Die Regierungsbildung in Italien zieht sich bereits hin – nun auch die Wahl eines neuen Präsidenten. Der frühere Senatspräsident Franco Marini verfehlte nach dem ersten Wahlgang auch im zweiten Anlauf die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit.

Abgeordnete der großen Parteien wie Silvio Berlusconis Volk der Freiheit (PdL) und Pier Luigi Bersanis Demokratische Partei (PD) gaben leere Stimmzettel ab. Nach seinem überraschend schwachen Abschneiden in der ersten Runde brauchten die Parteien Zeit für neue Überlegungen, hieß es zur Begründung.

Die Amtszeit von Staatschef Giorgio Napolitano endet Mitte Mai. Marini war vom Chef des Mitte-Links-Bündnisses, Pier Luigi Bersani, in die Wahl geschickt worden.

Bersanis sozialdemokratische PD hatte sich über die Kandidatur des 80-jährigen Marini intern zerstritten. Er gehört zum christdemokratischen Flügel der PD. Die Bewerbung des Katholiken werteten Bersanis Kritiker als Versuch eines Brückenschlages zum politischen Gegner Silvio Berlusconi, der das Mitte-Rechts-Bündnis anführt. Bersanis parteiinterner Widersacher, der 38-jährige Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, lehnte Marini als "Kandidat aus dem vergangenen Jahrhundert" ab.

Die italienischen Parteien vermochten es nicht, sich nach der Parlamentswahl vor etwa sieben Wochen auf eine Regierungskoalition zu einigen. Nun hoffen viele auf den neu gewählten Präsidenten, der eine Neuwahl ansetzen könnte.

Zur Wahl des Präsidenten kamen in Rom das Abgeordnetenhaus und der Senat sowie 58 Vertreter der Regionen zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. In der Wahlversammlung sollen täglich zwei Wahlgänge stattfinden. Erst ab dem vierten Durchgang reicht die einfache Mehrheit der 1.007 Wahlleute.