BürgerkriegBis zu 440 Europäer kämpfen in Syrien

Der Krieg in Syrien zieht Kämpfer aus dem Ausland an. Laut einer Studie stammen allein aus Holland, Belgien, Großbritannien und Frankreich Hunderte.

Screenshot aus einem Propaganda-Video der mit Al-Kaida verbündeten Jabhat al-Nusra, das ausländische Kämpfer in Syrien zeigt

Screenshot aus einem Propaganda-Video der mit Al-Kaida verbündeten Jabhat al-Nusra, das ausländische Kämpfer in Syrien zeigt

Abu Zubair al-Adhri ist eines der aktuellsten Beispiele: Am Montag dieser Woche teilten Kampfgefährten auf einer dschihadistischen Internetseite mit, der junge Mann sei in der syrischen Stadt Idlib ums Leben gekommen. Sie posteten sogar ein Foto seiner Leiche. Abu Zubair, so ließen sie wissen, sei "einer der Löwen" der mit Al-Kaida verbündeten Organisation Jabhat al-Nusra gewesen.

Seit Beginn des Bürgerkrieges vor über zwei Jahren und mittlerweile beinahe täglich veröffentlichen islamistische Webseiten solche und ähnliche Nachrichten über Kämpfer, die auf den Schlachtfeldern Syriens ums Leben gekommen sind. Sie verherrlichen sie zumeist als "Märtyrer", die Botschaft ihres Todes wird als "frohe Kunde" verkauft, ihr Beispiel anderen zur Nachahmung empfohlen.

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Diese Publikationen dienen also der Propaganda. Zugleich aber sind sie wertvolle Informationsschnipsel, um einen Einblick in die Zusammensetzung der militanten Gruppen in Syrien zu gewinnen. Denn zum einen sind die veröffentlichten Daten erstaunlich oft korrekt – das hatte sich zwischen 2003 und 2008 schon im Irak gezeigt und ist im Falle Syriens ebenfalls vielfach bestätigt worden. Und zum anderen lassen sich aus den digitalen Nachrufen Trends herauslesen. Abu Zubair al-Adhri beispielsweise stammte aus Aserbaidschan – er war also einer von schätzungsweise 2.000 bis 5.500 sogenannten Foreign Fighters, die den Bürgerkrieg in Syrien zu ihrem eigenen Anliegen gemacht haben.

Nicht alle dieser Foreign Fighters landen – wie Abu Zubair al-Adhri – bei den Kaida-Verbündeten von Jabhat al-Nusra. Viele Freiwillige haben sich auch der eher säkular geprägten Freien Syrischen Armee (FSA) oder verschiedenen teils rein lokal orientierten Gruppierungen angeschlossen.

Europäer stellen sieben bis elf Prozent der ausländischen Kämpfer

Nun gibt es erstmals eine Studie, die sich intensiv mit den aus Europa angereisten Foreign Fighters in Syrien auseinandersetzt. Weil sie eine Vielzahl arabischer und europäischer Pressemeldungen, darüber hinaus aber auch dschihadistische Webseiten ausgewertet hat, ist es die erste Untersuchung, die über reine Schätzwerte hinauskommt. Exakte Daten gibt es trotzdem nicht einmal näherungsweise. Aber präzisere Eingrenzungen sind im Moment nirgends zu haben.

Autor der Studie, die das International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR) des Londoner King's College heute veröffentlicht, ist der US-Terrorexperte Aaron Zelin vom Washington Institute for Near East Policy, der seit Jahren Daten dieser Art sammelt und aufbereitet. Das wichtigste Ergebnis lautet: Zwischen 140 und 600 Kämpfer aus europäischen Staaten sind in den vergangenen 15 Monaten nach Syrien eingereist. Ihr Anteil an den Foreign Fighters liegt damit zwischen sieben und elf Prozent.

Was die Länder angeht, aus denen sie nach Syrien gekommen sind, gibt es klare Schwerpunkte: Allein aus den Niederlanden könnten bis zu 105 Kämpfer stammen, aus Großbritannien zwischen 28 und 134; aus Belgien zwischen 14 und 85; aus Frankreich zwischen 30 und 92. Die niedrigeren Werte sind jeweils bestätigte Fälle oder konservative Schätzungen, die höheren enthalten "generalisierte Aussagen sowie Schätzungen von Regierungen und Medien". Bis zu 440 dieser Kämpfer könnten sich laut der Studie derzeit noch in Syrien aufhalten. Die übrigen sind entweder gestorben oder wieder ausgereist.

Leser-Kommentare
  1. "Früher stand Alkaida befreundet zum Regime das sollte man auch bedenken, heute ist das nicht mehr so."

    Holen sie tief Luft und lesen Sie diesen Satz laut.

    Kann aber auch sein, dass ich die Ironie nicht verstehe.
    Als die USA, als weiteren Kriegsgrund gegen den Irak, die "Freundschaft Saddam Husseins mit Usama bin Ladin" aufführte, wäre ich um ein Haar an meinem Lachen erstickt.

  2. "Die Vergleiche zu Afghanistan sind schlicht auch etwas Falsch, da dort eher die Geopolitische Komponente zusammengestoßen ist und wenn es um die Ungläubigen geht, so gelten ja die Russen sogar in Deutschland als ungläubig. In Syrien geht es nicht um die geopolitische Komponente sondern um Freiheit und Demokratie"

    1. Es geht darum, Waffen nicht an Gruppen zu proliferieren, die man nicht langfristig kontrollieren kann. Der Verbündete von Gestern ist der Feind von Morgen, gerade bei einem fundamentalen Ideologiekonflikt wie dem USA - al Kaida. Nur mal als Beispiel: Einige der modernsten Kampfflugzeuge über die der Iran verfügt, sind US-Modelle, die vor der Islamischen Revolution geliefert wurden.

