In Österreich zieht derzeit ein selbsternannter Messias durch die Lande. Seit der österreichisch-kanadische Selfmade-Milliardär Frank Stronach in der Politik seiner alten Heimat mitmischen will, predigt er unermüdlich: Allein seine Werte könnten die von Skandalen geschüttelte Republik vor dem Zusammenbruch bewahren.

"Die Werte müssen stimmen", behauptet er, konkret: "Fairness, Transparenz, Wahrheit". Mehr an politischem Programm besitzt die Protestpartei Team Stronach des alten Patriarchen nicht.

Die vollmundige Beschwörung hehrer Werte wirkt nun auf die Konkurrenz in den eingesessenen Parteien ansteckend. Seit wenigen Jahren verfügt Österreich über ein Staatssekretariat für Integration, in dem zwar keine Entscheidungen getroffen werden dürfen, jedoch besonders gerne schöne Wortteppiche in der Öffentlichkeit ausgebreitet werden. Dort hat ein junger Konservativer das Sagen, der anfangs verspottet wurde, mittlerweile aber einer der beliebtesten Politiker des Landes ist.

Ein Kanon aus heißer Luft

Wohl um die allgemeine Anerkennung noch zu steigern, schaltet sich eben jener Shootingstar Sebastian Kurz ebenfalls in die Wertedebatte ein. Er begnügt sich aber nicht mit einer dürren Trinität ("Fairness, Transparenz, Wahrheit"), sondern macht gleich 18 Stück namhaft. Es ist ein Kanon aus heißer Luft im pathetischen Ton des Staatsbürgerschaftsunterrichts aus der Grundschule. 

Von "Selbstbestimmung" über "Respekt" und "(Kultur-)Bildung" bis zu "Zivilcourage" reicht dieses Musterbuch für den untadeligen Citoyen, das jetzt zu einer "Wertefibel" zusammengefasst wurde, deren gründliches Studium allen Zuwanderern nahe gelegt wird, da auf ihrem Inhalt das "Zusammenleben in Österreich" beruhe.

Das ist eher frommes Wunschdenken, denn im österreichischen Alltag sind die meisten der angeführten Tugenden nur in Spurenelementen vorhanden. Tatsächlich wird das Verständnis des gesellschaftlichen Zusammenlebens von ganz anderen Sitten geprägt, vor allem auch von einem auf den eigenen Vorteil bedachten Schlawinertum, das häufig in Korruption auf allen Ebenen mündet.  

Vermutlich soll dieses Anforderungsprofil für Neuösterreicher jedoch hauptsächlich auf die tendenziell ausländerfeindliche Bevölkerung beruhigend wirken, der dadurch das Gefühl vermittelt wird, man lasse nur geeichte Musterdemokraten ins Land.