Der zurückgetretene französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac hat sein Schwarzgeldkonto laut einem Zeitungsbericht mit einem gefälschten Steuerdokument verschleiert. Die Schweizer Privatbank Julius Bär habe Cahuzac vor einigen Jahren aufgefordert, einen Beweis vorzulegen, aus dem hervorgeht, dass das französische Finanzamt über die Existenz seines Kontos in der Schweiz informiert ist. Das schreibt der Zürcher Tages-Anzeiger. Cahuzac habe daraufhin ein "gefälschtes Steuerzertifikat" vorgelegt.

Außerdem habe Cahuzac erklärt, er habe die 600.000 Euro auf dem Konto als Schönheitschirurg verdient. Die französische Zeitung Le Monde hatte am Mittwoch aufgeführt, wie Cahuzac die 600.000 Euro vor den Steuerbehörden seines Heimatlandes geheim hielt. Demnach hatte 1992 zunächst ein Freund unter seinem Namen ein Schweizer Konto für Cahuzac eröffnet. Einige Monate später sei Cahuzac nach Genf gereist und habe das Konto auf seinen Namen umschreiben lassen.

Als die Schweiz sich 2009 zur Amtshilfe in Fällen ausländischer Steuerbetrüger bereiterklärte, kam Cahuzac laut Le Monde zu dem Schluss, dass die Lage für ihn zu riskant werde. Eine Filiale von Julius Bär sollte daher sein Geld, das auf einem sogenannten Omnibus-Konto des Finanzdienstleisters Reyl & Co. geparkt war, nach Singapur transferieren.

Bank schaltet die Steuerbehörden ein

Auf Omnibus-Konten liegen Guthaben mehrerer Anleger, deren Namen nur das kontoführende Geldinstitut kennt. Julius Bär verlangte daher den Angaben zufolge eine Auskunft über den Eigentümer des Geldes, auch wenn das Bankhaus nicht dazu verpflichtet gewesen wäre. Als dadurch klar wurde, dass es sich um einen Politiker handelte, habe Julius Bär das Dokument der französischen Steuerbehörde angefordert, bevor es das Geld nach Singapur transferierte.

Der vor knapp drei Wochen von seinem Amt als Haushaltsminister zurückgetretene Cahuzac hatte am Dienstag den Besitz eines geheimen Auslandskontos zugeben müssen, nachdem er zuvor monatelang die Öffentlichkeit belogen hatte. Gegen ihn läuft inzwischen ein formelles Ermittlungsverfahren wegen "Geldwäsche im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung". Der Fall stürzte den französischen Staatschef François Hollande und seine Regierung in eine Krise. Hollande hatte im Wahlkampf eine "vorbildliche" Republik versprochen.