Nicolás MaduroVenezuelas Wahlsieger verbietet Protestmarsch der Opposition

Chávez-Nachfolger Maduro wirft der Opposition vor, einen Staatsstreich zu planen und untersagt eine Demonstration. Die sagt den Marsch ab – aus Angst vor Unterwanderung.

Anhänger des Oppositionsführers Henrique Capriles Radonski

Anhänger des Oppositionsführers Henrique Capriles Radonski  |  © Christian Veron/Reuters

Venezuelas sozialistische Regierung hat eine für den heutigen Mittwoch geplante Demonstration der Opposition verboten. "Ich werde den Marsch im Zentrum von Caracas nicht erlauben. Wir erlauben nicht, dass sie Blut auf den Straßen von Caracas vergießen. Wenn sie mich stürzen wollen: Ich bin hier mit dem Volk in den Straßen", sagte Nicolás Maduro, der am Montag zum Wahlsieger der Präsidentenwahl erklärt worden war.

Er warf der Opposition einen Putschversuch vor und machte ihren bei der Wahl unterlegenen Kandidaten Henrique Capriles Radonski für die gewaltsamen Ausschreitungen in dem Land verantwortlich. Maduro sprach von "faschistischen Horden", die einen Staatsstreich planten. Bei den Protesten gegen das Wahlergebnis waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft sieben Menschen ums Leben gekommen und über 60 verletzt worden.

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Maduro rief seinerseits seine Anhänger auf, für die Regierung auf die Straße zu gehen und forderte wegen der Todesfälle Untersuchungen gegen Oppositionsführer Capriles. Er werde ihn auch nicht mehr als Gouverneur anerkennen. "Ich, der Staatschef, erkenne dich nicht mehr an und werde legale Maßnahmen ergreifen, denn du hast die Verfassung missachtet", sagte er.

Nach dem Verbot sagte auch die Opposition die Kundgebung ab. "Die Regierung will, dass es Tote gibt", sagte Capriles. Er fürchte, dass seine Gegner die Demonstration unterwandern könnten, um neue Gewalt zu schüren.

Defekte Wahlautomaten und Druck von der Armee

Die Wahlbehörde hatte den Sozialisten Maduro mit einem knappen Vorsprung von nur 262.000 Stimmen zum Sieger der Wahl erklärt. Er ist der Wunschnachfolger des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez. Nach Angaben der Wahlbehörde erhielt er einen Stimmenanteil von 50,8 Prozent, Capriles kam demnach auf 49 Prozent.

Capriles, der Gouverneur des Bundesstaates Miranda ist, sprach von Wahlbetrug und forderte eine Neuauszählung der Stimmen. 535 Wahlautomaten seien defekt gewesen, in über 280 Wahlzentren seien die Beobachter der Opposition von der Armee verdrängt worden. Die Regierung lehnt eine Neuauszählung ab.

Maduro will am Freitag seinen Amtseid ablegen. Zu der Zeremonie werden unter anderen Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad und Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner erwartet.

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Leserkommentare
    • ZPH
    • 17. April 2013 7:36 Uhr

    Maduro sprach von "faschistischen Horden".

    Und wenn man den Gegner zum Faschisten erklärt hat, dann ist natürlich jedes Mittel gegen ihn recht und der Weg in die Diktatur frei.

    2 Leserempfehlungen
  1. Warum wird ein möglicher Grund verschwiegen? Denn es starben 7 Menschen, offensichtlich Anhänger der Regierungspartei.

    "Erste Tote bei Protesten gegen Wahlergebnis

    In Venezuela gehen Anhänger der Opposition auf die Straße und fordern eine neue, transparente Stimmenauszählung der Präsidentenwahl. Nun starben nach offiziellen Angaben mindestens sieben Menschen."

    http://www.welt.de/politi...

    Einseitiger kann eine Berichterstattung nicht sein. So wenig recherchiert kein seriöser Journalist.

    9 Leserempfehlungen
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    woher? Schon klar: der richtige Kandidat hat gewonnen, da kann man über ein paar Demokratiedefizite gern mal hinwegsehen.

