Der scheidende iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad legt sich mit dem mächtigen Wächterrat des Landes an. Er kündigte an, gegen die Entscheidung des Gremiums aus Mullahs und konservativen Juristen vorzugehen, seinen Vertrauten Esfandiar Rahim Maschaei als Kandidaten zur Präsidentschaftswahl nicht zuzulassen. 

Er werde die Nichtberücksichtigung Maschaeis vor dem Obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, anzeigen, sagte Ahmadinedschad. Der Präsident sprach von einem Akt der "Unterdrückung". Der Wächterrat hatte am Dienstag die endgültige Liste der Kandidaten vorgelegt, Maschaei ist nicht darauf.

Der Ausschluss Maschaeis bedeutet für Ahmadinedschad einen Rückschlag: Er hatte gehofft, dass ihm ein Vertrauensmann auf dem Posten folgen würde. Ahmadinedschad selbst darf zu der Wahl am 14. Juni wegen der geltenden Amtszeitbeschränkungen nicht mehr antreten. Hintergrund für den Wahlausschluss von Maschaei könnte Beobachtern zufolge der Konflikt zwischen Ahmadinedschad und der geistlichen Führung des Landes sein. Der Präsident hatte die Rückendeckung des Klerus, bis er 2011 die Autorität Chameneis herausforderte.

Der Wächterrat hatte auch Expräsident Akbar Haschemi Rafsandschani ausgeschlossen, der Hoffnungen auf Reformen geweckt hatte. Rafsandschani war einer der Gründer der Islamischen Republik im Jahr 1979 und ein enger Vertrauter des spirituellen Führers der Revolution im Iran, Ajatollah Ruhollah Khomeini.

Maschaei will Einspruch einlegen

Maschaei selbst will gegen die Entscheidung des Wächterrats Einspruch einlegen, wie sein Wahlbüro ankündigte. "Wir werden mit allen rechtlichen Mitteln versuchen, eine Aufklärung und Revision zu erzwingen", hieß es in der Erklärung. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der islamischen Republik, dass gegen den Wächterrat gerichtlich vorgegangen wird.

Unter den zugelassenen Kandidaten sind den Angaben zufolge der iranische Atomunterhändler Said Dschalili, der ehemalige Außenminister Ali Akbar Welajati und der Teheraner Bürgermeister Mohammed Bagher Kalibaf. Nur zwei der vom Wächterrat gebilligten Kandidaten gelten als reformorientiert: der ehemalige Atomunterhändler Hassan Ruhani und der ehemalige erste Vizepräsident Mohammed Resa Aref.

Die USA kritisierten die Auswahl der Kandidaten. Der nicht durch das Volk legitimierte iranische Wächterrat habe auf Grundlage "vager Kriterien" nur acht von fast 700 Kandidaten zugelassen, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Diese Auswahl spiegele "wahrscheinlich nicht den Willen des iranischen Volkes wider".

Der Wächterrat entscheidet über die ideologische Qualifikation der Kandidaten. Rafsandschani soll mit seinen 78 Jahren zu alt für den Job sein. Aus dem Wahlbüro des moderaten Klerikers hieß es, er wolle sich als Kandidat nicht aufdrängen. Im Iran wird am 14. Juni der neue Präsident gewählt.