BürgerkriegEin Viertel aller Syrer auf der Flucht

Der Krieg in Syrien hat viel mehr Menschen als bisher angenommen in die Flucht getrieben. Drängender wird die Frage, wo die Flüchtlinge untergebracht werden sollen.

Syrische Flüchtlinge in einem provisorischen Flüchtlingslager an der Grenze zur Türkei

Syrische Flüchtlinge in einem provisorischen Flüchtlingslager an der Grenze zur Türkei  |  © Bulent Kilic/AFP/Getty Images

Vor dem Bürgerkrieg in Syrien, der bereits seit zwei Jahren anhält und bei dem inzwischen mehr als 70.000 Menschen getötet worden sind, ist nach neuen Schätzungen der Vereinten Nationen rund ein Viertel der Bevölkerung auf der Flucht. Allein innerhalb des Landes gebe es derzeit rund vier Millionen Flüchtlinge, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR).

Das UNHCR war bislang von rund 2,5 Millionen Flüchtlingen innerhalb Syriens ausgegangen. Doch diese Schätzung, so die Sprecherin, spiegele "die sich schnell entwickelnde Lage nicht mehr wider". Die Vereinten Nationen gingen daher mittlerweile von rund vier Millionen Binnenflüchtlingen aus. Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen Menschen, die angesichts der Gewalt ins Ausland geflohen sind.

Anzeige

Zahlreiche Bürger – vor Beginn der Auseinandersetzungen lebten rund 22,5 Millionen Menschen in Syrien – flüchten nach UNHCR-Angaben nicht nur vor der Gewalt, sondern auch, weil ihnen vielfach die Lebensgrundlage fehlt. Die Flüchtlingsbeauftragte im US-Außenministerium, Kelly Clements, wird konkret: So funktioniere die grundlegende Versorgung vielfach nicht mehr, ebenso wenig wie das Gesundheitssystem; Schulen sind geschlossen.

Flüchtlingsansturm auf Nachbarländer

Problematisch ist auch die stetig steigende Zahl der Menschen, die in die Nachbarländer Syriens fliehen. Der libanesische Präsident Michel Suleiman appellierte an die internationale Gemeinschaft, in Syrien selbst UN-geschützte Hilfscamps zu errichten. Er rief zu einer Krisenkonferenz auf, um die Rahmenbedingungen dafür abzustecken.

Die Lager sollten "innerhalb Syriens, weit von den Konfliktzonen entfernt, von UN-Truppen geschützt und nahe der libanesischen, jordanischen, türkischen und irakischen Grenzen errichtet werden", sagte Suleiman. Darüber hinaus empfahl er, alle neu im Libanon ankommenden Flüchtlinge "auf verbrüderte und befreundete Staaten aufzuteilen".

Zurzeit sind nach UN-Zählung im Libanon mehr als 400.000 syrische Flüchtlinge registriert. "Es werden noch mehr Flüchtlinge kommen. Der Libanon kann das nicht mehr bewältigen", hieß es aus Suleimans Umfeld. Bei der Bewältigung des Flüchtlingsansturms werden die betroffenen Länder von der internationalen Gemeinschaft unterstützt. Jüngst brachten zwei russische Flugzeuge je 40 Tonnen Hilfsgüter wie Stromgeneratoren, Decken und Lebensmittelkonserven in den Libanon und nach Jordanien.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Wir dürfen uns nichts vormachen. Nach all den Massakern zwischen Alawiten, Sunniten, Schiiten, Christen und Kurden ist ein friedliches Zusammenleben in den nächsten Jahren kaum vorstellbar. Jedes Massaker hat unzählige religiöse und familiär bedingte Ehrenmorde zur Folge, so dass die Volksgruppen erstmal voneinander getrennt werden sollten. Das Flüchtlingsproblem kann nicht in den Nachbarländern und Europa Lagern gelöst werden, Syrien muss das Staatsgebiet so teilen, dass die Sunniten untereinander die Probleme lösen und sich reformieren, gleiches gilt für die Alawiten, Schiiten, Christen und Kurden. Das Abschlachten wird solange weitergehen, bis aus Syrien ein zerfallener Staat wie Somalia geworden ist. Ein geteiltes Land vorläufigen Grenzen unter dem Schutz von UN ist dann ggf noch die bessere Alternative. Aber das müssen die Alawiten und Sunniten uva klären, wenn sie nur miteinander reden würden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn ich dies lese:
    http://www.spiegel.de/pol...
    Wo die im Iran trainierten Kaempfer des syrischen ancien regime eindringlich erinnert werden muessen, dass sie fuer Syrien kaempfen sollen und nicht fuer plundern und vergewaltigen trainieren, sehe ich eigentlich kaum noch Hoffnung.
    Anscheinend glauben die Iraner sie wuerden die syrische Regierung und deren Kaempfer unterstuetzen sich gegen einen schrecklichen Feind zu verteidigen. Dass der "schreckliche Feind" bereits die Antwort auf die schrecklichen Methoden des syrischen Regimes ist, scheinen sie nicht sehen zu wollen.
    Wenn sie Ressentiments sich so vertieft haben, sehe ich eigentlich nur noch eine Teilung als moegliche Loesung fuer ein Ende der Kaempfe.
    Kann man einfach sagen aus der Ferne, vielleicht gibt es syrische Stimmen, die anderer Meinung sind, mit fundierterem Wissen ueber die Lage und Stimmung im Land.

