China Abzug der Diplomaten

Es gibt einen weiteren Hinweis darauf, dass die Beziehungen zwischen den Regierungen in Peking und Pjöngjang nicht mehr bestens sind: Nordkorea legte inzwischen auch China die Räumung seiner Botschaft in Pjöngjang nahe. Das berichtete dpa unter Berufung auf Informanten in Peking. Es gebe aber noch keine Entscheidung, wie sich die chinesische Regierung verhalten werde.

Ähnliche Empfehlungen hatte Nordkorea am Freitag an zahlreiche Länder geschickt. So wurden Deutschland, Großbritannien, Bulgarien und Russland nahegelegt, alle Diplomaten aus Pjöngjang abzuziehen. Bis Mittwoch könne Nordkorea noch bei der Räumung der Botschaften helfen, danach könne keine Unterstützung erwartet werden. Deutschland wird aber seine etwa 20 Mitarbeiter vor Ort vorerst nicht abziehen. "Bis auf Weiteres ist die Arbeitsfähigkeit der Botschaft hergestellt", sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

USA wollen Aufklärungsdrohne in die Region verlegen

Die Regierungen in Washington und Tokio planen, eine US-Aufklärungsdrohne in Japan zu stationieren. Das berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Quellen in beiden Ländern. Die Global Hawk ist ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug, das in großer Höhe operieren kann. Es ist die erste Stationierung einer solchen US-Drohne in Japan.

Auch Nordkorea plant eine weitere Aufrüstung. Machthaber Kim Jong Un ordnete an, die Produktion von Artilleriegeschützen und Granaten zu steigern. Das gehe aus einer im nordkoreanischen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentation hervor, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Diese zeige ein Treffen Kims mit Arbeitern der Rüstungsindustrie von Mitte März. "Wenn erst der Krieg ausbricht, müssen wir die Schlüsselpositionen des feindlichen Militärs und die Regierungseinrichtungen mit einem schnellen und überraschenden Schlag zerstören", sagte Kim.

Nordkorea reiht seit Wochen militärische Drohungen insbesondere gegen die USA und Südkorea aneinander. Am Donnerstag teilte die Armee mit, ein Atomangriff auf die USA sei genehmigt.

Nach einem Bericht von Yonhap, die sich auf ranghohe Regierungsvertreter in Seoul berief, verlegte Nordkorea zwei Mittelstrecken-Raketen an seine Ostküste und installierte sie auf mobilen Abschussrampen. Sie könnten jedes Ziel in Südkorea und Japan und möglicherweise sogar den US-Stützpunkt auf der Insel Guam im Pazifik erreichen.

Die Drohungen aus Pjöngjang bereiten auch den in Südkorea lebenden Deutschen Sorgen. Die deutsche Botschaft schrieb ihnen, man beobachte die Lage weiter aufmerksam und stehe im ständigen Kontakt mit anderen Botschaften, insbesondere auch der anderen EU-Mitgliedsstaaten. Die gegenwärtigen Drohungen seien "wesentlich schärfer" als früher, aber blieben bisher auf verbale Attacken beschränkt. Eine konkrete Gefährdung deutscher Staatsangehöriger werde bisher nicht gesehen.

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Leserkommentare
  1. nach einem klaren Fall von Tollwut.
    Das die Chinesen mittlerweile mal die Schnauze voll haben ist ja wohl auch verständlich.

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  2. Manchmal bin ich mir nicht mehr so sicher, ob Kim Jong Un noch alle Tassen im Schrank hat. Ihm muss doch klar sein, dass er ohne Unterstuetzung Chinas den Laden gleich schliessen kann oder ist das Land vielleicht derartig oekonomisch am Ende, dass er sich denkt er muesse mit dem Ruecken zur Wand stehend noch maximalen Schaden verursachen, bevor er sowieso untergeht? Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass er seine im letzten Jahres angekuendigten Wirtschaftsreformen nicht gegen das Militaer durchsetzen kann, da dies zu einem Mittel- und Einkommensverlust des gehaeschelten Militaers fuehrt. Andererseits weiss er aber vielleicht auch, dass es ohne Wirtschaftsreformen garnicht mehr weitergeht und somit in jedem Fall der Untergang nahe ist. Und warum dann nicht mit einem Big Bang?

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    schonmal sagte, ist dies vielleicht seine Taktik, den laden zu schließen indem er so einen Krieg anzettelt , ohne irgendwie eine Revolution durchd as Militaer zu riskieren , zwar alles nur Spekulation, jedoch eine Erklaerung fuer dieses Verhalten.Eine Oeffnung des landes scheint ja im Innern nicht wirklich gewollt zu sein und Herr Kim ist da vielleicht anderer Meinung ...

  3. im Windschatten eines 32-Tonners zu fahren ist eines. Als einziger Geisterfahrer gegen lauter 32-Tonner zu fahren, ein ganz anderes. Un scheint völlig amok zu laufen, wenn er nun auch noch seinen einzigen Windschattengeber China verprellt. Hoffentlich gibt das mal keinen erweiterten Suizid von Un.

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  4. 5. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion. Danke, die Redaktion/jp

  5. Auch auf die Gefahr hin, daß sich jetzt wieder die Apologeten melden und schreiben, dieses sei ja nicht der wirkliche Kommunismus bleibt doch festzuhalten: So wie in Nordkorea sieht der reale Kommunismus offensichtlich aus, ferngelenkte Massen von Hunderttausenden in Uniform, überschnappende Fernsehansager, schlimmste Kriegsrhetorik, Drangsalierung der eigenen Bevölkerung und am liebsten auch der Nachbarn. Schaut euch das genau an!

