Seif al-Islam in einer Zelle in Libyen © AFP/Getty Images

Gaddafi-Sohn Seif al-Islam soll weiterhin vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag der Prozess gemacht werden. Das Weltstrafgericht lehnte den Antrag Libyens ab, auf das Verfahren zu verzichten. Libyen sei verpflichtet, den Beschuldigten auszuliefern, heißt es in einer Erklärung. Die Zuständigkeit des Gerichts stehe in diesem Fall fest.

Der Strafgerichtshof wirft Seif al-Islam Gaddafi vor, im Jahr 2011 beim Versuch, die Rebellion in seinem Land niederzuschlagen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt zu haben. Der 40-jährige Sohn von Muammar al-Gaddafi wurde im November 2011 gefasst, einen Monat nach dem Tod seines Vaters. Der 63-jährige Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi wurde im März 2012 in Mauretanien festgenommen und an Libyen ausgeliefert. Beide Beschuldigte sind derzeit in Libyen inhaftiert. Nach Auffassung der libyschen Behörden sollen sie sich dort vor Gericht verantworten. Im Mai 2012 stellten die Behörden einen entsprechenden Antrag.

Der Strafgerichtshof erklärte jetzt, die libysche Seite habe nicht ausreichend geltend machen können, dass ihre Ermittlungen sich auch auf die vom Internationalen Strafgerichtshof untersuchten Vorkommnisse erstreckten. Auch sei Tripolis nicht in der Lage gewesen, bestimmte Zeugenaussagen zu bekommen oder für einen umfassenden Zeugenschutz zu sorgen. Libyen kann gegen die Entscheidung in Berufung gehen.