Syrien-KonfliktAssad droht Israel

Syriens Machthaber warnt den Erzfeind: Er stehe unter öffentlichem Druck zum Schlag auf den Golanhöhen. Israel versucht zu deeskalieren.

Assad im Interview mit dem Hisbollah-nahen TV-Sender Al-Manar

Assad im Interview mit dem Hisbollah-nahen TV-Sender Al-Manar  |  © Reuters

Syriens Präsident Baschar al-Assad hat in einem Interview Israel gedroht, das in der Vergangenheit mehrere Ziele in Syrien bombardiert hatte. Diese "wiederholte israelische Aggression", so Assad in einem Interview mit dem Fernsehsender der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, Al-Manar, sei der Grund dafür, "eine neue Widerstandsfront auf dem Golan zu eröffnen. Es gebe "eindeutig öffentlichen Druck".

Die Golanhöhen im Grenzgebiet von Syrien und Israel sind seit 1967 von Israel besetzt und ein Schauplatz des Syrien-Konflikts. Kürzlich wurden UN-Blauhelmsoldaten, die an der Waffenstillstandslinie zwischen den verfeindeten Ländern im Einsatz sind, von syrischen Rebellen entführt. Israel meldete mehrfachen Beschuss auf Armeeposten der Gegend aus Richtung Syrien.

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Die israelische Armee ließ dies lange Zeit unbeantwortet – flog aber vor Kurzem gezielt Angriffe gegen Syrien, nach eigenen Angaben, um so die Lieferung von Waffen an die Hisbollah-Miliz zu unterbinden, die Assads Truppen im Kampf gegen die Aufständischen unterstützt.

Nun sind laut Aussagen Assads die ersten Teile russischer S-300-Flugabwehrraketen in Syrien eingetroffen. Diese Geschütze gelten vielen Beobachtern als Game Changer des Syrien-Konflikts, also als die gravierende Verschiebung des militärischen Kräftegleichgewichts im Nahen Osten. Israel würde seine Luftüberlegenheit verlieren, der Westen könnte den Rebellen nicht mehr ausreichend Flankenschutz gewähren. Die Raketen "sind ein riesiges Problem für uns. Wenn wir Flugverbotszonen planen und dann gibt es diese Raketen, da ist der Widerspruch ganz offensichtlich", heißt es in französischen Regierungskreisen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu werden die Worte zugeschrieben, die S-300 in syrischer Hand würden aus ganz Israel eine Flugverbotszone machen. 

"Wir wissen, was zu tun ist"

Auf die jüngsten Aussagen Assads gibt es bislang keine offizielle Reaktion aus Jerusalem. Allerdings hatte Verteidigungsminister Mosche Jaalon zuvor erklärt: "Ich hoffe, Russland liefert die Raketen nicht. Und wenn sie doch, Gott bewahre, Syrien erreichen sollten, wissen wir, was zu tun ist." Ähnliches kündigte der Nationale Sicherheitsberater Jaakov Amidror an. Sein Land werde die Lieferung der russischen Waffensysteme nicht stoppen, soll er laut Haaretz vor EU-Botschaftern gesagt haben. "Aber mein Land  wird verhindern, dass die S-300 auf syrischem Boden operativ gestellt werden."

Anderen Berichten zufolge soll Netanjahu das Kabinett aufgefordert haben, sich nicht mehr öffentlich zu den russischen Raketen zu äußern. Energieminister Silvan Schalom hielt sich zwar nicht daran, schlug aber versöhnliche Töne an. "Wir haben kein Interesse, die Lage an der Grenze zu Syrien aufzuheizen", sagte er im öffentlichen Rundfunk. "Das war nicht unser Ziel und wird es nie sein."

Allerdings schränkte der Likud-Politiker ein, man könne es nicht zulassen, dass strategische Waffen an die libanesische Hisbollah gelangen. Auch die S-300-Raketen aus Russland würden erst dann zum Problem, wenn sie in die falschen Hände zu fallen drohten. "Seit Jahren schon hat Syrien strategische Waffen. Aber problematisch wird es, wenn diese in andere Hände fallen und gegen uns eingesetzt werden können. Dann müssten wir aktiv werden."

