Eigentlich kennt man Paris als eine der liberalsten Metropolen Europas, in der Homosexuelle gerne leben – weil man dort Toleranz und Offenheit genießt. Seit Wochen ist Frankreichs Hauptstadt nun jedoch die Bühne Konservativer, die Homosexuellen das Recht auf Gleichstellung absprechen: Sie demonstrieren gegen das Gesetz zur Homosexuellen-Ehe in Frankreich – die Proteste erreichen an diesem Wochenende einen neuen Höhepunkt.

Eine Woche nach der offiziellen Einführung der Reform sind nun erneut Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie fordern die Rücknahme des Gesetzes, das homosexuellen Paaren das Recht zur Ehe und zur Adoption von Kindern gibt.

Nach Angaben der Polizei versammelten sich 150.000 Demonstranten, die Veranstalter sprachen von einer Million Menschen. Aus Angst vor Ausschreitungen gewaltbereiter Rechtsextremer war sie mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die französische Tageszeitung Libération schreibt von 4.500 Beamten im Einsatz. In den vergangenen Monaten hatten Rechtsextreme bei den Demonstrationen teilgenommen und randaliert.

Am Samstagabend hatte es bereits Festnahmen gegeben. Nach Angaben der Polizei hatten sich Demonstranten mitten auf dem Boulevard Champs-Elysées an selbst aufgebaute Metallabsperrungen angekettet. Als Demonstranten Rauchbomben auf die Polizei abfeuerten, nahm die Polizei 50 Menschen fest. Dutzende weitere Gegner der Homo-Ehe protestierten am Straßenrand.

An den Kundgebungen beteiligten sich auch Politiker der konservativen Oppositionspartei UMP und der rechtsextremen Partei Front National. Drei der vier Demonstrationszüge vom Sonntag wurden der Tageszeitung Le Monde zufolge von der Aktion "Manif pour tous" organisiert, den vierten Zug hatten fundamentale Christen des Instituts Civitas anberaumt. Alle Protestzüge sollten auf dem Platz vor dem Invalidendom zusammentreffen.  

Innenminister Manuel Valls empfahl Familien mit Kindern, sich aus Sicherheitsgründen der Kundgebung fernzuhalten. Viele Métro-Stationen in der Stadt sind geschlossen. Bis zum Sonntagabend blieben die Proteste weitgehend friedlich. Allerdings kletterten Rechtsradikale auf das Eingangstor des Sitzes der sozialistischen Partei und forderten den Rücktritt von Präsident François Hollande.

Die Ehe für alle – eine große Reform für Frankreich

Das französische Gesetz zur Homo-Ehe wurde Ende April vom Parlament endgültig beschlossen. Hollande setzte die Reform am 18. Mai mit seiner Unterschrift in Kraft. Besonders die konservative Opposition und die katholische Kirche hatten schon zuvor gegen das Gesetz protestiert. 

Die Regierung und die Opposition beschuldigen sich unterdessen gegenseitig, die Stimmung anzuheizen.  

Hollande hat die "Ehe für alle" zu einem Schlüsselprojekt seiner Regierung erklärt. Sie gilt als tiefgreifendste gesellschaftliche Reform in Frankreich seit der Abschaffung der Todesstrafe 1981.