Völkermord-ProzessGuatemalas Ex-Diktator erklärt sich für unschuldig

Völkermord, Folter, Zwangsumsiedlungen: Der Staatsanwalt fordert 75 Jahre Haft für Guatemalas Ex-Diktator Ríos Montt. Der weist alle Vorwürfe zurück.

Guatemalas Ex-Diktator Efraín Ríos Montt bei seinem Schlussplädoyer

Guatemalas Ex-Diktator Efraín Ríos Montt bei seinem Schlussplädoyer  |  © Johan Ordonez/AFP/Getty Images

Der frühere guatemaltekische Machthaber José Efraín Ríos Montt hat jede Verantwortung für die Massaker an Maya-Ureinwohnern während seiner Herrschaft zurückgewiesen. Er sei unschuldig, sagte der 86-Jährige in seinem Schlussplädoyer. "Ich habe Angriffe gegen bestimmte Rassen, Ethnien oder Religionsgemeinschaften nie genehmigt, vorgeschlagen oder angeordnet." Ríos Montt muss sich seit Mitte März wegen Völkermordes und anderer Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hat für Ríos Montt eine 75-jährige Haftstrafe gefordert. Dem früheren General werden Folter, Mord und die Zwangsumsiedlung Tausender Maya-Indianer während seiner Zeit als Chef einer Militär-Junta von März 1982 bis August 1983 vorgeworfen. Während seiner Herrschaft wurden mehr als 400 Dörfer zerstört, die Zahl der zivilen Todesopfer betrug mehrere Tausend. Konkret wird Ríos Montt vorgeworfen, die Ermordung von mindestens 1.771 Mitgliedern der Volksgruppe der Ixil im verarmten Departement Quiché im Norden des Landes angeordnet zu haben. Das Urteil wird in Kürze erwartet.

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In seinem Schlussplädoyer machte der Ex-Diktator die linke Guerillaorganisation EGP für die Tötungen verantwortlich. "Und jetzt soll ich für den Völkermord bezahlen", sagte Ríos Montt. Er habe sein Land lediglich vor der kommunistischen Gefahr beschützen wollen. 

Erster Versuch juristischer Aufarbeitung

"Meine Aufgabe als Staatschef war die Kursänderung einer Nation, die am Abgrund stand. Die Guerilla war vor den Toren des Nationalpalastes", sagte er. Er habe "nie die Absicht" gehabt, "irgendeine nationale ethnische Gruppe zu zerstören", fügte der Angeklagte in seinem rund 50-minütigen Schlusswort hinzu.

Das Strafverfahren gegen Ríos Montt gilt als historisch. Der Prozess ist der erste Versuch einer juristischen Aufarbeitung der Verbrechen während des Bürgerkrieges in dem zentralamerikanischen Land, der von 1960 bis 1996 dauerte. Insgesamt wurden in dieser Zeit schätzungsweise 200.000 Menschen getötet. Mehr als einhundert Angehörige der Opfer sagten vor Gericht als Zeugen aus. Mitangeklagt ist der ehemalige Geheimdienstchef José Mauricio Rodríguez, dessen Schlussplädoyer an diesem Freitag erwartet wird.

Nach Einschätzung der Prozessbeobachter der Open Society Justice Initiative dürfte dann zügig mit einem Urteil zu rechnen sein. Das Verfahren ist aber durch eine Reihe von Anträgen der Verteidigung und einstweilige Verfügungen des Verfassungsgerichts ins Stocken geraten.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, mpi
    • Schlagworte Folter | Guerilla | Society | Verbrechen | Verfassungsgericht | Völkermord
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