Maggie Thatcher"Der billigste Anbieter sollte ihre Beerdigung ausrichten"

Nicht alle Menschen in Großbritannien trauern um Margaret Thatcher. Viele verspotten die Eiserne Lady posthum und feiern ihren Tod.

In Brixton wird der Tod Margaret Thatchers gefeiert

In Brixton wird der Tod Margaret Thatchers gefeiert  |  © Olivia Harris/Reuters

Die Nachricht vom Tod Margaret Thatchers reizt viele Briten zum Spott. Im Londoner Stadtteil Brixton, in dem es in den 1980er Jahren gewaltsame Ausschreitungen gegen die Regierung Thatchers gab, feierten sogar etwa 200 Menschen. "Die Hexe ist tot", war auf Plakaten und T-Shirts zu lesen, die Trauer um die frühere Premierministerin hielt sich in Grenzen.

Spott kam auch aus der britischen Kunstszene, unter anderem vom linken Regisseur Ken Loach. Er schrieb: "Der billigste Anbieter sollte ihre Beerdigung ausrichten. Das hätte sie so gewollt." Auch der Sänger Morrissey weint der "Eisernen Lady" keine Träne nach: "Thatcher war eine Qual, ohne ein Quentchen an Menschlichkeit."

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Über den Twitter-Hashtag #nowthatchersdead zeigten bis zum Dienstagmorgen etwa 4.000 Menschen, was sie von der ehemaligen Premierministerin halten. Auf der Website haben Aktivisten einen Soundtrack veröffentlicht, auch Infos über die nächsten Thatcher-Partys sind zu finden.

 

Der Hashtag hatte bereits am Dienstag in sozialen Netzwerken zu einem Missverständnis geführt: Viele hatten unter nowthatchersdead den Namen (That-) Cher gelesen und den Tod der Sängerin beklagt. Besonders Kreative spielten mit der Verwechslung.

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Leserkommentare
  1. Eigentlich müsste der gesamte Artikel doch aus genau denselben "Pietätsgründen", aus denen man hier auf ZO so fleißig die Kommentare zensierte, zensiert werden...

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    Ich sehe schon einen neuen inoffiziellen Feiertag in Großbritannien aufziehen. In ein paar Jahren boomt dann der Partytourismus zu Thatchers Todestag.

    nicht Meinungskundgebungen von virtuellen Nicks im Cyberspace.
    Ersteres ist journalistisch relevant, letzteres nur im Rahmen der Netiquette der Plattform Zeit-Online.

    Im Prinzip ist es daher vollkommen sinnlos, was wir als Kommentatoren hier machen, denn das journalistisch relevante Ereignis an sich wird nur von realen, sicht- und identifizierbaren Menschen erzeugt, die ihre Meinung auf der Strasse kundtun, und damit bewusst auch mögliche reale Sanktionen in Kauf nehmen. Genau daraus legitimiert sich die Relevanz und das journalistische Interesse daran.

    Aber dennoch auch interessant zu sehen, wie schnell der Ruf nach Zensur erschallt, wenn die Nachricht missfällt.

    • vyras
    • 11. April 2013 12:04 Uhr

    "Eigentlich müsste der gesamte Artikel doch aus genau denselben "Pietätsgründen", aus denen man hier auf ZO so fleißig die Kommentare zensierte, zensiert werden..."

    Finde ich überhaupt nicht, darüber nicht zu berichten, würde die Tatsachen verfälschen. Ich muss schon genügend Elogen lesen auf Frau Thatcher, was für eine große Leistung sie angeblich vollbracht habe usw.. An diesen "Feiern" wird deutlich, dass diese Frau das Land langfristig tief gespalten hat, in Habenichste und diejenigen, die profitieren.

    Ich bin sicher, die Ablehnung dessen, was Frau Thatcher gemacht hat, ist sehr weit verbreitet in der britischen Bevölkerung. Nur zeigen es nicht alle so offen wie die Partygänger. Über den Klee gelobt wird sie vorwiegend von denen, die Einfluß auf die veröffentlichte Meinung haben.

  2. Den Tod von Menschen zu feiern finde ich ein wenig unangebracht. Aber es bringt doch zum Ausdruck, wie tief die Spaltung, wie groß die Armut und wie gering die Aufstiegsperspektiven in der britischen Gesellschaft sind, die Thatcher hinterlassen hat. Es ist wohl ein Stück weit Ironie der Geschichte, dass Thatcher mit ihrer brutalen Marktpolitik aus England (wieder) eine Klassengesellschaft gemacht hat.

