Correspondents' Dinner"Ich bin nicht mehr der stramme junge muslimische Sozialist"

Der US-Präsident bei der Gala der Hauptstadtpresse für Spaß gesorgt. Journalisten, Republikaner – in der Rede Obamas bekamen alle ihr Fett weg. Am meisten er selbst.

US-Präsident Barack Obama beim Correspondents' Dinner in Washington

US-Präsident Barack Obama beim Correspondents' Dinner in Washington  |  ©Kevin Lamarque/Reuters

Es ist eine der spaßigsten Traditionen des politischen Washington: Einmal im Jahr taucht der US-Präsident vor der versammelten Hauptstadtpresse auf und macht sich lustig – über sich selbst und alle anderen. Für Barack Obama war es der fünfte Auftritt vor dem Correspondents' Dinner der akkreditierten Journalisten im Weißen Haus. Und wie in jedem Jahr scherzte der US-Präsident kräftig auf eigene Kosten. 

Er habe sich verändert in den vergangenen vier Jahren, gestand er ein: "Wenn ich in diesen Tagen in den Spiegel schaue, muss ich zugeben: Ich bin nicht mehr der stramme junge muslimische Sozialist, der ich einmal war." Gegen das zunehmende Haargrau müsse etwas getan werden. Sprachs und zeigte eine Fotomontage: der Präsident mit der Frisur seiner Frau Michelle.

Anzeige

Dann teilte er aus: "Mein Job ist es, Präsident zu sein, euer Job ist es, dafür zu sorgen, dass ich bescheiden bleibe", sagte Obama an die Adresse der Hauptstadt-Journalisten, "ich finde, ich mache meinen Job besser." Den Republikanern riet er, ihre neu entdeckte Fürsorge für die Minderheiten an ihm auszuprobieren. Über den aufstrebenden Republikaner Marco Rubio witzelte er, dieser sei noch nicht einmal eine Legislaturperiode im Senat und fühle sich schon bereit, Präsident zu sein: "Also die Kinder heutzutage..." – Obama selbst hatte vor vor seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2008 nur eine einzige Amtszeit im Senat verbracht.

Nur einmal wurde Obama vor den 2.700 Gästen ernst – als er auf den Terroranschlag in Boston und die Explosion einer Düngemittelfabrik in Texas einging. Es seien sehr schwere Tage für zu viele Menschen gewesen, sagte Obama. 

Wie jedes Jahr waren bei der Gala auch viele Hollywood-Stars zu Gast – etwa Barbra Streisand, Bradley Cooper, Michael J. Fox, Kevin Spacey und Michael Douglas. Auch die Regisseure Steven Spielberg und George Lucas waren unter den Vertretern von Medien, Politik, Unterhaltung und Sport.

Hauptredner neben Obama war der Talkshow-Moderator Conan O'Brien. Er bescheinigte dem Präsidenten, erfolgreich bei der Arbeitsplatzbeschaffung zu sein: In seiner Amtszeit habe sich die Zahl der Päpste verdoppelt.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Ich werde gleich mal eine Petition aufsetzen, um Angela Merkel zur Einführung einer vergleichbaren Veranstaltung zu drängen. Die kriegt das bestimmt auch sehr gut hin.

    3 Leserempfehlungen
  2. auch ein Spässle über das Ferienlager auf Kuba gemacht?
    Dieses soziale Projekt, wo sich arme Menschen aus der ganzen Welt gratis erholen und von den Segnungen amerikanischer Freiheitskultur überzeugen können...

    Und die Gäste?
    Haben sie gelacht? Oder ist ihnen selbiges im Halse stecken geblieben...???

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Diese Veranstaltung ist ein Event, welches ein wenig Witz und Unterhaltung in die USA tragen sollen. Ihre Politiker machen das zwar auch sonst recht häufig, aber sehr selten mit Absicht! Und natürlich feiern sich die Medien ein wenig.

    Ich kann mit 364 Tagen "ernsthafter" Politik leben, sie vielleicht nicht, aber Sie gehen vielleicht auch nur zum Lachen in den Keller und dort waren Sie vielleicht auch länger nicht mehr!