    2. Die Russen sind orthodoxe Christen, die sind für einen radikalen Moslem nicht "mehr ungläubig" als katholischer Christ.

    3. Und für Islamisten geht es nicht um Geopolitik? Ist es nicht deren Endziel, dass jeder Erdenbürger Moslem wird?

    4. Al-Kaida KANN nicht mit den USA zusammarbeiten, weil sie damit ihre ideologische Existenzgrundlage verlieren würde. Wie sollen denn da die Chefs begründen, dass sie mit dem "großen Teufel", der in jeder Hetzpredigt in die Hölle gewünscht wird, plötzlich zusammen arbeiten wollen? Könnte sein, dass die Bewerberzahlen für Selbstmordattentäter dann sehr schnell zurückgehen...

    5. Und sie glauben al-Kaida/al-Nusra usw. kämpfen für DEMOKRATIE und FREIHEIT, nur weil sie gegen Assad sind? Da nochmal drüber nachdenken...

    3 Leser-Empfehlungen
  3. Bot frieden mit Alkaida an, ich denke das könnte man annehmen.

    Die Al-Nusra hat Verbindungen ja, doch ich glaube, das die Islamisten gerade in Syrien der syrischen Sache dienen, selbst wenn einzelne die alte Laier von Scharia und Gottesstaat abziehen, scheint Verständnis für Demokratie und gewisse Freiheiten groß zu sein, islamisten Kämpfen nuneinmal in der Regel nun für eine gerechte Sache. Kleine vereinzelte Kämpfe unter der Opposition wird man vielleicht nicht völlig verhindern können, da sie einfach sehr zersplittert ist, doch im Grunde denke ich das es nach dem Sturz Assad vorbei ist und ein NATO eingreifen die Opposition einen und beschleunigen würde, Assads Propaganda von den Islamischen Heilsbringern die selbst keine Demokratie haben wie Saudi Arabien und Katar würde nicht mehr ziehen und es wäre klar, das die Nato Syrien nicht in einen Gottesstaat wünscht, was nun einmal für die Armee ein driftiger Grund ist nicht mit Assad zu brechen und schlicht weil es ihnen auf Oppositionsseite ohne westliche Untersützung noch dreckiger als jetzt gehen würde.

    Antwort auf "Korrektur"
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    Bot frieden mit Alkaida an, ich denke das könnte man annehmen."

    Sie meinen wohl das Vermittlungsangebot Mohammed al-Zawahiris zwischen USA und al Qaida?
    Nein, das kann man nicht annehmen. http://edition.cnn.com/20...

    Bot frieden mit Alkaida an, ich denke das könnte man annehmen."

    Sie meinen wohl das Vermittlungsangebot Mohammed al-Zawahiris zwischen USA und al Qaida?
    Nein, das kann man nicht annehmen. http://edition.cnn.com/20...

  4. Bot frieden mit Alkaida an, ich denke das könnte man annehmen."

    Sie meinen wohl das Vermittlungsangebot Mohammed al-Zawahiris zwischen USA und al Qaida?
    Nein, das kann man nicht annehmen. http://edition.cnn.com/20...

    2 Leser-Empfehlungen
  5. Da sie keine "Demonstranten" in Syrien waren, müssen es ja "Deserteure" sein.

    Sind die auch aus der Bundeswehr desertiert? Oder haben die einen speziellen Auftrag? Die US-Amerikaner arbeiten so in Krisengebieten. Es werden spezialisierte Soldaten in angeblich zivilen Gesellschaften der US-Geheimdienste ausgegliedert und führen dann die Attentate durch (oder lassen sie durchführen), die dann zu einem Bürgerkrieg führen sollen.

    Seit Jahrzehnten ein übliches Szenario der US-Aussenpolitik.

    2 Leser-Empfehlungen
  6. "7000€ für ein iPhone -Das wohl teuerste Handy Deutschlands"

    Deutsche Salafisten (Konvertiten und Migrationsstämmige) lösen mit großer Begeisterung ihre Ersparnisse für allerlei Syrien-Projekte auf.

    http://www.youtube.com/wa...

    Bekannte Gesichter aus der Salafistenszene suchen sich beim bieten drei- bis vierstellig zu übertreffen. Die Ästhetik der Gesichtslosigkeit auf dem Plakat über dem Podium signalisiert dabei den allgemeinen Stand der Integration in die Europäische Zivilisation.

    Bei Min. 1.52 versucht ein Konvertit offensichtlich mit dem Zwischenruf: "Ich weiß, wo der wohnt !" Islamophoben Klischee-Standards auf seine Art gerecht zu werden.

    Man hat es anscheinend nicht mit armen Leuten zu tun, die auf klandestin-amtliche Mittel-Umleitungen im Stile der Iran-Contra-Affaire angewiesen wären.

    4 Leser-Empfehlungen
  7. 1. Sie versuchen irgendein Beweis aus dem Finger zu saugen. Dabei ignorieren Sie (oder wissen einfach nicht?) die Tatsache, dass solche NGO´s, die von fremden Regierungen finanziert werden, in USA ebenfalls verboten sind.
    2. USA und Saudi´s sind engsten Verbündeten. Die Menschenrechte dort werden hingenommen und toleriert.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Aber anscheinend außer Pussi´s, Chodorkowski und NGO´s haben Sie nicht viel zu Thema Russland zu berichten. Dann viel Spaß beim Ausblenden...

    Antwort auf "Möchten Sie "

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