FrankreichNeue Proteste gegen Homo-Ehe geplant

Das umstrittene Gesetz zur Gleichstellung von schwulen und lesbischen Paaren ist in Frankreich in Kraft getreten. Gegner wollen weiter dagegen kämpfen.

Ein schwules Paar küsst sich vor dem französischen Parlament (Archiv).

Ein schwules Paar küsst sich vor dem französischen Parlament (Archiv).  |  © Charles Platiau/Reuters

Nach monatelangen Debatten und Protesten ist die Homosexuellen-Ehe in Frankreich offiziell in Kraft getreten. Das Gesetz, das homosexuellen Paaren nicht nur das Recht zur Ehe, sondern auch das Recht zur Adoption von Kindern gibt, wurde am Samstagmorgen von Präsident François Hollande unterzeichnet und im offiziellen Gesetzesblatt veröffentlicht. In zehn Tagen kann die erste Hochzeit gefeiert werden.

Nach der Verabschiedung im Parlament hatte die konservative Opposition den Verfassungsrat angerufen, das Gesetz noch zu stoppen, doch der wies die Beschwerde am Freitag ab. Homosexuellen das Recht auf die Ehe einzuräumen sei eine "Entscheidung des Gesetzgebers" und verstoße gegen keinen Verfassungsgrundsatz, teilte der Rat mit. Keine Rolle spiele dabei, dass die Ehe bislang in französischen Gesetzen als Verbindung von Mann und Frau definiert worden sei.

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Die Anerkennung der Homo-Ehe und das damit einhergehende Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare bedeute aber kein "Recht auf ein Kind". Bei Adoptionen müsse stets das Interesse des Kindes Vorrang haben.

Der Chef der regierenden Sozialisten, Harlem Désir, sprach von einem "Sieg für die Republik der Gleichberechtigung". Für die Sozialisten sei es "ein Tag des großen Stolzes".

Großdemonstration geplant

Der Streit um die Homo-Ehe hatte die französische Gesellschaft in den vergangenen Monaten gespalten. Die konservative Opposition und die katholische Kirche protestierten massiv gegen das Vorhaben, bei zum Teil gewaltsamen Großdemonstrationen gingen Zehntausende Menschen auf die Straße. Die Gegner setzten ihre Protestaktionen auch nach der Verabschiedung des Gesetzes in der französischen Nationalversammlung am 23. April fort. Für den 26. Mai ist eine neue Großdemonstration geplant.

Hollande hat die "Ehe für alle" zu einem Schlüsselprojekt seiner Regierung erklärt. Sie gilt als tiefgreifendste gesellschaftliche Reform in Frankreich seit der Abschaffung der Todesstrafe 1981.

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Leserkommentare
    • freudo
    • 18. Mai 2013 10:14 Uhr

    [...]

    Endlich mal Leute die zu ihrer Meinung stehen!

    [...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema und bleiben sachlich. Die Redaktion/ls

    9 Leserempfehlungen
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    ...beim Thema Stuttgart21 wurde den Gegner noch Renitenz und Unbelehrbarkeit vorgeworfen und gefordert, sie mögen doch bitte die Rechtslage anerkennen.

    Anscheinend gelten Gesetze nur, wenn es um Bauvorhaben und nicht um Menschenrechte geht...

    Dass Leute zu ihrer Meinung stehen? Das tun auch Nazis. Der Inhalt einer Meinung sollte schon noch eine Rolle spielen. Weshalb sollen Homosexuellen Rechte verweigert werden, die Heterosexuellen zustehen? Und was ist heldenhaft daran, dafür zu demonstrieren, Homosexuellen diese Rechte vorzuenthalten?

    die Franzosen um Hollande zeigen einfach ,wie man es nicht machen sollte

    Schon bzeichnedn, dass unsere Troika im letzten Jahr gleicht mal vorbeiging und ihn jetzt noch zu ihrer Feier einlädt..
    Da weiß man was man hat mit der SPD :D

    "Respekt vor den Gegnern..."

    Vor Leuten die vermummt auf die Straße gehen und Parolen schreien wie "lyncht die Schwuchteln" hab ich kein Respekt übrig, sondern einzig und allein Verachtung.

    "Endlich mal Leute die zu ihrer Meinung stehen!"

