TerrorismusUSA räumen Drohnenangriffe auf Amerikaner ein

US-Justizminister Holder hat die gezielte Tötung von US-Bürgern im Ausland zugegeben. Das Oberste Gericht erlaube solche Schritte, wenn andere Amerikaner gefährdet seien.

US-Justizminister Eric Holder

US-Justizminister Eric Holder  |  © Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Die US-Regierung hat erstmals zugegeben, einen US-Bürger mithilfe einer Drohne getötet zu haben. Insgesamt seien vier Menschen mit amerikanischem Pass bei Anti-Terror-Angriffen im Ausland getötet worden. Das schrieb US-Justizminister Eric Holder in einem Brief an den Vorsitzenden des Justizausschuss' des Senats, den die New York Times bereits veröffentlichte. Der Drohnen-Angriff – obwohl lange unbestätigt – hatte heftige Debatten in den USA ausgelöst.

Dem Schreiben zufolge wurde der Al-Kaida-Prediger Anwar al-Awlaki im September 2011 bei einem gezielten Drohnenangriff im Jemen getötet. Dabei sei auch ein Verbündeter von ihm, Samir Khan, ums Leben gekommen. Al-Awlakis 16-jähriger Sohn Abdulrahman al-Awlaki sei zwei Wochen später bei einem weiteren Drohnenangriff getötet worden. Der vierte von einer Drohne getötete US-Bürger, Jude Kenan Mohammed, sei in Pakistan gestorben.

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Mohammed stand auf der FBI-Liste der meistgesuchten Terroristen. Ihm wurde vorgeworfen, zum zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 Anschläge auf Brücken und Tunnel in New York geplant zu haben. Außer Anwar al-Awlaki seien die Terrorverdächtigen aber nicht gezielt ins Visier genommen worden.

Unterstützung für Obamas Rede zur nationalen Sicherheit

Der Tod al-Awlakis hatte eine Diskussion in den USA darüber aufkommen lassen, ob der US-Präsident eine gezielte Tötung von US-Bürgern anordnen darf, wenn diese unter Terrorismusverdacht stehen, sie aber nicht wegen eines Verbrechens angeklagt sind und gegen sie auch kein Verfahren läuft. Der Brief Holders erreicht den Kongress nun vor einer sicherheitspolitischen Rede Barack Obamas zum Anti-Terror-Kampf. Das Weiße Haus teilte mit, Obama werde vor der Universität der US-Militärs über das Vorgehen gegen extremistische Bedrohungen sprechen.

Das Schreiben Holders rechtfertigt die Tötung al-Awlakis als angemessen und loyal. Al-Awlaki hätte andere Anhänger von Al-Kaida aktiv zu Anschlägen angespornt und sei deshalb eine unmittelbare Gefahr für das Leben von Amerikanern gewesen. Auch wenn sie US-Bürger seien, erlaube das Oberste Gericht Maßnahmen zum Schutz vor Terroristen, wenn sie sich im Ausland versteckten, schreibt der Justizminister.

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Leserkommentare
  1. Diese Information ist A.) schon ziemlich alt und B.) in wirklichkeit nichts "neues". Denn es werden Terroristen gejagt. Und wenn sich ein US Staatsbürger in sonstwo zum Terroristen ausbilden lässt und auf den Schirm der CIA gerät, wird er behandelt wie jeder andere auch.

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    "Denn es werden Terroristen gejagt."

    Diese Aussage ist grundlegend falsch. Es werden "potenzielle" bzw. "angebliche" Terroristen oder aber auch Personen unter Terrorismusverdacht gejagt und getötet. Und eben genau da liegt der Hase im Pfeffer. In einer "normal" zivilisierten Welt würde man eine Tötung ohne Beweise, Verhandlund und Gerichtsurteil schlichtweg als das bezeichen was es ist und zwar MORD !

    wenn das ihre Auffassung von einem Recht Staat ist,gute Nacht.Bisher endschiden immer noch Gerichte wer oder was schuldig ist.Was die USA betreiben ist Terror.

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    definiert genau, welcher Mensch nun ein Terrorist ist und welcher nicht? Da wird es schon problematisch - ganz abgesehen davon, daß der Begriff Terrorismus schon immer für die andere politische Seite benutzt wurde; auch die Amerikaner waren einmal Terroristen, nämlich bei ihren Unabhängigkeitskriegen, jedenfalls in den Augen der Engländer. Hätte es damals schon Drohnen gegeben, wäre Amerika vermutlich heute noch englisch - denn die Terroristen namens Jefferson, Washington u.a. wären vermutlich vorsorglich 'beseitigt' worden.