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Leserkommentare
  1. Russland ist sich leider für nichts zu schade.....

    11 Leserempfehlungen
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    • pakZ
    • 31. Mai 2013 8:05 Uhr

    genau! unerhört!
    man stelle sich bloß mal vor, westliche staaten würden waffen nach syrien liefern! oder vielleicht sogar israel atomar aufrüsten!!! ;)

    wenn es damit gerade den 3 Weltkrieg verhindert.

    Im Ernst: wie der poster in #5 geschrieben hat, hat der Artikel arg wenig Substanz und dient wohl eher zur Stimmungsmache.

    Cool! Jetzt droht also zum ersten Mal die technische Überlegenheit der israelischen Armee in Frage gestellt zu werden! Ohne Lufthoheit wird Israel seine "Do-As-You-Wish" Pläne überdenken müssen. In Ihren Augen ein Unding! Ich frage mich ob es nicht "ein wenig" rassistisch ist, von "anderen" die übergeordnete Sicherheit Israels endlich einzusehen, während Syrien gerade einen nun offensichtlich von außen angefeuerten Bürgerkrieg abwenden muss!

    Weder haben es die Israelis bestätigt, noch bestätigt Russland die Lieferung.

    Dafür haben zwei russische Zeitungen gemeldet, dass die S-300s nicht in diesem Jahr geliefert werden. Vedomosti zitiert eine Quelle aus der russischen Verteidigungsindustrie. Die Quelle von Kommersant sagte, dass der geplante Liefertermin im 2. Quartal 2014 liege. Beide Quellen bestätigten, dass bisher keine Systeme geliefert seien.

    Nach der Lieferung benötigt man noch 6 Monate, bis die Syrer geschult sind und die Systeme ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen.

    Die Quelle von Vedomosti erwähnte, dass die Lieferung nicht zwingend erfolgen muss, obwohl die Politik öffentlich ihre Vertragstreue hervorhebt. Bereits vor einigen Jahren wurden auch Iskander Raketen nicht an Syrien geliefert.
    https://now.mmedia.me/lb/...

    Russland signalisiert also, dass es Assad gegen die Rebellen nicht übermäßig aufrüstet. Dadurch bleibt auch der Verhandlungserfolg in Genf im Bereich des möglichen, weil GB und F ebenfalls nicht vor August liefern wollen.

    Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wurde!

    • pakZ
    • 31. Mai 2013 8:05 Uhr
    2. .....

    genau! unerhört!
    man stelle sich bloß mal vor, westliche staaten würden waffen nach syrien liefern! oder vielleicht sogar israel atomar aufrüsten!!! ;)

    44 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Konflikt"
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    Der Staat Israel hat doch bereits Atomwaffen!

    und nebenbei bemerkt , die Israelis besetzen wiederrechtlich den Golan (Raub ist das) und haben gegen das völkerrecht Syrien bombardiert.

    Für mich geht die Gefahr von Israel aus !

  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    23 Leserempfehlungen
  3. Der Staat Israel hat doch bereits Atomwaffen!

    und nebenbei bemerkt , die Israelis besetzen wiederrechtlich den Golan (Raub ist das) und haben gegen das völkerrecht Syrien bombardiert.

    Für mich geht die Gefahr von Israel aus !

    13 Leserempfehlungen
    Antwort auf "....."
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    Syrien hat Israel dreimal angegriffen!
    Nach dem zweiten Angriff 1967 besetzten sie die Golanhöhen, von denen aus syrische Artillerie regelmäßig Nordisrael beschoss, um gegenüber Syrien einen militärischen Vorteil zu bekommen. Zurecht, denn 1973 griff Syrien noch mal an.
    Mehrere israelische Ministerpräsidenten haben ihre Bereitschaft zu territorialen Kompromissen signalisiert, was allerdings an die Bedingung eines vollwertigen Friedensvertrages zwischen beiden Länder geknüpft war, was vor allem von Syrischer Seite blockiert wurde. Syrien lehnt bis heute das Existenzrecht Israles ab!
    Völkerrecht hin oder her, ich finde es gibt gute Gründe, warum Israel die Golanhöhen besetzt.
    Was erwarten sie eigentlich von einem Staat, der seit Seinem Bestehen von Feinden umgeben ist, die einen auslöschen wollen?

