Thatcher-Würdigung : "Naturgewalt" und "politisches Phänomen"

Weltweit zollen Politiker der verstorbenen Ex-Premierministerin Thatcher Respekt. "Sie hat unser Land nicht nur geführt, sie hat es gerettet", sagte David Cameron.
Die damalige Premierministerin Margaret Thatcher bei einer Rede 1981 in Eastbourne © Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Die verstorbene frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher ist weltweit als große Politikerin gewürdigt worden. Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete Thatcher als "eine der überragenden Führungspersönlichkeiten der Weltpolitik ihrer Zeit". Sie habe früh die Kraft der Freiheitsbewegungen Osteuropas erkannt und sich für sie eingesetzt. Zudem sei sie auch als Vorbild wichtig gewesen. "Indem sie sich zu Zeiten, als dies noch nicht selbstverständlich war, als Frau im höchsten demokratischen Amt behauptete, hat sie vielen nach ihr ein Beispiel gegeben."

Thatcher habe Großbritannien, Europa und die ganze Welt geprägt, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Sie zähle zu den wenigen Menschen, bei denen man schon zu Lebzeiten gewusst habe, dass sie große Geschichte geschrieben haben. "Wir schauen voller Bewunderung auf ihr Lebenswerk."

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl zollte ihr trotz aller politischen Differenzen großen Respekt. "Margaret Thatcher und Helmut Kohl – das war immer auch ein besonderes Verhältnis, es war immer auch ein Wechselbad der Gefühle", schrieb Kohl in einer Mitteilung. "Und trotz allen unterschiedlichen Auffassungen in manchen Sachfragen war es bis zuletzt aber vor allem ein respektvoller Umgang miteinander." Er habe Thatcher "wegen ihrer Freiheitsliebe, ihrer unvergleichlichen Offenheit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit sehr geschätzt", so Kohl. "Sie war eine aufrechte Kämpferin und Vertreterin der Interessen ihres Landes." Er verneige sich "mit stillem Gruß und in tiefem Respekt" vor der britischen Politikerin.

Das Verhältnis der Regierungschefs Kohl und Thatcher war über Jahre hinweg von Spannungen geprägt. Sie vertraten unterschiedliche Auffassungen etwa in der Europapolitik und bei der deutschen Vereinigung 1990.

"Sie hat unser Land gerettet"

In Großbritannien war die Anteilnahme unter konservativen Politikern besonders groß. "Wir haben eine große Führerin verloren, eine große Premierministerin und eine große Britin", teilte Premierminister David Cameron mit. "Lady Thatcher hat unser Land nicht nur geführt, sie hat es gerettet." Der konservative Londoner Bürgermeister Boris Johnson sagte: "An sie wird man sich noch lange erinnern, wenn die Welt die grauen Anzüge der Politik von heute schon vergessen hat."

Thatchers Nachfolger als Premier, John Major, bezeichnete sie als "Naturgewalt" und "politisches Phänomen". Ihre Wirtschafts- und Gewerkschaftsreformen sowie ihr Einsatz für die Falklandinseln stellten sie über die normale Politik. "Alle, die mit ihr zusammengearbeitet haben, werden sich immer an ihre herausragenden Charakteristiken erinnern: ihren Mut und ihre Willenskraft in der Politik, ihre Menschlichkeit und geistige Großzügigkeit im Privaten."

Der stellvertretende liberale britische Regierungschef Nick Clegg würdigte Thatcher als "eine der bestimmenden Figuren der modernen britischen Politik". Egal, auf welcher Seite der politischen Debatte man stehe: Niemand könne der Tatsache widersprechen, dass sie in dem Land, dem sie gedient habe, einen einzigartigen und bleibenden Eindruck hinterlassen habe. "Sie mag während ihrer Zeit in der Politik geteilte Meinungen ausgelöst haben, aber heute sind wir alle darin vereinigt, die Stärke ihrer Persönlichkeit und den Radikalismus ihrer Politik zu würdigen."

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