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    Es ist interessant, bei welchen Verstorbenen von den Zensoren Pietät angemahnt wird, und bei welchen nicht -- und welche (unausgesprochenen) Kriterien dafür gelten.

    Osama bin Laden? Saddam? Gaddhafi?

    • Karl63
    • 09. April 2013 12:43 Uhr

    einfach wegen der Deutschen Geschichte zwischen 1933 - 1945. Es fing mit übelster Hetze an und endete damit, dass Menschen getötet und verbrannt wurden. Ein respektvoller Umgang mit dem Tod hat für uns auch etwas mit der Aufarbeitung dieses Abschnitts unserer Geschichte zu tun.
    Großbritannien gilt als die "Wiege" der Industrialisierung hier in Europa. Was unter Thatcher begonnen hat war quasi der Beginn der De-Industrialisierung Großbritanniens. Dessen wirtschaftliche und soziale Folgen haben die Briten bis heute nicht überwunden. Offensichtlich lässt sich eine ganze Volkswirtschaft nicht auf die Dauer nur über Bankgeschäfte am Laufen halten.
    Wir wissen heute, Privatisierung ist kein "Allheilmittel" sondern schafft im ungünstigsten Fall ganz neue Probleme.

    Entfernt. Bitten verzichten Sie auf Pauschalisierungen und Beleidungen. Danke, die Redaktion/jk

    Soviel Auf- und Abstieg wie unter Thatcher gab es vorher und nachher nicht in GB. Thatchers Liberalismus sprengte geradezu die Klassengrenzen. Bedauerlich, dass die Nachfolger da nicht weitergemacht haben. Es gibt bestimmt viel Kritikwürdiges in Thatchers Politik - etwa manche übertriebene Privatisierung oder diese absurde Poll-Tax. Dass aber Leute aus einfachsten Verhältnissen überhaupt eine Chance bekamen, nach oben zu kommen, das sollte man ihr hoch anrechnen.

    Der Tod wird ständig gefeiert - nämlich bei der Trauerfeier!

    Motto: Endlich hat er/sie es geschafft, hätte ich das doch auch schon hinter mir, oder?

    Thatchers Erbe - hoffentlich ist noch so viel vorhanden, dass wenigstens die Erben sich ihrer gern erinnern.

  3. ... ist nur wenigen ersichtlich.

    Die Menschen, die unter dem Druck ihrer gnadenlosen Politik mitansehen mußten, wie sie das Land demontierte, vermögen keinen Ruhm darin zu sehen.

    BTW - mein Thatcher-Lieblingsspruch ist derzeit: "Hell is now being privatised!"

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  4. Auch auf Facebook unter meinen - sonst eigentlich immer sehr unpolitischen - virtuellen "Freunden" macht dieses postume Iron-Lady-Bashing die Runde. Soviel Häme war seit Wulff und Schavan nicht in meinem "Freundeskreis" zu spüren. Selbst wenn man davon ausgeht, dass mit der Iron Lady verborgene persönlich-politische Ressentiments verbunden waren/sind, hat interessanterweise noch nicht einmal der Film über sie so etwas ausgelöst. Es wirkt fast wie eine Befreiung. Seltsam, seltsam....

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    Allerdings hat Thatcher mit ihrer Verachtung für jeden, der nicht so dachte wie sie, diese Häme selbst gesät. Unter ihrem politischen Vermächtnis haben die Briten bis heute zu leiden - und das verzeihen sie ihr nicht. Zu Recht.

    Der Guardian hat es in seinem Editorial sehr treffend auf den Punkt gebracht:
    "Her legacy is of public division, private selfishness and a cult of greed, which together shackle far more of the human spirit than they ever set free."

    http://www.guardian.co.uk...

  5. Es ist interessant, bei welchen Verstorbenen von den Zensoren Pietät angemahnt wird, und bei welchen nicht -- und welche (unausgesprochenen) Kriterien dafür gelten.

    Osama bin Laden? Saddam? Gaddhafi?

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    Antwort auf "Thatchers Erbe"
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    "Es ist interessant, bei welchen Verstorbenen von den Zensoren Pietät angemahnt wird, und bei welchen nicht -- und welche (unausgesprochenen) Kriterien dafür gelten.

    Osama bin Laden? Saddam? Gaddhafi?"

