US-Verteidigungsminister Chuck Hagel © Saul Loeb/AFP/Getty Images

Nordkorea bewegt sich nach den Worten von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel nach zahlreichen Angriffsdrohungen "sehr nahe an einer gefährlichen Linie". "Ihre Taten und ihre Worte haben nicht geholfen, eine entflammbare Situation zu entschärfen", sagte der Pentagon-Chef am Mittwoch. Die USA hofften weiterhin, dass das Regime von Kim Jong Un von der kriegerischen Rhetorik Abstand nehme. Falls nicht, sei Amerika vorbereitet, auf jede Eventualität zu reagieren.

Nach Einschätzung des südkoreanischen Militärs bereitet sich Nordkorea möglicherweise auf den Abschuss mehrerer Raketen zur gleichen Zeit vor. Die nordkoreanischen Streitkräfte hätten entlang der Ostküste mehrere mobile Startrampen aufgestellt. Das berichtete der Rundfunksender KBS unter Berufung auf Militärs.

Neben einer oder zwei Mittelstreckenraketen könnten in Nordkorea Scud-Raketen mit Reichweiten von 300 bis 500 Kilometern und Nodong-Raketen abgefeuert werden, die über 1.300 Kilometer weit fliegen. Zudem gebe es Anzeichen, dass mindestens eine Musudan-Mittelstreckenrakete mit einer geschätzten Reichweite von 3.000 bis 4.000 Kilometern betankt worden sei. Eine Rakete dieses Typs gilt als ungetestet.

USA und Südkorea sehen "kritische Bedrohung"

Ein solcher Schritt Nordkoreas wäre eine Eskalation in der ohnehin stark angespannten Situation auf der koreanischen Halbinsel. Die südkoreanischen und die US-Streitkräfte sind bereits in erhöhter Alarmbereitschaft. Die USA hat auch eine leistungsfähige Radaranlage in Stellung gebracht, teilte ein Mitarbeiter des Pentagon mit. Der Kommandeur der US-Streitkräfte im Pazifik, Admiral Samuel Locklear, bestätigte, Nordkorea habe mindestens eine Mittelstreckenrakete des Typs Musudan an die Ostküste des Landes verlegt. Die Rakete könnte theoretisch die US-Pazifikinsel Guam, jedoch nicht das amerikanische Festland treffen, sagte Locklear dem Streitkräfteausschuss des Senats am Dienstag.

Die USA würden die Rakete notfalls "zur Verteidigung der Heimat" und der Alliierten abfangen. Von einem solchen Schritt riet der Admiral jedoch für den Fall ab, dass die Rakete auf kein bestimmtes Ziel gerichtet sei. Locklear bezeichnete den Test von Langstreckenraketen und Nuklearwaffen durch das kommunistische Nordkorea als Bedrohung für die nationale Sicherheit Amerikas sowie für Frieden und Stabilität in der gesamten Region.

UN sind alarmiert

Der südkoreanische Außenminister Yun Byung Se warnte Nordkorea vor den Folgen eines Raketentests. Der UN-Sicherheitsrat würde sofort zusammentreten. Nordkorea sind solche Starts unter Nutzung ballistischer Technologie nach UN-Resolutionen untersagt.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als extrem gespannt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischen Militärmanövern den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt, den USA einen atomaren Präventivschlag angedroht und den Kriegszustand mit Südkorea ausgerufen.