  2. woher? Schon klar: der richtige Kandidat hat gewonnen, da kann man über ein paar Demokratiedefizite gern mal hinwegsehen.

    Eine Leserempfehlung
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    wissen Sie warum.

    Alle Zeit- Beiträge stellen die Sachlage als internen Konflikt in Venezuela dar. Die Einflussnahme der USA ist unverkennbar. Aus Zeitgründen verweise ich auf einen früheren Kommentar:

    http://www.zeit.de/politi...

    Das Canvas/ Otpor- Konzept ist einfach und erprobt, besonders im arabischen Frühling, in der Ukraine etc. wie folgt:
    Demonstranten werden geschult, es wird demonstriert, es wird ein Eklat provoziert und anschließend medial ausgeschlachtet.

    Leider wurde es in Venezuela, denn die ersten Opfer waren auf der falschen Seite.

    Mal ganz langsam. Es gab viele internationale Beobachter, darunter auch wieder das Carter Center, UNASUD, Uniore (in der auch die USA une Kanada vertreten sind), und sie haben alle von einer transparenten und sicheren Wahl gesprochen, "ohne größere Unregelmäßigkeiten".
    http://www.telesurtv.net/...
    Worauf fußen Sie denn Ihre Mutmaßungen?
    Auf den Anklagen von Capriles. Aber scheint es Ihnen nicht komisch, dass in Venezuela, wo man gleichzeitig mit Computer und Zettel wählt (um Fälschungen zu verhindern), 56% der Boxen vom CNE geöffnet und nachgezählt wurden, in Präsenz von Regierungs- und Oppositionsvertretern; ausgesucht vom CNE (mit Regieruns- UND OPPOSITIONSVERTRETERN) - und das man keine Unstimmigkeiten gefunden hat?
    Außerdem hat Maduro, der von der Sicherheit des Ergebnisses überzeugt ist, noch am Wahlabend angeboten, man könne gern 100% der Stimmen nachzählen und Klagen von Ungereimtheiten nahegehen. Einzige Bedingung (und die wurde von der Präsidentin des CNE gestellt): das Wahlgesetz einhalten, die legale Prozedur befolgen. Capriles braucht nur eine Anfrage auf Nachzählung öffentlich einreichen, er hat dazu legal 20 Werktage Zeit. Und... das hat er immernoch NICHT gemacht! Warum wohl?

  3. wissen Sie warum.

    Alle Zeit- Beiträge stellen die Sachlage als internen Konflikt in Venezuela dar. Die Einflussnahme der USA ist unverkennbar. Aus Zeitgründen verweise ich auf einen früheren Kommentar:

    http://www.zeit.de/politi...

    Das Canvas/ Otpor- Konzept ist einfach und erprobt, besonders im arabischen Frühling, in der Ukraine etc. wie folgt:
    Demonstranten werden geschult, es wird demonstriert, es wird ein Eklat provoziert und anschließend medial ausgeschlachtet.

    Leider wurde es in Venezuela, denn die ersten Opfer waren auf der falschen Seite.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und das nehmen sie"
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    denn die ersten Opfer waren auf der falschen Seite.

  4. denn die ersten Opfer waren auf der falschen Seite.

    Eine Leserempfehlung
  5. ...sofern es in Venezuela passiert.

    (Aber friedliche Occupy Camps gewaltsam räumen ist in Ordnung.)

    Tendenziöser Artikel.

    8 Leserempfehlungen
  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    2 Leserempfehlungen
  7. ...in einer Art "Nibelungentreue" auf Seiten Capriles steht ist doch klar - oder hat hier keiner die Artikel der letzten Jahre über Venezuela gelesen?

    Wir müssen jetzt nur abwarten ob die Strategie der von den USA unterstützen Putschisten "greift".

    Der Putschist Capriles gehört sofort verhaftet - von mir aus "freies Geleit" in die USA.

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, ff
  • Schlagworte Mahmud Ahmadinedschad | Amtseid | Cristina Kirchner | Demonstration | Opposition | Präsidentenwahl
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