  2. Aus den jordanischen "Flüchtlingslagern" erreichen uns schlimme Nachrichten: Kleine Mädchen werden von den Saudis gekauft für eine Nacht "geheiratet" und am nächsten Taqg wieder geschieden. Es scheint als seien die Menschen dort Freiwild für die Financiers der Terroristen (FSA-Schergen).

    Ein Blick auf die "Veranstalter" dieser selbstlosen Rettergesellschaft verleiht sofort Aufschluss: z.B: das IRC (nicht etwa International Red Cross sondern) "International Rescue Comittee" steht unter der Schirmherrschaft von illustren Persönlichkeiten wie: Henry Kissinger, Madeleine Albright, Colin Powell and Condoleezza Rice.

    Sollte das einigen Flüchlingen bei Ihrem Leid nicht helfen, wird wohl auchkaum Trost bei dem Terroristen-Schleuser Erdogan und Angelina Jolie finden, die gemeinsam durch die Lager spazieren.

    Man will fast glauben, dass die NATO ein riesen Umerziehungs-Lager geschaffen hat um sich die notleidenden syrischen Seelen dort zu kaufen.

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber solange ein deutscher Verteidigungsminister den islamistischen Sklavenhalterstaat und Finanzier weltweiten Terrors Saudi-Arabien als "Stützpfeiler der Stabilität in der Region" bezeichnet, können wir wohl keine ernsthafte Kritik aus unseren "unabhängigen" Medien an diesen Machenschaften erwarten.

    Ohne die Rekrutierung und Finanzierung von ausländischen "Gotteskriegern" durch die Golf-Monarchien und die Türkei (unter gütiger Mithilfe der CIA), hätte die Zerstörung Syriens niemals diese Ausmaße angenommen. Aber die deutschen Medien kritisieren nicht die Täter, sondern die Opfer dieser Machenschaften.

  3. daß die Nato und ihre saudis ihre waffenlieferungen und ausbildung für die sog. rebellen einstellen !

    die waffen und die greultaten der sog. rebellen bringen kein frieden !

    9 Leserempfehlungen
  4. In Jordanien waren es bereits vor Wochen ebenfalls 400.000 Flüchtlinge http://www.amman.diplo.de... im Verhältnis zu einer Bevölkerung von 9 Millionen, eine Zivilgesellschaft, die ohnehin belastet ist durch die palästinensischen Flüchtlinge aus Israel/Palästina.

    Eine Innenansicht des größten jordanischen Lager Zaatari mit etwa 60.000 Flüchtlingen http://www.br.de/radio/b5... und einem Lager im Irak, Stichwort Kurden.

    Die Binnenflüchtlinge in Syrien sind noch sehr viel schlimmer dran, weil sie vom UNHCR kaum erreicht werden können.

    Das ist eine *übliche Situation* für Flüchtlinge, auch die Zahlen an Binnenflüchtlingen und solchen in den Nachbarstaaten ist geradezu typisch - das nur an die Kommentatoren, die sicher noch von 'Asylantenflut', 'Wirtschaftsflüchtlingen', 'Scheinasylanten' et al künden werden.

