Boston-AnschlagWohin mit der Leiche eines Terroristen?

Kein Friedhof ist bereit, den Attentäter von Boston zu begraben. In den USA ist eine Debatte entbrannt über die Frage, was mit Tamerlan Zarnajews Leichnam passieren soll. von 

Begraben ist er noch nicht. Doch dass ein Buch über Tamerlan Zarnajew und seinen Bruder, die mutmaßlichen Bombenattentäter von Boston, erscheinen wird, ist bereits entschieden. Tamerlan Zarnajew starb vor mehr als zwei Wochen bei der Verfolgungsjagd und Schießerei mit der Polizei. Wo aber wird Zarnajew seinen letzten Ruheplatz finden? Seit die Behörden ihn an eine Familie übergeben haben, debattiert die Nation über den Umgang mit den sterblichen Überresten eines vermeintlichen Terroristen, große und kleine Medien überschlagen sich in der Berichterstattung.

Bislang ist keine Friedhofsverwaltung bereit, Tamerlan die letzte Ruhe zu gewähren. Als der zuständige Bestatter daraufhin die Regierung um Hilfe bat, wurde ihm diese verwehrt.  

Anzeige

Ein regelrechter Lagerkampf tobt dieser Tage zwischen amerikanischen Behörden, dem Bestatter, zwischen Bürgern und in den Medien. Zarnajews Leiche war zuerst in ein Bestattungsinstitut in North Attleborough gebracht, aufgrund von Protesten vor dem Gebäude dann aber weiter nach Worcester bei Boston transportiert worden. Doch auch dort versammelten sich aufgebrachte Bürger mit amerikanischen Flaggen und Schildern mit der Aufschrift "Begrabt den Terroristen in amerikanischem Boden und wir werden ihn wieder ausgraben", berichtete die New York Times.   

Andere Verbrecher hatten würdevolles Begräbnis

"Selbst einige der schlimmsten Verbrecher haben nach ihrem Tod ein würdevolles Begräbnis erhalten", kommentierte die New York Times die aktuellen Dispute. Nur Tamerlan Zarnajew sei immer noch nicht unter der Erde. Stattdessen hätten die Behörden auf allen Regierungsebenen bisher die Beerdigung weitergereicht "wie eine heiße Kartoffel".

Tatsächlich ist es gerade ebenso schwierig, jemanden ohne einen festen Standpunkt zu der Streitfrage zu finden, wie jemanden, der sich für den Umgang mit der Causa Zarnajew zuständig fühlt. Deval Patrick, Gouverneur von Massachusetts, etwa vertrat bisher die Meinung, die Beerdigung sei weder Sache des Bundesstaates noch der Regierung, sondern der Familie. Der demokratische Abgeordnete Edward J. Markey will den Leichnam der Kontrolle der Regierung übergeben. "Wenn die Bürger von Massachusetts diesen Terroristen nicht in unserer Erde begraben haben wollen, geht es eben nicht", sagte er.

Leserkommentare
  1. Wie das Land, so das Jever..

    7 Leserempfehlungen
  2. 2. [...]

    Bitte achten Sie auf Ihren Ton. Danke, die Redaktion/mo.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • shtok
    • 08. Mai 2013 12:16 Uhr

    scheint wirklich rapide zu sinken und Dummheit scheint in D eine neue Qualität angenommen zu haben.

    @Redaktion
    Das so etwas nicht zensiert wird, ist schon erschreckend. Schon mal was von Menschenwürde gehört.

    warum nicht gleich vierteilen oder aufs rad flechten? aus welchem jahrhundert sind sie denn?

    • vyras
    • 08. Mai 2013 12:46 Uhr

    ... Tod so zu behandeln, und Menschen, die so etwas fordern, die verraten damit viel über ihre eigene Gesinnung. Ich würde mir wünschen, solche Hasspostings hier nicht zu lesen, so etwas wird nicht "richtiger" dadurch, dass von einem Straftäter die Rede ist.