    Fand die Rede zum Teil recht unterhaltsam, gerade der Teil mit Spielberg war super gemacht! Und am Ende hat er sogar noch ein par ernste Worte zu den letzten Wochen gesagt.

    Obama war bei der Guantanamo etwas zu verlaut und das halten ihm jetzt viele zu Recht vor, aber ich habe auch noch keine Lösung gehört, wie man mit den Gefangenen verfahren soll.

    mit 150 Tagen "ernsthafter Politik" leben, wenn sie nicht so verlogen wäre...

    Obama hat nicht nur "den Mund ein bischen zu voll genommen", er hat wesentliche Versprechen nicht eingehalten.
    (Und daß andere das auch nicht tun ist keine Entschuldigung!)

    Die Lösung für diese andauernde Menschenrechtsverletzunge ist übrigens ganz einfach:

    Anklagen - faires Gerichtsverfahren - Freispruch oder Gefängniss.

    Und wenn's für ein Anklagen nicht reicht, ist es in Rechtsstaaten üblich, die Beschuldigten auf freien Fuß zu setzen.

  3. Die Exporteure der Demokratie und des Friedens!

    Würde man versuchen einen US-Bürger/Soldaten/General vor den UN-Gerichtshof zu stellen, würden die USA ihren Bürger mit Waffengewalt dort rausholen. Die rechtlosen Insassen in Guantanamo werden erniedrigt und missbraucht, ihrer Freiheit missbraucht und ich finde, dass ist für einen Friedensnobelpreisträger wie Barak Obama unwürdig.

    4 Leserempfehlungen
  4. Kein Muslim, das trifft wohl zu. Auf Obamas kill list stehen, soweit ich weiß, ausschließlich Muslims. WASPs zu killen wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt wahrscheinlich auch nicht opportun.

    Kein Sozialist, trifft auch zu.Die Verarmung weiter Bevölkerungskreise und die Konzentration des Reichtums schreitet schneller denn je voran.

    Dass Obama sich verändert habe, mag sein. Politics brings out the worst in people!

    http://www.huffingtonpost...

    2 Leserempfehlungen
  5. Diese Veranstaltung ist ein Event, welches ein wenig Witz und Unterhaltung in die USA tragen sollen. Ihre Politiker machen das zwar auch sonst recht häufig, aber sehr selten mit Absicht! Und natürlich feiern sich die Medien ein wenig.

    Ich kann mit 364 Tagen "ernsthafter" Politik leben, sie vielleicht nicht, aber Sie gehen vielleicht auch nur zum Lachen in den Keller und dort waren Sie vielleicht auch länger nicht mehr!

    Fand die Rede zum Teil recht unterhaltsam, gerade der Teil mit Spielberg war super gemacht! Und am Ende hat er sogar noch ein par ernste Worte zu den letzten Wochen gesagt.

    Obama war bei der Guantanamo etwas zu verlaut und das halten ihm jetzt viele zu Recht vor, aber ich habe auch noch keine Lösung gehört, wie man mit den Gefangenen verfahren soll.

    Eine Leserempfehlung
  6. Dem Steinbrück ist doch kürzlich ein Wort für einen Komiker eingefallen. Ob er es diesmal wieder verwendet?

  7. dass er ein lustiger Kerl ist.
    Aber wenn man sein Töne zu Syrien und das Gerede über Giftgas hört, hätte man auch Bush an der Regierung lassen können.
    Der war auch lustig, zumindest konnte man gut über ihn lachen.

    Eine Leserempfehlung
  8. ...nicht in Guantanamo!

    ...nicht Afghanistan!

    ...nicht in Tschtetschenien...

    ...nicht in Syrien!

    ...nicht in....X

    ...nicht in ....Y

    ...nicht in ... Z

    ...nicht mal in Alabama!

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sc
  • Schlagworte Medien | Minderheit | Papst | Regisseur | Spiegel | US-Präsident
Service