    Und von diesen "Terroristen" gibt es ja reichlich...auf der US Terrorliste "Tide" tummeln sich knapp 900.000 Namen.
    Im übrigen wird auch Occupuy als potenziell terroristische Bedrohung eingestuft; ebenso wie Tierrechtsaktivisten und radikale Umweltschützer.
    Und auch wenn Occupuy eingeschlafen ist, verschärfen sich die sozialen Spannungen in den USA, in der ganzen Welt, infolge der globalen Systemkrise zunehmend und bilden den Nährboden für radikale Weltanschauungen und militanten Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse.
    Und da die bestimmenden Eliten bislang bei noch jeden Versuch, die Umstände friedlich zu verändern, und wenigstens kleine Reformen zuzulassen, die das Leben vieler Millionen Menschen drastisch verbessen würden, zynisch abwinken, und jenen die sich trotzdem noch Gehör verschaffen wollen, Wasserwerfer und Reizgas als "schlagendes Argument" für den Status Quo und die Alternativlosigkeit entgegensetzen, wird die Zukunft natürlich auch von Nicht-Regierungsseite Gewalt zeigen.
    Anders hört ja keiner zu.
    Womit das Schicksal militanter Gewerkschafter in Zukunft ein ähnliches sein könnte, wie das religiös-motivierter, mutmaßlicher Attentäter.

    "Sind nicht US Bürger Menschen zweiter Klasse ?"

    Ein schönes Beispiel wie das Weglassen des Bindestrichs den Sinn völlig verdrehen kann. Hier entstand ein verneinter Fragesatz, wo das 'nicht' eigentlich Teil des Substantivs sein sollte (Nicht-US-Bürger). Nur so passt der Satz in den Kontext. Leider wird der Bindestrich viel zu häufig weggelassen.

    "und auf den Schirm der CIA gerät, wird er behandelt wie jeder andere auch."

    hat noch NIEMALS für Gerechtigkeit gesorgt sondern stets für das genaue Gegenteil.

    MfG
    biggerB

  2. Interessant zu sehen, dass in den USA eine breit gefächerte Diskussion darüber gibt ob man US Bürger ohne das sie eines Verbrechen angeklagts sind oder ohne das ein Verfahren läuft einfach mal eben so über den Haufen schiessen darf. Viel Interessanter ist allerdings das es die selbe Diskussion nicht gibt wegen der Hunderten ( oder sind es schon tausende ? ) NICHT US Bürger welche von einem Sesselfurzer per Knopfdruck über den Jordan gegangen sind. Sind nicht US Bürger Menschen zweiter Klasse ? Hat nicht jeder einen fairen Prozes verdient ? Anscheinend nicht.

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    Keine Bilder dieser Toten, keine Bilder der Frauen und Kinder die als Kolleteralschaden eben mit getoetet werden - keine Medien hier die sowas in der gleichen Intensitaet darstellen wir Boston oder gerade Woolwich - wieso?

    • M_P
    • 23. Mai 2013 15:10 Uhr

    "Der Tod al-Awlakis hatte eine Diskussion in den USA darüber aufkommen lassen, ob der US-Präsident eine gezielte Tötung von US-Bürgern anordnen darf, wenn diese unter Terrorismusverdacht stehen, sie aber nicht wegen eines Verbrechens angeklagt sind und gegen sie auch kein Verfahren läuft."

    Bei dem Satz krieg ich (nett gesagt) ne absolute Macke! Dieser Zustand ist einer der größten Skandale unserer Zeit. Und wenn sich schon keiner über die "unter Verdacht" stehenden Getöteten empört, warum ruft man als bspw. BK Merkel nicht täglich bei Obama an wegen den getöteten Zivilisten, die nicht unter Verdacht stehen. Aber nur die "Islamisten" sind die Bösen! Schon klar...

  3. ist das nicht...Terrorismus?

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    Terrorismus ist es, wenn man Zivilisten als erklärtes Ziel hat. Wenn man bei der Jagt auf Terroristen auf Zivilisten tötet, ist dies nicht toll. Aber eben kein Terroismus. Es sei denn, man neigt dazu, keinerlei Unterschiede zu machen. Weil es so bequemer ist.

  4. "Denn es werden Terroristen gejagt."

    Diese Aussage ist grundlegend falsch. Es werden "potenzielle" bzw. "angebliche" Terroristen oder aber auch Personen unter Terrorismusverdacht gejagt und getötet. Und eben genau da liegt der Hase im Pfeffer. In einer "normal" zivilisierten Welt würde man eine Tötung ohne Beweise, Verhandlund und Gerichtsurteil schlichtweg als das bezeichen was es ist und zwar MORD !