    Die Festung Europa hält sich im Verhältnis zu Kriegsländern wie Syrien und den Anrainerstaaten von Flüchtlingen geradezu frei. Responsibilty to Protect ginge anders, als eine Seite im syrischen Bürgerkrieg bewaffnen oder Syrien höchstselbst noch als Schlachteplatte anrichten zu wollen. Würden die Länder der Welt den Schwerpunkt auf die AEMR und den Schutz der Zivilbevölkerung legen, die Welt wäre ein besserer Ort. Deutschland ist lieber der drittgrößte Waffenexporteur.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Seit 65 Jahren wohlgemerkt. Seit 68 Jahren ist Deutschland durch Millionen schlesische und ost-prußische Flüchtlinge belastet. Die Absurdität ist Ihnen wohl klar.

  5. ...des syrischen Volkes, unter Hauptverantwortung des Gewaltherrschers Assad, darf die Weltgemeinschaft nicht länger zusehen.

    Assad verliert den letzten Rückhalt in der Bevölkerung, er ist das Hindernis, individuell persönlich, das einem Frieden und Wiederaufbau im Wege steht, vgl aktuell diesen Bericht unter anderem bei n-tv.de:

    "Ein weiterer Wertverfall des Pfundes dürfte die Inflation in Syrien weiter anheizen. Die Preise für Lebensmittel und Benzin sind in dem kriegsgebeutelten Land bereits kräftig gestiegen. Ökonomen halten es für möglich, dass die Inflation bald die Höhe von 40 Prozent erreichen kann – und damit die Proteste weiter schürt. Unzufriedenheit über die wirtschaftliche Lage gehörte zu den wichtigsten Triebfedern des Arabischen Frühlings, der viele Staatschefs aus dem Amt fegte.
    Zugleich geht dem Regime ohne Tourismus und Öleinnahmen das Geld aus. Damit läuft Präsident Baschar al-Assad Gefahr, auch die Unterstützung von weiten Teilen der Mittelschicht und von Angestellten und Beamten im aufgeblähten Staatssektor zu verlieren, die ihm noch die Treue halten. In dem Bürgerkrieg haben nach Schätzung der Vereinten Nationen bislang 70.000 Menschen ihr Leben verloren."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    lieber Mitforst.

  6. 2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Exodus und Genozid..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...lieber Mitforist, ganz ohne n-tv.

    http://www.handelsblatt.c...

    mit anderen Worten, die Spatzen pfeifen es von den Dächern, und wer es nicht hören will, oder sehen, der wird nur einseitig informiert, oder legt es darauf an. Es ist wohl Assads Grabgesang, oder der Boarding-Aufruf zum Exil, noch kann er sich das aussuchen.

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie differenziert und verzichten Sie auf Provokation. Danke, die Redaktion/sam

  7. wenn es wollte. 5000 Flüchtlinge war, glaube ich, das letzte Kontingent, das Guido Westerwelle aufnehmen wollte - das ist viel zu wenig.

    Aus einem kleinen Ort, das nun ein neues "Asylhaus" (kein "Asylantenaufnahmelager-Wohncontainer") bekommen hat, und wo auch Syrer wohnen, habe ich nur Gutes vom Zusammenleben mit den Ortsansässigen gehört. Die Menschen sind sehr hilfsbereit, es werden Einladungen zu Ortsfesten ausgesprochen, Küchengeschirr gespendet etc.

    Das Haus ist ein normales Wohnhaus, jede Wohnung hat eigene Küche, Bad, mehrere Zimmer für jeweils eine kleine Gruppe. Freiwillige unterrichten mehrmals die Woche Deutsch.

    Wenn es also schon in einem kleinen Ort kein Problem ist, Flüchtlinge zu integrieren, sollten größere Ort das erst recht schaffen.

    Warum können wir nicht 50.000 weitere Flüchtlinge aufnehmen?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ort in Deutschland?In Berlin jedenfalls nicht,da gibt es nicht mal genug für Wohnungslose.

    ... Flüchtlinge aufnehmen, Deutschland hat nach dem II. Weltkrieg Millionen von Flüchtlingen aufgenommen und integriert.

    Die arabischen Staaten (alle zusammen!) waren und sind nicht fähig, 700.000 Flüchtlinge zu integrieren.

  8. ...lieber Mitforist, ganz ohne n-tv.

    http://www.handelsblatt.c...

    mit anderen Worten, die Spatzen pfeifen es von den Dächern, und wer es nicht hören will, oder sehen, der wird nur einseitig informiert, oder legt es darauf an. Es ist wohl Assads Grabgesang, oder der Boarding-Aufruf zum Exil, noch kann er sich das aussuchen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Bürgerkrieg | Michel Suleiman | Bevölkerung | Syrien | UNHCR | Vereinte Nationen
Service