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    Leider haben Sie unrecht, NK hat nun wirklich nicht mit Sozialismus zu tun, die Staatsform in NK ist eine Form des Feudalismus, oder kennen Sie eine Literaturstelle bei Marx oder Lenin, dass die hoechsten Staatsaemter per Erbfolge geregelt werden sollten? Sowas gab es auch nicht in der UdSSR. Nein, die Kim Clique verkauft sich ja auch in NK ganz feudalistisch gottgleich, der Grandpa Kim ist sogar Praesident auf Ewigkeit und greift natuerlich ab und zu, angeblich noch von ganz oben ein. Das was da abgeht ist sogar eine Beleidigung fuer den Stalinismus, den ich keinesfalls schoenreden will.

    Wie dort in Nordkorea regiert wird hat ja wohl absolut nichts mit Kommunismus zu tun. Und macht man sich die Mühe auch nur einen kleinen Blick in Wiki zu wagen unter dem Begriff Nordkorea, so findet man dort gleich zu Beginn: "[...]Im Jahr 2009 wurden alle Kommunismus-Bezüge aus der Verfassung gestrichen und ein militaristischer Staat kodifiziert."
    Auch wenn ich kein Anhänger des Kommunismus bin, würde ich doch den Ideen dahinter schon etwas mehr Wertschätzung zu gestehen als ein plattes "schau nach Nordkorea und sieh was Kommunismus bedeutet". Genau so wenig hat China noch etwas mit dem Kommunismus am Hut, auch wenn es die offizielle Staatsform ist und das Hammer&Sichel Symbol im Rücken flattert.

    • cs
    • 06. April 2013 16:17 Uhr

    ...

    Das nordkoreanische Regierungs- und Wirtschaftssystem pauschal als kommunistisch abzustempeln zeigt nur wie, wenig wir wirklich über dieses Land wissen. Vom Sozialismus haben die sich inoffiziell auch schon verabschiedet. Stattdessen existiert dort im Laufe der Jahre ein de facto faschistisches und auf maximale Autarkie ausgerichtetes Regierungssystem eingeführt, Stichwort: "Juche-Ideologie".
    Übrigens war der Kommunismus der in sozialistischen Staaten angestrebe Endzustand, der aber nirgendwo auf der Welt erreicht worden ist.
    Um so etwas zu wissen, muss man nicht einmal links orientiert sein. Es reicht einfach, sich mit bestimmten Ideen etwas auseinanderzusetzen, bevor man sich ein Urteil bildet. Besonders wenn man sie ablehnt!

  6. schonmal sagte, ist dies vielleicht seine Taktik, den laden zu schließen indem er so einen Krieg anzettelt , ohne irgendwie eine Revolution durchd as Militaer zu riskieren , zwar alles nur Spekulation, jedoch eine Erklaerung fuer dieses Verhalten.Eine Oeffnung des landes scheint ja im Innern nicht wirklich gewollt zu sein und Herr Kim ist da vielleicht anderer Meinung ...

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    Antwort auf "Was eine Strategie? "
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    • Doc123
    • 06. April 2013 14:00 Uhr

    eine Möglichkeit.
    Für dieses Land sogar eine relativ "elegante Möglichkeit", ALLES umzuwandeln.

    Danke, für diese Idee.

    Eins ist klar, wenn es zum Krieg kommt wird Kim Jong Un diesen nicht ueberleben und wenn wird er in Suedkorea zu Tode verurteilt. Einen Krieg kann NK nicht gewinnen und wenn es tatsaechlich ABC-Waffen einsetzt, wird von NK auch nicht viel uebrig bleiben, also als Reform scheint mir diese Strategie auch nicht gerade zielfuehrend zu sein. Ich bin mir noch nicht einmal sicher ob grossartig in NK einmaschiert wird, weil man dann Infrantrietruppen einsetzen muesste und das bedeutet im Zweifel viele Tote auf Seiten der Allierten.

    • welll
    • 06. April 2013 14:35 Uhr

    Sollten die Drohgebärden ohne Wirkung verpuffen, kommt das einer Teilentmachtung des Militärs gleich. Wenn selbst mit massiven Drohungen, Kriegszenarien, Mittelstreckenraketen und A-Waffen kein systemerhaltender Deal herauszuschlagen ist, wird das Militär aussenpolitisch nutzlos.
    Bleibt der innenpolitische Repressionsapparat, der aber auch nur schwer am Leben zu halten sein wird, wenn Finanzspritzen ausbleiben und sich die Lage der Nation wirtschaftlich weiter verschlechtert.
    Die Idee, das Kim gerade sein Militär entmachtet ist vlt. gar nicht so abwegig.

    • R. Rat
    • 06. April 2013 14:45 Uhr

    aber der Irrsinn ist doch, dass eine nachhaltige Öffnung gar nicht in Süd-Koreas Interesse ist; diese würde nämlich letzten Endes zur Wiedervereinigung führen, was für Süd-Korea aber eine ökonomische Katastrophe wäre. Man bedenke nur Deutschlands Anstrengungen, und die DDR war im Vergleich zu Nord-Korea ein hoch-funktionaler und intakter Staat.

    • Doc123
    • 06. April 2013 13:54 Uhr

    diese müden Gesichter, der "schlappe" Gruß. Die erwarten auch nur noch das "Ende". Anders kann man das nicht sagen.
    Ich glaube nicht, das die sich dem ganzen "Gehetze" anschließen werden.
    Das Volk ist gebeutelt genug.
    Auch da sind sie in den letzten Zügen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, rav
  • Schlagworte China | Barack Obama | Nordkorea | Xi Jinping | Diplomat | Drohung
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