Die USA testen in Kalifornien im Februar eine Atlas-V-Rakete. © Gene Belvins/Reuters

Angesichts der Spannungen mit Nordkorea haben die USA einen in Kalifornien geplanten Raketentest verschoben. Der eigentlich für die kommende Woche angesetzte Test einer Interkontinentalrakete werde auf kommenden Monat verschoben, sagte in Washington ein Vertreter des Verteidigungsministeriums. Dadurch solle verhindert werden, dass der Test in der derzeitigen angespannten Lage von Nordkorea missverstanden werde.

Eigentlich habe die ballistische Interkontinentalrakete vom Typ Minuteman 3 in der kommenden Woche auf dem Vandenberg-Luftwaffenstützpunkt im US-Bundesstaat Kalifornien getestet werden sollen. Nun werde der Test erst im kommenden Monat stattfinden, einen genauen Termin gebe es noch nicht.

Die Verschiebung des Raketentests sei von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel angeordnet worden, sagte der Ministeriumsvertreter. Grund für die Entscheidung Hagels seien Befürchtungen, dass der Test "als Zeichen missverstanden werden könnte, dass wir die gegenwärtige Krise mit Nordkorea verschärfen wollen", sagte der Vertreter des Verteidigungsministeriums. "Wir wollen Fehlinterpretationen oder Manipulationen verhindern."

USA schließen weiteren Raketentest Nordkoreas nicht aus

Washington schließt dagegen einen erneuten Raketenstart der Nordkoreaner nicht aus. "Wir wären nicht überrascht, wenn wir eine solche Aktion sehen würden", sagte Regierungssprecher Jay Carney. Ein solcher Schritt würde zur kriegerischen Rhetorik des Regimes passen.

Nordkoreas Militär hatte nach südkoreanischen Angaben am Freitag eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes verlegt. Die Raketen haben eine Reichweite von bis zu 4.000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. Nach japanischen Berichten erwägt das US-Militär angesichts der angespannten Lage die Stationierung einer Aufklärungsdrohne in der Krisenregion. Der unbemannte Flugkörper vom Typ Global Hawk, der in großer Höhe operieren kann, solle auf einem US-Stützpunkt in Japan stationiert werden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Schon vor rund drei Wochen ordnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un eine Steigerung der Produktion von Artilleriegeschützen und Granaten an. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap geht dies aus einer am Samstag vom nordkoreanischen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentation hervor, die den Diktator Mitte März bei einem Treffen mit Arbeitern der Rüstungsindustrie zeige. "Wenn erst der Krieg ausbricht, müssen wir die Schlüsselpositionen des feindlichen Militärs und die Regierungseinrichtungen mit einem schnellen und überraschenden Schlag zerstören", sagte Kim demnach.

China ist besorgt über Spannung in Region

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar extrem angespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UN-Sanktionen und einem südkoreanisch-amerikanischen Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt und den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. Seit den fünfziger Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.



Trotz der Warnungen Nordkoreas vor möglichen Gefahren für ausländische Botschaften bleiben die Diplomaten vorerst in Pjöngjang, so auch die Mitarbeiter der deutschen Botschaft. Bislang habe kein Land Botschaftspersonal aus dem kommunistischen Land abgezogen, berichtete Yonhap. Nordkorea hatte mitgeteilt, im Falle eines Konflikts die Sicherheit der Mitarbeiter von Botschaften und internationalen Organisationen ab dem 10. April nicht mehr gewährleisten zu können.

Nach westlichen Staaten forderte inzwischen auch China die nordkoreanische Führung auf, die Sicherheit seiner Diplomaten voll zu gewährleisten. Die Führung in Pjöngjang müsse die Unversehrtheit der chinesischen Diplomaten, Bürger und Investitionen garantieren, sagte das Außenministerium in Peking. China zeigte sich äußerst besorgt über die wachsenden Spannungen in der Region. Zugleich sagte das Ministerium, die Botschaft in der nordkoreanischen Hauptstadt arbeite normal.