Anhänger der rechtsextremen Jobbik-Partei demonstrieren in Budapest. ©REUTERS/Laszlo Balogh

In der Innenstadt von Budapest haben Anhänger der rechtsextremen Partei Jobbik demonstriert und antisemitische Parolen gerufen. Anlass für die Proteste ist die bevorstehenden Tagung des Jüdischen Weltkongresses, der an diesem Sonntag in Budapest stattfindet. Rund 500 Menschen folgten dem Aufruf zu einer "antibolschewistischen und antizionistischen" Kundgebung. Das ungarische Innenministerium hatte die Veranstaltung zunächst verboten, ein Gericht hob die Entscheidung jedoch auf.

Bei der Kundgebung im Stadtzentrum forderte Jobbik-Parteichef Gabor Vona die Juden im Land auf, "sich für die Morde an Ungarn zu entschuldigen", die angeblich jüdische Kommunisten begangen hätten. Mehrere Demonstranten trugen Uniformen einer verbotenen paramilitärischen Organisation.

Der Jobbik-Abgeordnete Marton Gyöngyösi sagte: "Der Genozid, den Israel an der palästinensischen Urbevölkerung begeht, ist schlimmer als das, was sich die Nationalsozialisten in ihren kühnsten Träumen ausgemalt haben." Gyöngyösi hatte Ende 2012 im Parlament verlangt, dass die Juden in Ungarn auf Listen erfasst werden sollen. 

Der israelische Botschafter in Ungarn, Ilan Mor, äußerte sich besorgt über den wachsenden Antisemitismus im Land. "Es hat in den vergangenen Wochen beunruhigende Vorfälle gegeben", sagte er der Bild-Zeitung. "Die schlechte Wirtschaftslage hat offenbar neuen Antisemitismus hervorgerufen. Die ungarische Regierung darf es nicht bei Ankündigungen belassen, sondern muss mehr handeln." 

Seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Viktor Orbán 2010 nimmt die Zahl antisemitischer Vorfälle in Ungarn deutlich zu. Die rechtsextreme Jobbik-Partei ist seitdem mit 12 Prozent die drittstärkste Kraft im Parlament. 34 Prozent der Ungarn sind nach Untersuchungen des Soziologen Andras Kovacs der Ansicht, das politische und wirtschaftliche Geschehen werde von einem "geheimen jüdischen Zusammenwirken" bestimmt. Orbán selbst hat angekündigt, bei der Eröffnung des Kongresses am Sonntag eine Rede zu halten.      

Der Jüdische Weltkongress findet alle vier Jahre statt, meist in Jerusalem. Aus Solidarität mit den ungarischen Juden hatte der Verband das diesjährige Treffen nach Budapest verlegt, um "ein starkes Zeichen" zu setzen. Der Präsident der Föderation der ungarischen jüdischen Gemeinden (Mazsihisz), Peter Feldmajer, hatte die Entscheidung des Verbandes mit den "außerordentlich starken und aggressiven antisemitischen Stimmen", mit denen die Juden in Ungarn in jüngster Zeit konfrontiert seien, begründet.