    ...man könnte noch Hugo Chávez hinzufügen. Auch dort fand ich die Scherze in Internet und Facebook unangebracht. Ich finde es einfach nicht in Ordnung, sich über den Tod von Menschen lustig zu machen. Ich hoffe aber, dass Thatcher ihren Platz in den Geschichtsbüchern bekommt - als diejenige, die die britische Gesellschaft zerstört hat und mithalf, den finanzgetriebenen Kap. zu etablieren.

    Entfernt. Bitte kehren Sie zur Diskussion des konkreten Artikelinhalts zurück. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jp

    dass man über Tote nichts schlechtes sagen soll. Es geht darum, dass es wirklich abgrundtief unanständig ist, den Tod eines Menschen zu feiern, egal ob es Bin Laden, Arafat, Chavez oder auch Hitler ist. Wer den Tod eines Menschen bejubelt, sollte sich schämen.

  6. Witch ist Hexe. Bitch ist etwas deftiger..

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    hätte man sie schlicht als "cunt" bezeichnet. In diesem Zusammenhang ist das durchaus richtig übersetzt, kommt die deutsche Bezeichnung "Hexe" der Kategorie "spiteful or unpleasant woman" (Oxford Dictionary) doch am nächsten.

    Fotostrecke Bild 5 von 8

    "Bitch ist etwas deftiger."

    Nur, wenn man die Übersetzung auf den kontinentaleuropäischen Jugendslang reduziert.

    Tatsächlich reicht die Bedeutung aber von Luder, Aas oder Biest bis hin zu Weibsstück oder Zimtzicke.

    • brazzy
    • 09. April 2013 13:59 Uhr

    "The witch is dead" ist vor allem ein Zitat aus "Der Zauberer von Oz" (und als solches auch vollständig in der Bildstrecke zu finden). Die Variante mit dem B ist trotzdem noch eine Anspielung darauf.

    • hladik
    • 09. April 2013 12:36 Uhr

    Da die Folgen ihrer menschenfeindlichen Politik das Land und die Menschen immer noch belasten, warum sollte der Protest mit ihrem Tod aufhoeren? Sie ist ja selbst auch nicht nur im bildlichen Sinne ueber Leichen gegangen.

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  7. Wer hat den Pietät dabei bessessen, die Armen noch ärmer zu machen?
    Was macht die Pietät, wenn der Thatcherherrschaft ihr sich etliche Menschen aus Verzweiflung das Leben genommen haben?
    Wo ist die Pietät, wenn Leute aus den Firmen geschmissen wurden?

    Es ist keine Schande, einen Teufel in Menschengestalt auch so zu benennen. "Noch" gehörten auch solche Äußerungen zur Demokratie und die "Freunde" der "Eisernen" werden dies wohl zähneknrischend aushalten müssen.

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    Süß. Frau Thatcher wurde dreimal gewählt, sie fiel nicht vom Himmel.

    Thatcher hat das Vorexerziert, was Gazprom Schröder später seine "Agenda 2010" nannte.
    Die Grundlage zur Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich.

    ... dass Thatcher unter fortschreitender Demenz litt, dann denke ich, dass man erst recht auf Spott und Häme verzichten sollte.
    Schließlich handeln diese Feiernden nun selbst so, wie sie es Thatcher ja vorwerfen: mit einem totalen Mangel an Menschlichkeit.

    Grundsätzlich verbieten sich Pietätlosigkeiten bei dem Tod demokratisch gewählter Politiker, die keine Gesetze gebrochen oder Verbrechen begangen haben.

    Und wie wäre eigentlich Ihre Meinung, wenn Oskar Lafontaine dahin scheidet?

    Ich verabscheue diesen Mann, seine Politik und seine Weltanschauung. DER ist für mich der Teufel und seine Hetzreden und Umverteilungsorgien sind m.E. abscheulich. Doch auch wenn ich froh wäre nix mehr von ihm zu hören, würde ich mich nicht über seinen Tod freuen, schon gar nicht öffentlich!

    Über Konservative oder Liberale darf man also schlecht reden, aber ich will nicht wissen was los wäre, wenn ich mit einem Schild "Juhu, der Oskar ist tot" durch die Stadt gehe und Champagner trinke.

    Die gezeigten Bilder sind beschämend und solche Leute sind einfach nur abstoßend.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, sk, leo
  • Schlagworte Ken Loach | Premierminister | Regisseur | Sänger | Margaret Thatcher | Großbritannien
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