    "Der Staat Israel hat doch bereits Atomwaffen!"
    --------------------------
    Israel hat das bisher nicht offiziell bestätigt.

  4. Die Überschrift des Artikals lautet: "Assad droht Israel".

    Über das Interview von Assad schreibt der Artikel so gut nichts. Das wenige, was geschrieben wird, ist nicht korrekt. Zu den S-300 sagte der syrische Präsident:

    "Es ist nicht unsere Politik öffentlich über Militärthemen in Bezug auf was wir besitzen oder was wir erhalten zu sprechen." (Nix mit: "S-300 eingetroffen".)

    Über 50% des Artikels sind Meinungen aus Israel zu einem Interview, dass nur angedeutet wird. Spekulative Äußerungen wie:

    Zitat: "Ministerpräsident Benjamin Netanjahu werden die Worte zugeschrieben...."

    sind echt der Gipfel dieser seltsamen Auffassung von Journalismus.

    Ich würde mir gern selbst ein Meinung zu dem Interview des syrischen Präsidenten machen und nicht die Meinung israelische Meinung zu dem Thema diktiert bekommen. Dafür muss ich aber andere Quellen nutzen.

    Sehr schwacher Artikel!

    62 Leserempfehlungen
  5. ist der eigentlich entscheidende!

    "Seit Jahren schon hat Syrien strategische Waffen. Aber problematisch wird es, wenn diese in andere Hände fallen und gegen uns eingesetzt werden können. Dann müssten wir aktiv werden."

    In Israel hat man anscheinendmittlerweile erkannt, daß Assad nicht das eigentliche Problem ist.
    Die größere Gefahr für Israel geht davon aus, daß Assads Waffen in die Hände von Fanatikern, Terroristen und Mördern fallen.

    Und genau die nennt der Westen "Rebellen" und beliefert sie mit Waffen...

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    "Seit Jahren schon hat Syrien strategische Waffen. Aber problematisch wird es, wenn diese in andere Hände fallen und gegen uns eingesetzt werden können. Dann müssten wir aktiv werden."

    es ist die Hisbollah gemeint und das nicht zu unrecht. Die S-300 Raketen von denen hier die rede ist haben eine Reichweite von 300-400 Km und könnten damit den vom Libanon aus den gesamten Israelischen Luftraum sperren, oder eben auch den von Zypern. Aber die Patriots mit ihren 80 Km Reichweite für Raketenabwehr sind ja Kriegstreiberei oder?

  6. In den nächsten Monaten wird eine mit westlichen Waffen ausgerüstete sunnitische Opposition gegen ein alawitische Regime anrennen, das von der schiitischen Hisbollah unterstützt wird und seinen Luftraum in Zukunft besser verteidigen kann. Offen bleibt, inwieweit der Libanon in den Krieg hineingezogen wird und ob Israel weiter verhindern kann, dass die Hisbollah mit weitreichenden Raketen ausgerüstet wird. Denn diese Bewegung setzt seine Raketen mit Sicherheit gegen Israel ein. Die militärische Eskalation wäre zwangsläufig. Danach könnte dann verhandelt werden ...

    Eine Leserempfehlung
  7. aus Israel und dem Westen über eine Defensivwaffe, die Syrien zum Schutz des eigenen Landes aufzustellen gedenkt, ähnelt dem Protest eines Einbrechers gegen die Aufstellung einer Alarmanlage in dem von ihm als Einbruchsziel avisierten Haus.

    Und die Möchtegern-Großmacht Frankreich setzt dem noch die Krone auf, indem sie sich beschwert, das würde eine mögliche (völkerrechtswidrige) Flugverbotszone behindern.

    Ich hoffe, Rußland bleibt diesmal hart und zeigt den Aggressoren wenigstens diesmal die Grenzen auf (notfalls auch militärisch).

    27 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Israel | Syrien | Kabinett | Verteidigungsminister | Russland
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