NRA : Waffenlobby bricht mit Waffenlobby

Eine der größten Organisationen von Waffen-Befürwortern in den USA spricht sich für stärkere Kontrollen beim Waffenkauf aus. Allerdings nicht ganz uneigennützig.

Die eigentlich so solidarisch auftretende Waffenlobby in den USA spaltet sich. Das Citizens Committee for the Right to Keep and Bear Arms, eine der großen Waffenrechtsorganisationen im Land, hat sich nach einem Bericht der Washington Post für einen Gesetzentwurf ausgesprochen, der es ermöglichen soll, den kriminellen Hintergrund von Waffenkäufern verstärkt zu überprüfen. Damit bricht die Organisation mit der mächtigen National Rifle Association (NRA). Diese lehnt die Gesetzgebung mit der Begründung ab, die Ausweitung der Kontrollen würde Kriminelle nicht davon abhalten, zu Waffen zu greifen.

Der überparteiliche Entwurf, über den diese Woche im Senat abgestimmt werden soll, ist ein Kompromissvorschlag des demokratischen Senators Joe Manchin aus West Virginia und seines republikanischen Kollegen Pat Toomey aus Pennsylvania. Er sieht Hintergrund-Überprüfungen auch beim Verkauf von Waffen auf Showveranstaltungen und beim Online-Kauf vor, wo Überprüfungen bisher nicht stattfinden. Derzeit werden die Käufer nur dann auf einen möglichen kriminellen Hintergrund hin überprüft, wenn sie die Schusswaffen bei lizensierten Verkäufern erwerben.

Die Ankündigung des Citizens Committee – mit etwa 650.000 Mitgliedern nach eigenen Angaben die zweitgrößte Organisation nach der NRA – ist zwar eine Genugtuung für all jene, die die mächtige Waffenlobby gerne geschwächt sehen würden und auf striktere Waffengesetze hoffen. Dennoch offenbart die Nachricht auch Schwachstellen des Gesetzentwurfs. Teile des Textes werden demnach als Gewinn für die Waffenlobby gesehen. Das bestätigt auch der Chef des Citizens Committee, Alan Gottlieb.

Er hatte sich am Sonntag in einer Mail an die Mitglieder und Unterstützer seiner Organisation gewandt und darin begründet, warum er für den Gesetzentwurf ist. Man könne darin viele Vorteile herauslesen, schrieb Gottlieb. Dazu gehörten unter anderem der erleichterte Transport und Verkauf von Handfeuerwaffen über die Staatsgrenzen hinaus, den das Gesetz ermöglicht. "Und am wichtigsten ist die Garantie, dass es allen, Bundespolizisten eingeschlossen, verboten ist, durch Daten aus Waffenverkäufen ein Waffenregister zu erstellen." Die Sorge vor einem Waffenregister ist die große Angst der Waffenlobby.

Noch ist nicht sicher, ob der Gesetzentwurf diese Woche durch den Senat geht. "Es wird knapp", sagte Senator Pat Toomey. Bisher haben offiziell nur drei republikanische Senatoren ihr Votum für den Entwurf angekündigt. Damit das Gesetz durch den Senat geht, sind nach Angaben der Demokraten aber mindestens sechs Stimmen der Republikaner nötig. Die offizielle Debatte soll am morgigen Dienstag beginnen. Ursprünglich hatten die Verfechter einer stärkeren Waffenkontrolle auf Hintergrund-Überprüfungen bei so gut wie jedem Waffenkauf gehofft.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

8 Kommentare Kommentieren