Lugo-Nachfolge : Millionär Cartes gewinnt Präsidentenwahl in Paraguay

Horacio Cartes wird neues Staatsoberhaupt in Paraguay. Er ist einer der reichsten Männer des Landes und regiert künftig für die Partei von Exdiktator Stroessner.
Cartes (l.) feiert den Wahlsieg mit seinen Anhängern in Paraguays Hauptstadt Asunción. © Pablo Porciuncula/AFP/Getty Images

Der Millionär Horacio Cartes wird nächster Präsident Paraguays. Nach Angaben der Wahlbehörde konnte der Kandidat der Konservativen 45,91 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Sein aussichtsreichster Gegner, Senator Efraín Alegre von der Liberalen Partei, kam auf 36,84 Prozent – er gestand seine Niederlage bereits ein.

Tycoon und Politamateur

Der 56-jährige Cartes ist einer der reichsten Männer Paraguays und ein politischer Neuling. Erst 2009 trat er der rechtsgerichteten Colorado-Partei bei, ein Jahr später ging der Tabak-Tycoon nach eigenen Angaben zum ersten Mal zur Wahl. Nun tritt er die Nachfolge des abgesetzten Staatschefs Fernando Lugo an.

Dieser war vor zehn Monaten seines Amtes enthoben worden, nachdem seine linksliberale Koalition auseinandergebrochen war und sich Lugo mangels Mehrheit im Parlament nicht mehr gegen die Opposition durchsetzen konnte. Auslöser für die Regierungskrise war ein bislang ungeklärtes Scharmützel in Curuguaty, 200 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Asunción, bei dem elf Landbesetzer und sechs Polizisten getötet worden waren. Für die Eskalation wurde auch Lugo politisch verantwortlich gemacht.

Neustart mit den Nachbarn

Wenn Cartes am 15. August sein neues Amt antreten wird, kehrt auch die Colorado-Partei des ehemaligen Diktators Alfredo Stroessner (1954-1989) an die Macht zurück. Mehr als 60 Jahre lang hatte die Partido Colorado die Geschicke des Landes bestimmt, bevor sie im Jahr 2008 von der linksliberalen Koalition um den früheren katholischen Bischof Lugo abgelöst wurde.

Nun steht Paraguay auch außen- und wirtschaftspolitisch vor einem Neustart. Nach der Absetzung Lugos wurde das Land sowohl vom gemeinsamen Markt Mercosur als auch von der südamerikanischen Staatenunion Unasur ausgeschlossen. Die Nachbarstaaten bewerteten Lugos Amtsenthebung als einen "institutionellen Staatsstreich". Spätestens nach der Amtsübernahme des neu gewählten Präsidenten wird Paraguay aber voraussichtlich wieder in beide Gemeinschaften aufgenommen werden.

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