    Ja, sie stehen sogar so sehr zu ihrer Meinung das die Polizei 85 Messer, 12 Feuerwaffen, und 8 Totschläger konfisziert haben lt. Le Monde und Le Figaro.

    Eine bunte Mischung aus eisenzeitlichen Gotteswahn und "Die Menscheit stirbt aus"-Paranoia hat schon mehr Menschen getötet als Homosexualität.
    Und das sage ich als zivilisierter, aufgeklärter, heterosexueller Mann.

  1. muss auch gleiche Rechte anerkennen.

    Das sollte man doch nach Liberté, Égalité und Fraternité verinnerlicht haben. Aber manche scheinen immer noch nicht in der Gegenwart angekommen zu sein.

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    • freudo
    • 18. Mai 2013 10:22 Uhr

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • freudo
    • 18. Mai 2013 10:22 Uhr
    3. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/ls

    preiste in den 60ern den christlichen Sozialismus. Damals war das selbst für Konservative noch kein Schimpfwort. Heute benutzen es alle die keine Argumente haben.

    Im übrigen, das es eine der größten Freiheiten ist, die gleichen Freiheiten auch den Minderheiten zu gewähren haben sie scheinbar auch nicht verstanden. Deswegen ist ihre Aussage sowieso total widersprüchlich.

  2. ...das Menschen bereit sind die Verfassung und Menschenrechte einfach so abschaffen zu wollen ohne sich anscheinend über die Konsequenzen für ihr eigenes Leben Gedanken zu machen.
    Wenn Gleichheit relativiert wird, wo hören wir auf?

    11 Leserempfehlungen
  3. 5. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen sachlichen, konstruktiven Beitrag leisten möchten. Danke, die Redaktion/ls

  4. Minderheit wurde demokratisch beschlossen und die Gegner dieser Gleichstellung, wohl gemerkt eine Minderheit, hören nicht auf Druck auszuüben. Schön peinlich für Frankreich, aber immerhin gibt es dort im Gegensatz zu Deutschland jetzt die gleichgeschlechtliche Ehe.

    14 Leserempfehlungen
  5. ...beim Thema Stuttgart21 wurde den Gegner noch Renitenz und Unbelehrbarkeit vorgeworfen und gefordert, sie mögen doch bitte die Rechtslage anerkennen.

    Anscheinend gelten Gesetze nur, wenn es um Bauvorhaben und nicht um Menschenrechte geht...

    11 Leserempfehlungen
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    • freudo
    • 18. Mai 2013 10:34 Uhr

    bei Stuttgart21 wurde ja auch am Ende ein Volksentscheid zur Finanzierung abgehalten.

    Dann soll Hollande doch einen Volksentscheid in Frankreich abhalten über das Adoptionsrecht und gut ist.

    [...]

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • freudo
    • 18. Mai 2013 10:34 Uhr

    bei Stuttgart21 wurde ja auch am Ende ein Volksentscheid zur Finanzierung abgehalten.

    Dann soll Hollande doch einen Volksentscheid in Frankreich abhalten über das Adoptionsrecht und gut ist.

    [...]

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Komisch..."
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    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    Die Mehrheit darf niemals über die Rechte einer Minderheit bestimmen! Stellen Sie sich vor, die Ungarn dürften tatsächlich über die Rechte der Roma und Sinti abstimmen... Das wäre ja furchtbar!

    • F. M.
    • 18. Mai 2013 14:07 Uhr

    Dann soll Hollande doch einen Volksentscheid in Frankreich abhalten über das Adoptionsrecht und gut ist.

    Die letzte Wahl, bei der die Regierung Hollande an die Macht gewählt worden ist, WAR dieser Volksentscheid, weil Hollande und seine Partei die Einführung der Ehe für gleichgeschlechtlich Liebende, mitsamt dem Adoptionsrecht dazu, als Programmpunkt in seinem Wahlprogramm hatte.
    Die Homo-Ehe war ein Wahlversprechen der Sozialisten, das jetzt eingelöst wurde.

    Die Mehrheit der Franzosen, die für diese Regierung gestimmt hat, hat also auch gleichzeitig für die Ehe und das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlich Liebender gestimmt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, ff
  • Schlagworte Frankreich | Adoption | Ehe | Gleichberechtigung | Hochzeit | Opposition
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