Einwanderungsland USA : "Die Zahl muslimischer Zuwanderer wird zurückgehen"

Die USA müssen nicht alle Einwanderer gleich behandeln, sagt Immigrationsexperte Peter Skerry im Interview. Nach den Boston-Anschlägen werde es für Muslime schwerer.
Ein Muslim in einem Bus in New York: Für Anhänger des Islams könnte das Klima in den USA schlechter werden. © Eduardo Munoz/Reuters

ZEIT ONLINE: Die Attentäter von Boston waren keine Extremisten, die von außen kamen. Es waren junge Männer, die in den USA aufgewachsen sind. Was heißt das für Amerika und seine Einwanderer?

Peter Skerry: Der Immigrationshintergrund der beiden spielt in diesem Fall meines Erachtens eine erhebliche Rolle. Assimilierung ist ein schwieriger Prozess. In der Immigrationsdebatte wird gerne übersehen, wie schwierig die Anpassung an eine fremde Gesellschaft ist. Das gilt selbst für Amerika mit seiner doch vergleichsweise offenen Gesellschaft.

ZEIT ONLINE: Was macht es so schwierig?

Skerry: Wenn Jugendliche mit ihren Eltern in die USA kommen, finden sie sich in der Regel schneller und besser in dem neuen Umfeld zurecht als diese. Oft brauchen die Eltern die Hilfe ihrer Kinder. Das stellt die natürliche Ordnung in der Familie auf den Kopf. Die Jungen suchen nach anderen Autoritäten – ein Grund dafür, dass so viele Immigrantenkinder in Gangs landen.

Peter Skerry

ist Professor für Politikwissenschaften am Boston College. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Einwanderungsdebatte und dem Status von Muslimen in den USA verfasst.

ZEIT ONLINE: Die beiden Brüder scheinen allerdings in der eigenen Familie wenig Akzeptanz gefunden zu haben.

Skerry: Es war interessant zu beobachten, wie sich der Onkel der beiden von seinen Neffen distanzierte. Er bezeichnete sie als Loser. Das ist ein sehr altes Muster. Einwanderer hier in den USA sehen sich oft untereinander in einem Wettbewerb. Auf der einen Seite die Neubürger, die erfolgreich nach den amerikanischen Regeln leben, und auf der anderen Seite die Unangepassten, die es nicht schaffen, dazu zu gehören.

ZEIT ONLINE: Anders als in Europa gibt es in den USA so gut wie keine Programme, die Immigranten bei der Integration helfen. Ist das nicht Teil des Problems?

Skerry: Es sollte mehr solcher Programme geben. Vor allem Sprachunterricht. Da tun wir definitiv zu wenig. Aber ich bezweifle, dass die meisten Amerikaner Integrationshilfe für eine notwendige oder richtige Maßnahme halten. Es ist Teil des amerikanischen Individualismus, jeder soll leben dürfen, wie er das für richtig hält. Wir halten insgesamt nicht viel von staatlichen Eingriffen.

ZEIT ONLINE: Der Anschlag von Boston kommt nach den tödlichen Schüssen von Newtown, bei denen ein junger Mann 20 Grundschüler und sechs Lehrer tötete, er kommt nach der Schießerei in dem Kino in Aurora, Colorado, bei der zwölf Menschen ums Leben kamen, nach dem Überfall auf einen Sikh-Tempel in Wisconsin. Sind die beiden Brüder nicht eher das jüngste Beispiel dieser anderen Art von Gewalt?

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Kommentare

104 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Der Vergleicht hinkt

Wie schon ihr erster Vergleich mit den bevorzugten Berufsgruppen bei der Greencard vergabe.
Die Kategorien die sei beschreiben unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt. Ich kann mich dazu entscheiden ordentlich, zahlungswillig usw. zu sein ich kann mich aber nicht entscheiden ob ich Muslim bin oder nicht, zumindest was meinen Kulturellen Ursprung betrifft, nach Berufsgruppen zu sondieren ist mE auch keine Diskriminierung.

Das Grundgesetz der BRD gilt nur für die BRD und nicht für

die ganze Welt oder jeden, der hier an die Tür klopft.
Ihr Zitat:

"Irgendwie sehe ich, daß der Grundsatz "vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich" in ein anderes Axiom verwandelt wird das niemals funktionieren , sondern zu Krieg und gewaltsamen Auseinandersetzungen führen wird."

Wer schreit nach Krieg und gewaltsamen Auseinandersetzungen?
Ganz sicher kein Deutscher Bürger, wir wollen keinen Krieg.
[...]

Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/fk.

Das Grundgesetz der BRD gilt nur für die BRD und nicht für

die ganze Welt oder jeden, der hier an die Tür klopft.
Ihr Zitat:

"Irgendwie sehe ich, daß der Grundsatz "vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich" in ein anderes Axiom verwandelt wird das niemals funktionieren , sondern zu Krieg und gewaltsamen Auseinandersetzungen führen wird."

Wer schreit nach Krieg und gewaltsamen Auseinandersetzungen?
Ganz sicher kein Deutscher Bürger, wir wollen keinen Krieg.
[...]

Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/fk.