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    wie man einen Taliban erst einen demokratischen Prozess machen soll. Das ist lächerlich. Wir sind in der Diskussion: Wie Wehrlos darf die Demokratie sein, wenn sie angegriffen wird.

    Und wir werden diese Diskussion anders führen, wenn es erst einmal in Deutschland zu einem Anschlag gekommen ist. Bislang haben wir den LUXUS und über die USA auszulassen.

    Der Tod wie vieler, des Terrorismus verdächtigten, ist das Leben eines Amerikaners wert?

    Es gibt gute Terroristen, und es gibt böse Terroristen.
    Die Guten wollen gerade, unterstützt vom Westen, Assad in Syrien stürzen.

  5. 5. Warum?

    "Al-Awlakis 16-jähriger Sohn Abdulrahman al-Awlaki sei zwei Wochen später bei einem weiteren Drohnenangriff getötet worden."

    Warum?

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    ... Terrorverdächtigen aber nicht gezielt ins Visier genommen worden."

    Was heisst, dass diese toten Terrorverdächtigen so eine Art Kolateralschaden beim Auslöschen von anderen Terrorverdächtigen waren.

    Glück gehabt, es hätte auch Unschuldige treffen können.

    Kai Hamann

  6. ...Mitglieder des NSU hätten sich nach Südafrtika abgesetzt und wären dort mit deutschen Drohnen getötet worden.

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    Entfernt. Bitte kommentieren Sie zum konkreten Artikelthema. Danke. Die Redaktion/kvk

    der 911 hätte in Frankfurt und Berlin statt gefunden. SO wird eine gute These daraus.

  7. Mich würde interessieren, auf welche Entscheidung des Obersten Gerichtshofes Bezug genommen wird. Dieser hat ja am 12.06.2008 - "Boumediene v. Bush" - es bereits für verfassungswidrig erklärt, terrorverdächtigen Ausländern das Recht zu entziehen, vor zivilen Gerichten die Rechtmäßigkeit ihrer Inhaftierung prüfen zu lassen.

    Will man dennoch sogar die gezielte Tötung eines eigenen Staatsbürgers ohne Gerichtsurteil für rechtmäßig halten, ist mir außerhalb der unmittelbar drohenden Gefahr kein Urteil in diese Richtung bekannt. Gerade bei "aufrührerischen Reden" ist vielmehr die Redefreiheit sehr weitgehend - Brandenburg vs. Ohio.

    2 Leserempfehlungen
    • Jopa
    • 23. Mai 2013 8:07 Uhr

    Es ist absolut hirnrissig zu glauben, dass man mit Drohnen oder anderem Kriegsgerät Frieden schaffen könnte. Wir sollten uns durch die pervertierte Leitgedanken so mancher Politiker, irregeleiteter Glaubensfanatiker, Waffenproduzenten und deren Nutznießer, etc. nicht in die IRRE führen lassen. Würden die ganzen Gelder die für Waffen, Militär etc. ausgegeben werden in humanitäre Hilfe investiert, was gäbe es dann für Gründe dass Menschen gegeneinander Krieg führen sollten? Warum soll man jemanden bekämpfen der einem hilft?

    14 Leserempfehlungen
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    etwas zu lesen, was da nicht steht. Niemand hat vor, mit Waffen frieden zu erreichen. Das wäre Aufgabe der Politik und der Gesellschaft.

    Es wird nicht passieren, dass Terroristen erkannt, aber nicht bekämpft werden. Dies hat uA zum 911 geführt. Das wiederum ist DAS Argument für die VTler, die so behaupten wollen, die USA hätten von den Anschlägen gewusst und sie gezielt nicht verhindert. Nun passiert genau das Gegenteil und es ist wieder nicht richtig.

    Schön, wenn man das alles aus sicherer Entfernung kommentieren und Beurteilen kann. Hat aber nur geringen Wert.

    • Jopa
    • 23. Mai 2013 9:21 Uhr

    Hä???

    war das durchschnittliche Militärbudget der USA in den letzten 12 Jahren.
    Als W. Bush übernahm bekam er von Clinton ein Haushaltsplus!
    Den Rest kann sich jeder denken.
    Einfach nur erbärmlich und zum Kotzen.

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  • Quelle dpa, AFP, AP, cw
  • Schlagworte USA | Anwar al-Awlaki | Barack Obama | Terrorismus | Anschlag | Drohne
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