VenezuelaPräsident berichtet von Chávez-Erscheinungen

Venezuelas Interimspräsident bedient sich im Wahlkampf skurriler Methoden. Angeblich ist Maduro der verstorbene Präsident Hugo Chávez als Vogel erschienen.

Ein Bild des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez klebt an der Heckscheibe eines Busses in Caracas.

Ein Bild des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez klebt an der Heckscheibe eines Busses in Caracas.  |  © Tomas Bravo/Reuters

Im Wahlkampf in Venezuela setzt Interimspräsident Nicolás Maduro ganz auf den Ruhm seines verstorbenen Vorgängers Hugo Chávez und schreckt vor ungewöhnlichen Verlautbarungen nicht zurück. Der vor vier Wochen gestorbene Staatschef sei ihm in Gestalt eines Vögelchens erschienen, sagte Maduro, der in Umfragen für die Wahl am 14. April deutlich führt.

"Ein kleines Vögelchen kam hereingeflogen und machte drei Umdrehungen. Es setzte sich auf einen Holzbalken und begann zu zwitschern. Ich schaute es an und zwitscherte ihm ebenfalls zu. Ich spürte den Geist von ihm (Chávez). Es war, als wolle er uns seinen Segen geben", erzählte Maduro im Innenhof von Chávez' Geburtshaus im Bundesstaat Barinas.

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Offenbar war sich der Präsident seines merkwürdigen Erlebnisses bewusst, denn später forderte Maduro bei einer Wahlkampfveranstaltung seine politischen Gegner auf, sich über seine Erzählung nicht lustig zu machen. "Lassen Sie doch die Intoleranz, die Respektlosigkeit gegenüber der tiefen Spiritualität der christlichen Männer und Frauen, die wie wir fest an die Werte eines Führers glauben, der zu Lebzeiten die Werte Christi verkörperte", sagte er.

Wahl am 14. April

Maduro gab sich siegessicher, er liegt in Umfragen derzeit mindestens zehn Prozentpunkte vor seinem stärksten Gegner Henrique Capriles. Dieser rief die Venezolaner ebenfalls auf, am 14. April zur Wahl zu gehen. Seine Stimme nicht abzugeben, sei keine Alternative.

Bei der vergangenen Wahl im Oktober 2012 hatte Chávez gegen Capriles mit 55,1 zu 44,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Der Präsident war dann aber am 5. März an Krebs gestorben. Er hatte Venezuela seit 1999 regiert.

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Leserkommentare
  1. ...zur Wiederwahl verholfen.

    http://www.guardian.co.uk...

    Warum das Rad neu erfinden wenns bei GW Bush funktioniert hat....

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Diese "Technik" gibt es doch nicht erst seit Bush!

    Die Kirche ist darin doch ganz groß! Irgendwer behauptet, eine "Erscheinung" gehabt zu haben, z.B. eine junge Frau (Jungfrau), die unter einem Wasserfall in einer Grotte steht, und plötzlich drehen die Gläubigen durch und beten diese Grotte an.

    Sämtliche Sektenführer verwenden dies, um ihre Macht zu stärken.
    Das Buch "...wie mich Jesus des Nachts besuchte..." ist doch schon fast einer Bibel vergleichbar, unangefochten, nicht hinterfragt - und nicht bewiesen.

    Wenn jemand schon zugibt, solche "Erscheinungen" zu haben, die sich nicht physikalisch erklären lassen, dann wäre ein mehr als ein Risiko, ihm eine Machtposition anzuvertrauen - eine psychatrische Behandlung wäre da besser...

    Oder will mir einer weismachen, eine Gottheit erschafft die Naturgesetze um sich dann als Erster nicht daran zu halten?

  2. Die Poesie und das Wundersame sind nun mal Bestandteil der lateinamerikanischen Sprache, des Alltags und auch der Politik. Das mag für bärbeißige deutsche Presseschreiber befremdlich klingen, macht aber gerade auch den Charme des menschlichen Miteinanders aus.