    • amlmsh
    • 08. Mai 2013 11:05 Uhr

    Fragt mal nach bei Sophokles' Antigine! ...Tausende von Jahre und der Menschen Kleingeist haelt sich noch immer fuer den Nabel der Welt.

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • amlmsh
    • 08. Mai 2013 11:07 Uhr

    sorry...

    Kreon hat's verboten und Antigone hat's durchgezogen.

    Wie war das nochmal mit dem göttlichen Gesetz und den menschlichen Gesetzen.

    Ich bin ein großer Fan dieses Werkes!

  3. Diese unwürdige Diskussion in einem Land, dessen Streitkräfte in diversen Angriffskriegen seit dem 2. Weltkrieg Abermillionen von Zivilisten getötet oder verstümmelt haben.
    In einem Land, dessen Regierung übelste Terrorgruppierungen finanziell und logistisch unterstützt hat.
    In einem Land, dass Folter, Deportierung und jahrelange Haft ohne Anklage zur neuen Doktrin erhoben hat.

    Diese Wehleidigkeit ist nur noch unsäglich.

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • shtok
    • 08. Mai 2013 12:27 Uhr

    Land zu tun, sondern das sind kleine Gruppen, die da auftauchen, meist aus dem radikalen christlichen Spektrum. Die haben auch Probleme mit anderen Beerdigungen und andersdenkenden Gruppen.

    @Thema
    Das Problem ist doch, dass er kein amerikanischer Staatsbürger ist, wie die anderen genannten Verbrecher und damit eine Überführung in sein Heimatland anstünde, wo es keine Probleme geben sollte.
    Auch dürfte es schwierig sein ihn nach islamischen Regeln zu begraben. Daher sollte die Regierung etwas Geld in die Hand nehmen und ihn nach Dagestan überführen, so dass auch seine Eltern von ihm Abschied nehmen können.
    Der Tod ist endgültig, egal was man vorher auch getan hat, jedem steht mMn das Recht auf eine angemessene Beerdigung zu und wie wir mit unseren Toten umgehen, sagt auch viel über unsere Gesellschaft aus.

    Wo sind die Taeter begraben die in Columbine oder Newtown dutzende erschossen haben?

    Deutschland hat einen Krieg gestartet, der mehr als 50 Millionen Todesopfer gefordert hat. Der allergrößte Teil davon Zivilisten. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben diesem Treiben zum Glück ein Ende gesetzt.
    Die Vereinigten Staaten von Amerika machen nicht alles richtig. Sie machen sogar viel falsch, aber vergessen sie nicht, dass sie vor nicht einmal 15 Jahren auf dem eigenen Land angegriffen worden sind mit mehr als 3000 Toten. Seitdem haben sich die USA verändert, so wie sich jedes Land verändert hätte. Stellen sie sich mal vor man hätte irgendwas in Berlin gesprengt mit gleicher Opferanzahl. Können sie sich nicht vorstellen? Ich mir auch nicht, so abartig ist das. Halten sie sich doch einfach mal etwas zurück mit dieser antiamerikanischen Hetze. Sie gehören wahrscheinlich auch zu den Leuten, die Nordkorea eine Atombombe zugestehen wollten und dann drei Wochen später untertauchen musste, als das dicke Kind da die Weltgemeinschaft bedroht hat.

    • amlmsh
    • 08. Mai 2013 11:07 Uhr

    sorry...

    Antwort auf "Was soll geschen?!"
  4. 6. [...]

    Bitte achten Sie auf Ihren Ton.Danke, die Redaktion/mo.

    3 Leserempfehlungen
  5. Kreon hat's verboten und Antigone hat's durchgezogen.

    Wie war das nochmal mit dem göttlichen Gesetz und den menschlichen Gesetzen.

    Ich bin ein großer Fan dieses Werkes!

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Was soll geschen?!"
  6. mit einer Seebestattung vorlieb nehmen müssen.

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Tamerlan Zarnajew | Medien | US-Außenministerium | Berichterstattung | USA | Boston
Service