Das Weiße Haus und das US-Außenministerium stehen im Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf das amerikanische Konsulat im libyschen Bengasi erneut in der Kritik. Der TV-Sender ABC News warf der Regierung vor, interne Schreiben des Auslandsgeheimdienstes CIA manipuliert zu haben, um den Anschlag vom 11. September 2012 herunterzuspielen. Bei dem Angriff auf das Konsulat waren der US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten ums Leben gekommen.

Die Sprecherin der damaligen Außenministerin Hillary Clinton, Victoria Nuland, habe die Änderungen initiiert, berichtet ABC News. Die umgeschriebenen Notizen hätten unter anderem UN-Botschafterin Susan Rice als Argumentationshilfe gedient. 

ABC behauptet, E-Mails mit zwölf verschiedenen Versionen dieser "talking points" zugespielt bekommen zu haben, die den Schluss erlauben, dass es einen "intensiven bürokratischen Kampf" um die Sprachregelung zwischen dem US-Außenministerium und der CIA gegeben habe. Das Ministerium habe zahlreiche Änderungen an dem von dem Geheimdienst gelieferten Bericht durchgesetzt – offenbar aus Angst vor Kritik der Opposition im US-Kongress.

Das Attentat war erst Tage später von der Regierung ausdrücklich als gezielter Terrorangriff eingestuft worden. In einem Untersuchungsbericht wurde Clintons Ministerium angelastet, es habe nicht genug erfahrene Sicherheitsleute zur Verfügung gestellt. Mehrere hochrangige Mitarbeiter mussten deswegen ihren Posten räumen.

Weißes Haus bleibt bei seiner Darstellung

Aus den bearbeiteten Schriftstücken seien alle Hinweise aus den Originalen gestrichen worden, die auf das mit Al-Kaida verwandte Terrornetzwerk Ansar al-Sharia gewiesen hätten, berichtet ABC News. Entfernt worden seien auch Informationen darüber, dass die CIA im Vorfeld vor einem bevorstehenden Terroranschlag gewarnt habe.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, hatte solche Eingriffe bereits im November dementiert und behauptet, in den Schriften sei lediglich ein einziges Wort verändert worden. Am Freitag bekräftigte Carney diese Darstellung: Die einzige Änderung, die das Weiße Haus oder das Außenministerium vorgenommen habe, hätte sich auf die Ortsbezeichnung in Bengasi bezogen. Man habe aus einem "Konsulat" einen "diplomatischen Posten" gemacht.

Die oppositionellen Republikaner warfen Außenministerin Clinton seinerzeit vor, sie habe den Anschlag als spontanen Übergriff nach einem anti-muslimischen Schmähvideo herunterspielen wollen. In einer Anhörung vor dem Kongress verlangten sie am Donnerstag mehr Informationen über die Vorgänge rund um das Attentat.