    Sicher, bei einem deutschen Führer oder eine Führerin (gemäß Wortwahl ZEIT), kommt kein Vogel geflogen, da fliegt ein EinsAckerman ins Kanzleramt, macht drei Verdrehungen und beginnt zu zwitschern. Und die/der Kanzler/in später: „Ich schaute ihn an und zwitscherte ihm ebenfalls zu. Ich spürte den Geist von ihm. Es war, als wolle er uns seinen Segen geben".

    3 Leserempfehlungen
  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

  4. In dem Zusammenhang sei auf die wunderbare Poesie eines Pablo Neruda verwiesen u.a. Diplomat und Politiker.

    Yo soy el cóndor, vuelo
    sobre ti que caminas
    y de pronto en un ruedo
    de viento, pluma, garras,
    te asalto y te levanto
    en un ciclón silbante
    de huracanado frío.

    [...]

    Ich bin der Kondor, fliege
    über dir, die zu Fuß geht,
    und jäh, in einem Kreiseln
    von Wind, Gefieder, Krallen,
    stürz ich auf dich und hebe
    dich hoch in schrillem Wirbel
    sturmentfesselten Frosts.[...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass wir aus rechtlichen Gründen keine vollständigen Gedichte verbreiten dürfen. Danke, die Redaktion/ls

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  5. "Angeblich ist Maduro der verstorbene Präsident Hugo Chávez als Vogel erschienen."

    Eine Leserempfehlung
  6. ist auch Hr. Chavez Einzug ins Paradies
    http://www.spotsdaily.com...

    Da werden unsere Genossen sicher richtiggehend neidisch :)

    2 Leserempfehlungen
  7. Diese "Technik" gibt es doch nicht erst seit Bush!

    Die Kirche ist darin doch ganz groß! Irgendwer behauptet, eine "Erscheinung" gehabt zu haben, z.B. eine junge Frau (Jungfrau), die unter einem Wasserfall in einer Grotte steht, und plötzlich drehen die Gläubigen durch und beten diese Grotte an.

    Sämtliche Sektenführer verwenden dies, um ihre Macht zu stärken.
    Das Buch "...wie mich Jesus des Nachts besuchte..." ist doch schon fast einer Bibel vergleichbar, unangefochten, nicht hinterfragt - und nicht bewiesen.

    Wenn jemand schon zugibt, solche "Erscheinungen" zu haben, die sich nicht physikalisch erklären lassen, dann wäre ein mehr als ein Risiko, ihm eine Machtposition anzuvertrauen - eine psychatrische Behandlung wäre da besser...

    Oder will mir einer weismachen, eine Gottheit erschafft die Naturgesetze um sich dann als Erster nicht daran zu halten?

    2 Leserempfehlungen
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    Sicher, die Erfindung von und Bezugnahme auf Gottheiten ist primär ein Relikt der Machtausübung. So sind ja alle Religionen nicht mal einfach so vom Himmel gefallen, sondern sie hatten, zumal in ihren Anfängen, einen ganz pragmatischen Ansatz, nämlich die Befehlsgewalt absolut und unangreifbar zu machen.

    Aber, glauben tun wir nun mal alle, die Frage ist nur an was. Der Glaube gehört zum menschlichen Erbgut, wie zwei Hände und Füße.

    Lateinamerikaner nehmen in der Regel den gottesbezogen Glauben auch nicht unbedingt für bare Münze, sondern flechten in munter und auch fröhlich in ihr realitätsbezogenes Alltagsleben ein. Anders ausgedrückt, es kommt immer darauf an, in welchem Gesellschafts- und Mentalitätsgefüge der Gottesbezug stattfindet. Auf dem alten Kontinent Europa, wo immer mal wieder Hirnverbrannte an die Macht gelangen, kann es allerdings böse Auswirkungen haben.

  8. ...die Zeit wohl ohne den Genossen Chavez macht - der ja ausgewiesenermaßen das "Lieblingshassobjekt" war - und ich werde nicht enttäuscht!

    Maduro wird das Rennen machen, da ich mir nicht vorstellen kann, daß die Venezuelaner eine bourgeoise US-Marionette an der Spitze des Staates wollen.

    @Konvertitin
    Sie haben Glück - wenn ich das Stilmittel der Polemik verwende werde ich zensiert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Jesus | Krebs | Umfrage | Venezuela | Wahl | Erzählung
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